Lungenfibrose bei COPD – Was kann helfen?

Lungenfibrose bei COPD – Was kann helfen?

Die chronisch obstruktive pulmonare Dysfunktion, kurz COPD, ist eine Lungenkrankheit, die sich meist nach langjährigem Rauchen entwickelt. Eine weitere Folge des Tabakgebrauchs kann auch eine Lungenfibrose sein. Damit ist eine chronische Entzündung des Bindegewebes der Lunge gemeint, bei der auch die Lungenbläschen betroffen sind. Entzündetes Gewebe wird dabei zunehmend in Bindegewebe umgebaut. Bindegewebe ist normalerweise im Körper wichtig zur Stabilisierung feiner Gewebestrukturen. Im Übermaß in der Lunge führt es allerdings zu einer Verhärtung und Vernarbung (Fibrosierung), die Lunge wird somit steifer. Dadurch wird der normale Gasaustausch in der Lunge gestört und die Aufnahme von Sauerstoff benötigt mehr Atemarbeit, die Anstrengung für die Atemmuskulatur steigt. Die idiopathisch pulmonale Lungenfibrose, kurz IPF, ist die Form der Erkrankung, bei der bei etwa einem Drittel der Patienten auch eine COPD vorliegt. Ein Großteil der IPF-Patienten (bis zu 70 %) waren früher Raucher.1

Symptome einer Lungenfibrose bei COPD: Mehr Atemarbeit und Atemnot

Die IPF macht sich besonders durch Atemnot bemerkbar, die bis zu 85 % der Betroffenen verspüren. Zu Beginn der Erkrankung tritt die Atemnot nur bei Belastung auf, später jedoch auch in Ruhe. Etwa dreiviertel der Patienten entwickeln Husten. Bedingt durch die auftretende Atemnot berichten viele Betroffenen auch über starke Müdigkeit und mangelnden Appetit. Gerade hierdurch kann es besonders bei chronisch Erkrankten auch zu einer Mangelernährung und damit zu einer Unterversorgung auch an Mineralstoffen und Vitaminen kommen. Meist nehmen die Symptome allmählich und schleichend zu, akute Verschlechterungen über wenige Wochen gibt es jedoch in seltenen Fällen auch.1  

Aufgrund der Versteifung des Lungengewebes ist die Atmung bei der IPF anders als bei COPD: Es gibt weniger tiefe, sondern mehr oberflächliche und schnelle Atemzüge, da die Lunge sich nicht im normalen Maße bei der Einatmung dehnt. Die Diagnose ist allerdings nicht ganz einfach und wird vor allem im Ausschlussverfahren anderer Erkrankungen und möglicher Ursachen gestellt. Die IPF heißt schließlich ”idiopathisch”, was soviel bedeutet wie: Ursache unbekannt.

Alternde Zellen und oxidativer Stress als Therapiechancen

Zur Ursache der IPF gibt es inzwischen allerdings ein verbessertes Verständnis und damit auch mehr Ideen, wie man die Erkrankung behandeln könnte. Untersuchungen zeigten nämlich, dass oxidativer Stress, also aggressive Sauerstoffverbindungen, eine wichtige Rolle im Krankheitsgeschehen spielen könnte. Diese aggressiven Sauerstoffverbindungen können sowohl bei Entzündungen im Körper selbst gebildet werden als auch durch beispielsweise durch die Einwirkung von Umweltschadstoffen oder Zigarettenrauch im Körper entstehen. Der oxidative Stress steigert die chronische Entzündung und regt Versteifung sowie Vernarbung des Gewebes an. Gleichzeitig wird dadurch die Alterung der Lunge beschleunigt, es treten Zellschäden auf und das Immunsystem entwickelt eine gegen das eigene Gewebe gerichtete Reaktion. Forscher vermuten daher, dass der Einsatz von Antioxidantien gegen den oxidativen Stress eine mögliche Strategie zur Eindämmung der IPF und womöglich auch der COPD sein könnte. Entsprechende Behandlungen werden aktuell in klinischen Studien untersucht, um das bereits vorhandene Therapiespektrum der IPF zu erweitern.2

