Typ-2-Diabetes: Wie oft sollten Sie den Blutzucker messen?

Typ-2-Diabetes: Wie oft sollten Sie den Blutzucker messen?

Blutzuckermessen ist wichtig

Wenn Sie an Diabetes leiden, können Sie Ihren Blutzuckerspiegel selbst testen, um die Medikamenten-Einnahme zu steuern, blutdrucksteigernde oder –senkende Aktivitäten besser beurteilen zu können und um Diabetes-Komplikationen vorzubeugen. Die Selbstüberwachung des Blutzuckerspiegels durch Blutzuckermessung liefert also nützliche Informationen für das Diabetes-Management. Deswegen ist eine gezielte und strukturierte Blutzuckermessung durchaus sinnvoll. Wie häufig diese stattfinden soll, hängt von der Art der Erkrankung ab und wird kontrovers diskutiert.

Studie: unnötig viele Messungen

Eine Arbeit, die im Dezember 2018 in der renommierten Fachzeitschrift JAMA Internal Medicine erschien, argumentiert nun, dass viele Menschen mit Diabetes-Typ-2 keinen Nutzen von der täglichen Messung des Blutzuckerspiegels hätten. Vierzehn Prozent der Diabetes Patienten, die kein Insulin benötigen, kauften so viele Teststreifen, dass sie ihren Blutzucker zweimal oder mehrmals am Tag testen könnten. Medizinische Richtlinien besagen jedoch, dass diese Patienten mit niedrigem Risiko nicht so häufig getestet werden müssten. Solche unnötigen Messungen würden den Diabetikern Zeit und Mühe und den Krankenversicherungen unnötig Geld kosten.

Was wurde untersucht und für wen gilt das?

Diese Studie umfasst die Daten von über 370.000 Patienten mit Diabetes-Typ-2, die keine blutzuckersenkenden Medikamente wie Insulin einnehmen bzw. spritzen. Für diese Diabetes-Typ-2-Patienten ist nach den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften keine Überwachung mit Blutzuckermessungen erforderlich. Das gilt auch für Patienten, die nur Metformin einnehmen, das am häufigsten verschriebene blutzuckersenkende Medikament. Bei Metformin besteht kein hohes Risiko für Hypoglykämie (Unterzuckerung), hier müsste man gar nicht mehr testen, geschweige denn mehrmals täglich, so die Autoren. Trotzdem verwendeten, so das Ergebnis der Studie, 63 Prozent der Patienten mit Diabetes-Typ-2 durchschnittlich zwei Teststreifen pro Tag, obwohl sie Ihren Blutzucker eigentlich nicht täglich testen müssten.

Wer sollte auf jeden Fall regelmäßig messen?

Die Ergebnisse dieser Studie widersprechen den jahrzehntelangen Bemühungen der Patientenaufklärung. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die Studie irreführend und schädlich für viele Diabetespatienten sein könnte, weil sie glauben, dass sie ihren Blutzuckerspiegel nicht häufig testen müssten. Häufige Blutzuckermessungen gelten nach wie vor als wichtiger Faktor für den Erhalt von Gliedmaßen, Sehkraft und Nierenfunktion bei Diabetikern. Der Blutzuckerspiegel ist jedoch nicht den ganzen Tag über konstant. Die Werte schwanken zum Beispiel nach der Aufnahme von Kohlenhydraten, Fett, Eiweiß, bei Aktivität und Stress. Auch Diabetes-Medikamente können regelmäßige Anpassungen erfordern, und andere Nicht-Diabetes-Medikamente, z. B. Cortison-Injektionen, können den Blutzuckerspiegelbeeinflussen.

Ohne regelmäßige Messungen können Diabetes-Patienten nicht beurteilen, ob sie Medikamente einnehmen sollten, um ihren Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, bzw. ob die Dosierung angepasst werden muss. Selbst wenn sie nur Metformin einnehmen, kann das einen großen Einfluss darauf haben, wie sich bestimmte Lebensmittel auf ihren Blutzuckerspiegel auswirken. Nur wenn ein Patient über einen Zeitraum von einigen Monaten konstant gesunde Blutzuckerwerte zeigt, kann man eine Pause von den häufigen Tests einlegen.

WICHTIG:

In folgenden Fällen sollten Menschen mit Diabetes-Typ-2 Ihren Blutzuckerspiegel unbedingt regelmäßig messen:

  • Wenn sie mit Insulin behandelt werden oder Medikamente einnehmen, die zu einem zu niedrigen Blutzuckergehalt führen können und damit zu einem lebensbedrohlichen Zustand.
  • Wenn Sie schwanger sind.
  • Wenn Ihr Blutzuckerspiegels schwierig zu kontrollieren ist.
  • Wenn bereits Diabetes-Komplikationen vorliegen.

