Berühmte Menschen mit COPD

Berühmte Menschen mit COPD

Wer sich das Wachsfigurenkabinett in London einmal angesehen hat, ist in gewisser Weise womöglich einer der berühmtesten COPD-Patientinnen begegnet: Marie Tussaud (1761–1850), der Gründerin der Figuren-Ausstellung selbst. Ihr Sterbezertifikat vom 18. April 1850 gibt allerdings als Todesursache nur ihr fortgeschrittenes Alter an.

Eine berühmte Patientin mit Schwäche und nächtlichem Asthma

Experten analysierten die Briefe ihres jüngsten Sohnes Francis (1802–73), um zu ermitteln, woran Marie Tussaud konkret litt. In einem Brief im Frühjahr 1848 schreib Francis seinem Vater, dass die Mutter zunehmend schwächer wurde, manchmal “sehr krank” war und an Asthma litt, das sie nachts nicht zur Ruhe kommen ließ. Ihre Beine waren schlecht, sie litt, so die Beschreibung, an Überbeinen, die beim Gehen schmerzten. Noch 1842 berichtete im Gegensatz hierzu ihr Urenkel, dass sie sehr klein und schmal erschien, aber sich immer noch lebhaft unterhielt, ein exzellentes Gedächtnis habe und eine frische Gesichtsfarbe.

Es stehen nur begrenzt klinische Daten zur Verfügung – eine Annäherung an eine Diagnose ist trotzdem möglich, so die Experten. Fatigue und Schwäche, nächtliches Asthma, womöglich Ödeme der Beine oder Krampfadern sowie vermutlich infektiöse Erkrankungen könnten durch eine kardiorespiratorische Erkrankung erklärt werden.1

Herzversagen und COPD können sehr ähnliche Symptome hervorrufen

Grundsätzlich sind Herzversagen und COPD zwar sehr unterschiedlich, Betroffene entwickeln dennoch ähnliche Symptome. Dazu gehören neben Atemnot auch nächtlicher Husten, Belastungsintoleranz und Muskelschwäche. Die Erkrankungen teilen auch Risikofaktoren, wie etwa Rauchen, fortgeschrittenes Alter oder Entzündungsprozesse. Herzversagen und COPD sind die beiden wichtigsten möglichen Diagnosen, die bei einer Atemnot älterer Personen gestellt werden können.2

Herzversagen kann als Folge eines Bluthochdrucks eintreten. Jedoch fehlen in den Beschreibungen zum Gesundheitszustand der Madame Tussaud Hinweise auf Brustschmerzen oder Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum, die bei einer Blutdruck-assoziierten Herzerkrankung wahrscheinlich wären. Das Krankheitsbild passt hingegen zu einer COPD. Die letzte akute Erkrankung der Madame Tussaud dauerte nur 5 Tage und könnte eine Infektionserkrankung, eventuell eine Lungenentzündung gewesen sein, vermuten die Forscher, wie sie häufig bei einer COPD auftreten kann.1

Prominente mit COPD: Das Herz ist häufig beeinträchtigt

Symptome wie bei Madame Tussaud können also auf Herzprobleme deuten, aber tatsächlich Folge einer COPD sein. Allerdings kommt es auch häufig vor, dass das Herz tatsächlich geschädigt ist, wenn eine Reihe solcher Probleme gesehen werden. Dies kann nämlich eine Folge der COPD und der ständigen Entzündung im Körper sein. Herzerkrankungen und COPD treten daher nicht selten gemeinsam auf. Eine akute Verschlechterung der COPD, eine sogenannte Exazerbation, kann sogar das Risiko eines Herzinfarkts erhöhen.3 Die Beschreibung der Krankheitsverläufe von berühmten Persönlichkeiten mit vermuteter oder bekannter COPD umfasst tatsächlich in mehreren Fällen eine Herzerkrankung. So rauchte König Edward VII von England, historischen Berichten zufolge, täglich 20 Zigaretten und 12 Zigarren. Gegen Ende seines Lebens litt er unter häufiger und später anhaltender, schwerer Bronchitis, zunehmender Schwäche und erlitt mehrere Herzinfarkte. Leonard Bernstein (West Side Story) gilt als ein weiterer berühmter COPD-Patient, der nach langjährigem starkem Rauchen schon mit Mitte 50 überblähte Lungenbläschen (sogenannte Emphyseme) entwickelt hatte, mit 72 Jahren dann aber nicht an Lungen- sondern an Herzversagen starb.

COPD und Herzprobleme können sich demnach in ihren Symptomen ähneln und so, nicht nur bei historischen Persönlichkeiten im Rückblick, eine korrekte Diagnosestellung erschweren. Zudem können beide Erkrankungen zugleich vorliegen, da die COPD nicht selten Herzerkrankungen begünstigt und bei Verschlechterungen das Herzinfarkt-Risiko erhöht. Wenn also bei einem langjährigen Raucher von Herzproblemen berichtet wird, kann häufig eine COPD als eine wesentliche, eventuell das Herzproblem verursachende Erkrankung vermutet werden.

Referenzen

1. Galassi FM, Baker L, Ballestriero R, Rühli FJ. The death of Madame Tussaud: a cardiorespiratory interpretation. Lancet Respir Med. 2016 Dec;4(12):955. doi: 10.1016/S2213-2600(16)30385-X. Epub 2016 Nov 22. PMID: 27890505. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27890505/

2. Horodinschi RN, Bratu OG, Dediu GN, Pantea Stoian A, Motofei I, Diaconu CC. Heart failure and chronic obstructive pulmonary disease: a review. Acta Cardiol. 2020 Apr;75(2):97-104. doi: 10.1080/00015385.2018.1559485. Epub 2019 Jan 16. PMID: 30650022. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30650022/

3. Malo de Molina R, Aguado S, Arellano C, Valle M, Ussetti P. Ischemic Heart Disease during Acute Exacerbations of COPD. Med Sci (Basel). 2018 Sep 25;6(4):83. doi: 10.3390/medsci6040083. PMID: 30257486; PMCID: PMC6313773. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30257486/

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