Therapie von Begleiterkrankungen ist auch Therapie der IPF

Neben einer medikamentösen Therapie der IPF ist auch der Blick auf weitere Begleiterkrankungen bedeutsam, betont ein Team internationaler Experten in ihrer Übersichtsarbeit. Schließlich sind die wesentlichen Risikofaktoren für eine IPF, nämlich Altern und Rauchen, auch mit weiteren Erkrankungen assoziiert. Dies umfasst neben der Lungen-Erkrankung COPD auch Erkrankungen anderer Organsysteme wie beispielsweise:

  • Obstruktive Schlafapnoe
  • Koronare Herzkrankheit
  • Osteoporose
  • Ängste und Depression
  • Diabetes
  • Sodbrennen

Die Forscher machen deutlich, dass die Therapie der IPF häufig die Erkrankung entschleunigen kann. Die verschiedenen, typischen Begleiterkrankungen beeinflussen jedoch ebenfalls den Verlauf der IPF. Zusätzlich zu einer gezielten Therapie der erkrankten Lunge plädieren sie daher auch für eine sorgfältige Vorbeugung, Diagnose und Behandlung weiterer Erkrankungen, um die Überlebenschancen Betroffener zu verbessern.3

Auch bei IPF ist Bewegung wesentlich

Wie bei vielen der Begleiterkrankungen ist auch bei der IPF Bewegung ein wesentliches Therapieelement, wie in einer systematischen Literaturübersicht über 14 Studien mit insgesamt 362 Patienten und 95 Kontroll-Teilnehmern gezeigt wurde. Sportliche Übungen als Reha-Maßnahmen verbesserten demnach die Belastungsfähigkeit der IPF-Patienten in einem 6-minütigen Gehtest. Mit aerobem Sport und Atemübungen wurde zudem die Atemnot reduziert. Die Lebensqualität der Patienten besserte sich messbar nach den sportlichen Übungen, ob mit oder ohne ergänzendes Atemtraining.4

Die Lungenfibrose, besonders die IPF als Komplikation der COPD, ist somit eine ernstzunehmende Erkrankung, die häufig ältere Raucher betrifft. Inzwischen versteht man die Krankheitsprozesse, die der IPF zugrundeliegen, besser und kann therapeutisch lindernd eingreifen. Der Behandlung von Begleiterkrankungen kommt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle zu, um den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen. Für Patienten sind Reha-Maßnahmen, speziell Sport- und Atemübungen, wichtige Chancen zur Linderung von Atemnot und Besserung der Lebensqualität.  

Referenzen
1. Behr J, Günther A, Bonella F, et al.: S2K-Leitlinie zur Diagnostik der idiopathischen Lungenfibrose [German Guideline for Idiopathic Pulmonary Fibrosis]. Pneumologie. 2020 May;74(5):263-293. German. doi: 10.1055/a-1120-3531. Epub 2020 Mar 30. Erratum in: Pneumologie. 2020 May;74(5):e1-e2. PMID: 32227328. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32227328/
2. Barnes PJ. Oxidative stress-based therapeutics in COPD. Redox Biol. 2020 Jun;33:101544. doi: 10.1016/j.redox.2020.101544. Epub 2020 Apr 20. PMID: 32336666; PMCID: PMC7251237. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32336666/
3. Luppi F, Kalluri M, Faverio P, Kreuter M, Ferrara G. Idiopathic pulmonary fibrosis beyond the lung: understanding disease mechanisms to improve diagnosis and management. Respir Res. 2021 Apr 17;22(1):109. doi: 10.1186/s12931-021-01711-1. PMID: 33865386; PMCID: PMC8052779. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33865386/4. Hanada M, Kasawara KT, Mathur S, Rozenberg D, Kozu R, Hassan SA, Reid WD. Aerobic and breathing exercises improve dyspnea, exercise capacity and quality of life in idiopathic pulmonary fibrosis patients: systematic review and meta-analysis. J Thorac Dis. 2020 Mar;12(3):1041-1055. doi: 10.21037/jtd.2019.12.27. PMID: 32274173; PMCID: PMC7139046. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32274173/

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