Vitamin-D bei COPD

Vitamin-D bei COPD

Die Bezeichnung COPD ist eine Sammelbezeichnung für chronische Erkrankungen der Atemwege und beinhaltet die Kombination aus chronisch-obstruktiver Bronchitis, und Lungenemphysem. Die überwiegende Anzahl der Todesfälle bei COPD sind auf akute Exazerbationen zurückzuführen, bei denen sich die Symptome plötzlich und für kurze Zeit stark verschlechtern. Exazerbationen werden häufig durch virale Infektionen der oberen Atemwege ausgelöst – also das, was wir allgemein als Erkältung, grippalen Infekt oder in schwereren Fällen als Grippe bezeichnen. Solche akuten Verschlechterungen können immer wieder im Verlauf einer COPD auftreten. Jedes einzelne dieser Ereignisse erhöht für den Patienten das Risiko, dass im weiteren Verlauf der Erkrankung mehr Exazerbationen auftreten können.

Vitamin D – das Vitamin, das unsere Haut bei Sonneneinstrahlung selbst bilden kann – ist am besten für seine Wirkung auf den Knochen bekannt, zusätzlich ist es auch für unserer Immunsystem von Bedeutung. Frühere Forschungen von Wissenschaftlern der Queen Mary University of London haben gezeigt, dass durch die Gabe von Vitamin-D bei Patienten mit leichtem bis mäßigem Asthma die Anzahl von akuten Verschlechterungen reduziert1 und das Auftreten von akuten Atemwegsinfektionen2, vermindert werden kann.

Es gab bereits eine Reihe von klinischen Studien zu der Fragestellung, ob eine Vitamin-D-Ergänzung auch das Risiko Exazerbationen verringert. Diese brachten jedoch widersprüchliche Ergebnisse: Einige Studien zeigen einen Nutzen, andere nicht. Die neue Untersuchung versuchte daher diese Fragestellung mit Hilfe einer so genannte „Meta-Analyse” in den Griff zu bekommen. Hierbei werden die Daten aus verschiedenen Studien in einer einzigen Datenbank zusammengefasst und anschließend ausgewertet. Die Wissenschaftler wollten so herausfinden, ob Vitamin D bei bestimmten Gruppen von COPD-Patienten eine stärkere Schutzwirkung vor akuten Exazerbationen haben könnte als bei anderen. Bei der in der Zeitschrift Thorax veröffentlichten Meta-Analyse wurden die Daten von insgesamt 469 Patienten gesammelt, die an einer von drei klinischen Studien mit Vitamin D teilgenommen haben.

Wirkung nur bei Vitamin-D-Mangel

Wie die Analyse ergab, führt die Gabe von Vitamin-D-Präparaten zu 45% weniger akuten Exazerbationen bei COPD-Patienten mit weniger als 25 nmol/l (Nanomol pro Liter Blut) 25-Hydroxyvitamin D. Bei der Substanz 25-Hydroxyvitamin-D, oft auch als Calcidiol bezeichnet, handelt es sich um eine Vorstufe des Vitamin-D. Diese Vorstufe wird dazu genutzt, den Vitamin-D Spiegel eines Patienten zu bestimmen. Bei Patienten mit höheren Vitamin-D-Spiegeln wurde jedoch kein Nutzen festgestellt.

Wie wirkt Vitamin D?

Laut einer Arbeit, die im Clinical Respiratory Journal veröffentlicht wurde, könnte Vitamin D die Produktion von entzündungsfördernden Botenstoffen hemmen. Gleichzeitig soll es auch die Reaktion bestimmter Immunzellen unterdrücken, die vermutlich zur Entstehung einer COPD beitragen. Außerdem könnte ein Vitamin-D-Mangel das Immunsystem schwächen, so dass chronische Atemwegsinfektionen begünstigt werden.3

COPD-Patienten sollten Vitamin-D-Spiegel messen lassen

Die Autoren raten deshalb dazu, dass COPD-Patienten Ihren Vitamin D-Status überprüfen und sich gegebenenfalls ein Vitamin-D-Präparat verschreiben lassen sollten. COPD-Patienten mit zu niedrigem Vitamin-D-Spiegel sollten auf jeden Fall eine Vitamin-D-Ergänzung erhalten, um den Mangel auszugleichen und das Anfallsrisiko zu senken.
Vitamin D wird oft in internationalen Einheiten (IE) oder auch in µg angegeben. Die Umrechnung ist ganz einfach:
1µg = 40 Internationale Einheiten (IE); 1 IE = 0,0225 µg

Die Vitamin-D-Zufuhr kann über die Ernährung oder auch durch die körpereigene Produktion mit Hilfe von Sonnenlicht erfolgen. Gerade im Winter ist der Körper beinahe ausschließlich auf die Zufuhr von Vitamin-D angewiesen. Als Faustregel für einen Erwachsenen kann hier die Gabe von 50 IE Vitamin-D pro Kilo Körpergewicht angesehen werden.
Die individuellen Werte sind immer abhängig vom Ausgangs-Blutspielgel, der Zufuhr über die Ernährung und von den Lebensgewohnheiten (Winter-Urlaub in sonnigen Gefilden) und können vom Arzt individuell ermittelt werden.

Die Studie liefert den bisher stärksten Hinweis auf einen Nutzen von Vitamin-D-Ergänzungen bei Patienten mit COPD, die einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben. Zu bedenken ist jedoch, dass die Daten dieser Analyse aus einer relativ geringen Anzahl von Studien stammen. Daher sollten die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden.

Quelle
1 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27595415
2.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28202713
3. https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/bei-copd-vitamin-d-mangel-vermeiden-12629/

Jolliffe DA, Greenberg L, Hooper RL, et al. Vitamin D to prevent exacerbations of COPD: systematic review and meta-analysis of individual participant data from randomised controlled trials. Thorax 2019;74:337-345.
https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-d/

 

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