Gut versorgt mit Faktorpräparaten

Gut versorgt mit Faktorpräparaten

Patientinnen und Patienten mit Hämophilie erhalten ihre Arzneimittel, die sie zur Prävention und Therapie von Blutungen benötigen, in der Apotheke vor Ort oder über die Online-Apotheke.  Das war nicht immer so, denn bis September 2020 gab es die Medikamente nur in den Hämophilie-Praxen und -Zentren, welche die Präparate direkt vom Hersteller bezogen. Die Einführung des „Gesetzes für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ (GSAV) hob diese Regelung auf. Nach wie vor verfügt aber jedes Hämophilie-Zentrum und jede spezialisierte Praxis über ein Notfalldepot an Gerinnungspräparaten. Um bei einem stärkeren Blutungsereignis schnell über ausreichend Faktorpräparate zu verfügen, ist es dennoch ratsam, immer selbst einen Vorrat an Medikamenten zu Hause zu haben und auch in den Urlaub mitzunehmen.

Verordnet werden die Faktorpräparate ausschließlich vom behandelnden Hämophilie-Spezialisten, dem Hämostaseologen, oder – in Absprache mit diesem – auch vom Hausarzt.  Letzteres kann beispielsweise dann sinnvoll sein, wenn man vom Gerinnungszentrum weiter entfernt wohnt oder in einem Notfall der Hausarzt schneller erreichbar ist. Jede Praxis kann die Verordnung auch direkt an die Vor-Ort- oder Internet-Apotheke weiterleiten, so dass ein Arztbesuch nicht immer zwingend notwendig ist.

Gesetzliche Zuzahlung und Befreiungsausweis   

Hat die Praxis in der Verordnung die Krankenversicherung, die Adresse und den Gebührenstatus (zuzahlungsbefreit oder nicht) richtig eingetragen, kann der Patient das Rezept in jeder Apotheke seiner Wahl einlösen. Während Kinder und Jugendliche grundsätzlich zuzahlungsbefreit sind, müssen gesetzlich Versicherte über 18 Jahre eine Zuzahlung leisten: Diese entspricht zehn Prozent des Arzneimittelpreises und beträgt mindestens 5 €, maximal jedoch 10€ pro Arzneimittelpackung.

Die Zuzahlungen müssen nur bis zu einer bestimmten individuellen Belastungsgrenze beglichen werden. Bei chronisch kranken Menschen, die besonders oft zum Arzt müssen und viele Medikamente benötigen, liegt sie bei einem Prozent ihres jährlichen Bruttoeinkommens. Eine Bescheinigung über die Dauerbehandlung erhalten die Patienten von ihrem Arzt. Sobald die Belastungsgrenze im Laufe des Kalenderjahres überschritten wird, kann der Patient eine vollständige Befreiung von der Zuzahlung bei der Krankenkasse beantragen. Einige Kassen bieten an, dass der Patient den Höchstbetrag für das Kalenderjahr im Voraus zahlt und dann sofort den Befreiungsausweis erhält.

Transport und Aufbewahrung der Medikamente

Hämophilie-Arzneimittel müssen bis zu ihrer Verwendung in der Regel zwischen 2°C und 8°C sowie vor Licht geschützt aufbewahrt werden. Für den kurzen Weg von der Apotheke nach Hause können viele Medikamente – hier lohnt sich ein Blick in den Beipackzettel – auch bei etwas höheren Temperaturen transportiert werden. Allerdings sollte man sich nicht verschätzen, denn ein Auto beispielsweise kann sich in sehr kurzer Zeit auf eine Temperatur von über 25°C aufheizen.

Online-Apotheken senden kühlpflichtige Medikamente mit einem Spezialkurier direkt zum Patienten nach Hause, so dass eine ideale Temperierung zu jeder Zeit sichergestellt ist. Auch Vor-Ort-Apotheken bieten einen Lieferdienst an. Einige Faktorpräparate können auch bei Raumtemperatur, also bis maximal 25°C, gelagert werden. Dadurch ist die Haltbarkeit des Präparates allerdings zuweilen verkürzt.

Dokumentation von Faktorpräparaten

Die Apotheke, von der man seine Medikamente bezieht, dokumentiert die Abgabe des Faktorpräparats und leitet die Daten an den Arzt weiter, der das Gerinnungsmedikament verschrieben hat. Der behandelnde Hämostaseologe wiederum meldet die Arzneimittelabgabe an das Deutsche Hämophilieregister (DHR) beim Paul-Ehrlich-Institut. Im DHR werden seit 2008 unter Einhaltung des Datenschutzes therapierelevante Daten von Patientinnen und Patienten mit Hämophilie A und B sowie von Menschen mit einem Von-Willebrand-Syndrom oder an­deren Gerinnungs­faktor-Mangelerkrankungen registriert und langfristig dokumentiert. Auf diese Weise können auf den Markt strebende innovative Therapieoptionen – wie beispielsweise modifizierte Faktorpräparate, monoklonale Antikörper oder Gentherapien – erfasst und deren Entwicklung langfristig beobachtet und erforscht werden.

Gerade bei seltenen Erkrankungen wie der Hämophilie sind Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Therapien von großer Bedeutung, um ausreichend viele Patientendaten für valide Bewertungen zu er­halten. Etwa 130 Einrichtungen melden dem DHR jährlich Daten von insgesamt fast 8.500 Patienten, die dem Procedere zugestimmt haben. Der Patient selbst dokumentiert die Faktoranwendung in seinem Substitutionstagebuch oder in der Therapie-App und gibt die Informationen über das verwendete Präparat, die applizierte Menge, Datum, Uhrzeit und Grund der Substitution an den behandelnden Arzt weiter. Mithilfe dieser Tagebuchnotizen haben sowohl der Patient (bei Kindern die Eltern) als auch der Arzt jederzeit einen guten Überblick über den Verlauf und Erfolg der Therapie.

Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/116090/Haemophiliearzneimittel-werden-ab-September-ueber-Apotheken-verteilt
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/e-rezept.html
https://www.pei.de/DE/regulation/melden/dhr/dhr-node.html;jsessionid=69C244CA67E7C0EDA2A6F2DD8519A0BD.intranet232?cms_tabcounter=0

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