Wie oft ist genug?

Es ist wichtig, dass der Blutzuckerspiegel in einem gesunden Bereich bleibt. Liegt der Blutzuckerspiegel zu niedrig (Hypoglykämie), verlieren wir die Fähigkeit, normal zu denken. Liegt er längere Zeit zu hoch (Hyperglykämie), kann dies über die Jahre hinweg zu Schäden und Komplikationen im Körper führen (z.B. diabetischer Fuß, Augen- und Nervenschäden). Deswegen ist es für die meisten Diabetiker sinnvoll, den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu überprüfen.

Die Ergebnisse der Blutzuckertests helfen Ihnen und Ihrem Arzt, Ihre Erkrankung besser zu managen. Das trägt dazu bei, den Medikamentenbedarf zu verringern und Diabetes-Komplikationen zu vermeiden.

Wie oft genau Sie Ihren Blutzucker testen sollten, hängt hauptsächlich von individuellen Faktoren, wie Ihrem Gesundheitszustand und den Anforderungen Ihres täglichen Lebens ab. Vielleicht müssen Sie Ihren Blutzucker mehrmals am Tag überprüfen, vor den Mahlzeiten oder beim Training, vor dem Schlafengehen, oder wenn Sie merken, dass Ihr Blutzuckerspiegel zu niedrig ist. Bleibt Ihr Blutzuckerspiegel über längere Zeit in einem gesunden Bereich, d.h., haben Sie Ihren Diabetes gut im Griff, können Sie auch seltener messen. Fragen Sie Ihren Arzt, wann und wie oft Sie Ihren Blutzucker kontrollieren sollten.

Was ist mit dem HbA1c-Wert?

Statt der täglich mehrfachen Messung wird Patienten mit guter Blutzuckerkontrolle der einmalige Test für die Blutzuckerentwicklung innerhalb der letzten 2 bis 3 Monate (der HbA1c-Wert) empfohlen. Es ist allerdings schwierig, nur auf Grundlage dieses HbA1c-Werts eine Medikamentendosis anzupassen oder ein neues Medikament zu verschreiben. Dafür benötigt man mehr Daten, die zeigen, wann und warum der Blutzuckerspiegel steigt. Und der Langzeitwert verrät auch nicht alles. Menschen können täglich mit hohem Nüchtern-Blutzucker aufwachen, aber der HbA1c-Wert gibt darüber keine Auskunft. Selbst bei vierteljährlichen HbA1c-Tests bleibt Vieles leicht unbemerkt. Außerdem ist der Langzeitblutwert schwerer zu interpretieren, während die täglichen Glukosemessung klare kurzfristige Ergebnisse liefern, die auf spezifischen Entscheidungen rund um Nahrung, Medikamente und Bewegung basieren. So ist für den Patienten ein HBA1c-Wert von 8 Prozent nicht annähernd so anschaulich wie 190 mg/dl auf dem Glukosemessgerät, nachdem er oder sie eine Süßigkeit gegessen hat.

Fazit

Diese aktuelle Studie betrachtete nur zwei Gruppen von Diabetes-2-Patienten: Diejenigen, die gar keine Antidiabetika einnehmen und die, die nicht-insulinische Diabetes-Medikamente einnehmen. Bei beiden Gruppen gehen die Autoren von nur geringen Schwankungen des Blutzuckerspiegels aus. Für diesen Personenkreis kann es tatsächlich ausreichen, den Blutzuckerspiegel nicht täglich zu kontrollieren. Für Patienten, die Insulin oder andere blutdrucksenkende Medikamente einnehmen müssen, ist eine regelmäßige Messung des Blutzuckerspiegels auf jeden Fall wichtig und zu empfehlen. Und auch die übrigen Diabetes-Patienten können mit häufigeren Blutzuckermessungen ermitteln, welche Lebensmittel ihren Blutzuckerspiegel am stärksten ansteigen lassen. Das kann dazu beitragen, dass sie in Zukunft andere Entscheidungen treffen, um insgesamt eine bessere Diabetes-Kontrolle zu erzielen. Sinnvoll ist also eine Messung vor allem dann, wenn der Betroffene aus dem Ergebnis Schlüsse ziehen und Konsequenzen ableiten kann.

Quelle:
https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2717953
Detaillierte Infos zur Blutzuckermessung: https://www.vdbd.de/Downloads/Blutzucker-Selbstkontrolle-Stand1142014.pdf

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