Mit chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) zum Wunschkind

Mit chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) zum Wunschkind

Eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) nimmt oft in einer Phase des Lebens ihren Lauf, in der die Familienplanung eine wichtige Rolle spielt. Glücklicherweise schließen sich Kinderwunsch und Krankheit nicht aus: Die Chancen, trotz Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ein gesundes Kind zur Welt zu bringen, sind groß. Allerdings gibt es für Frauen, die schwanger werden möchten, und für Männer, die ein Kind zeugen wollen, bei einer CED ein paar wichtige Dinge zu beachten.

Man weiß heute, dass die genetische Ausstattung insbesondere bei der Entstehung von Morbus Crohn eine wichtige Rolle spielt. Eine Frage, die sich daher viele Paare stellen, ist die, ob das Wunschkind später überhaupt gesund sein kann – oder ob man ihm die eigenen Anlagen in jedem Fall mit auf den Weg geben wird. Eine CED wird jedoch nicht eins zu eins von den Eltern an die Kinder vererbt. Angeboren bei Kindern ist lediglich die Veranlagung, also ein gewisses Risiko, später einmal selbst zu erkranken.

Hat beispielsweise ein Elternteil Morbus Crohn, beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind irgendwann die gleiche Diagnose erhalten wird, maximal 10 Prozent. Bei einer Colitis ulcerosa ist die Gefahr noch geringer. Und selbst wenn beide Elternteile an einer CED leiden, liegt das Erkrankungsrisiko für den Nachwuchs bei höchstens 35 Prozent. Die Chance, ein gesundes Kind zu bekommen, ist also hoch. Wer dennoch unsicher ist, kann sich in einer genetischen Beratungsstelle (Adressen gibt es unter www.gfhev.de/de/beratungsstellen/beratungsstellen.php) weitere Informationen einholen.

Frauen sollten möglichst in einer schubfreien Zeit schwanger werden

Fast alle jungen Frauen können trotz eines chronischen Darmleidens problemlos schwanger werden. In einer schubfreien Zeit sind CED-Patientinnen nicht weniger fruchtbar als gesunde Frauen ihres Alters. Und bei den meisten von ihnen verlaufen dann auch die Schwangerschaft und die Geburt ganz normal. Lediglich während eines akuten Schubs kann die Fruchtbarkeit, auch bedingt durch Unregelmäßigkeiten im Zyklus, leicht verringert sein.

Eine vollständige Entfernung des Dickdarms bei einer Colitis ulcerosa kann die Fruchtbarkeit ebenfalls einschränken. Auch die Zeugungsfähigkeit von Männern ist dadurch mitunter herabgesetzt. Generell hat eine CED bei Männern jedoch keinen Einfluss auf die Spermienqualität. Komplikationen wie Abszesse oder Fisteln im Becken- und Analbereich können allerdings sowohl die Erektion als auch den Samenerguss beeinträchtigen.

Für eine geplante Schwangerschaft ist der günstigste Zeitpunkt immer dann, wenn sich die Erkrankung gerade in einer Ruhephase befindet. Während dieser sogenannten Remission erleiden Frauen mit einer CED in der Regel nicht mehr Komplikationen als gesunde Frauen. Es gibt zwar Hinweise darauf, dass das Risiko für eine Frühgeburt (also eine Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche) oder für ein geringes Geburtsgewicht des Kindes (weniger als 2500 Gramm) bei Patientinnen mit einer CED etwa doppelt so hoch ist wie das gesunder Frauen. Belegt ist dieser Zusammenhang bisher aber nicht. Gute Gründe, um auf das Wunschkind noch ein wenig zu warten, sind ein akuter Entzündungsschub oder eine bevorstehende Operation.

Eine Schwangerschaft ist kein Anlass, um auf Arzneien zu verzichten

Wichtig ist in jedem Fall, sowohl den behandelnden Gastroenterologen als auch den Gynäkologen über die Pläne, ein Kind zu bekommen, zu informieren. Eventuelle Mangelerscheinungen, etwa Eisen-, Zink- oder Folsäuremangel, sollten möglichst vor Eintritt der Schwangerschaft behoben sein. Auch die medikamentöse Therapie muss eventuell an die Familienplanung angepasst werden. Doch selbst eine ungeplante Schwangerschaft ist kein Grund, sich wegen der CED übertriebene Sorgen zu machen – solange alle auftauchenden Fragen mit beiden Ärzten ausführlich besprochen werden.

Denn während der Schwangerschaft sollten insbesondere die Auswahl und die Einnahme der Medikamente ganz besonders sorgfältig erfolgen, um das Risiko für einen Krankheitsschub zu minimieren und so die Gefahr einer Fehl- oder Frühgeburt zu senken. Kommt es dennoch zu einem Schub, ist die Wahrscheinlichkeit, dass schwangerschaftsassoziierte Komplikationen auftreten, erhöht. Deshalb können und sollten Schübe – die gewöhnlich vorrangig im ersten Schwangerschaftsdrittel auftauchen – insbesondere während dieser neun ganz besonderen Monate so gut es geht behandelt werden.

Nur wenige Medikamente sind bereits im Vorfeld abzusetzen

Die meisten CED-Arzneien, die bei nicht schwangeren Frauen zum Einsatz kommen, können auch während der Schwangerschaft verwendet werden. Ein entzündlicher Schub infolge abgesetzter Medikamente gilt fast immer als ein höheres Risiko für Mutter und Kind als die möglichen Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie.

Eine Ausnahme von dieser Regel bilden insbesondere die Substanzen Methotrexat und Cyclosporin, die mindestens drei bis sechs Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden sollten. Denn von beiden Wirkstoffen ist bekannt, dass sie beim ungeborenen Kind Missbildungen hervorrufen können. Während einer Therapie mit diesen Medikamenten ist daher eine sichere Verhütungsmethode erforderlich.

Auch Männer, die ein Kind zeugen möchten, sollten auf Methotrexat und Cyclosporin zuvor mindestens drei Monate lang verzichtet haben. Eine Therapie mit Sulfasalazin, die insbesondere bei einer Colitis ulcerosa sowohl während eines akuten Krankheitsschubs als auch für die Langzeitbehandlung angewandt wird, sollte bei Männern mit Kinderwunsch beendet werden, da sie eine vorübergehende Zeugungsunfähigkeit hervorrufen kann.

Aminosalicylate und Kortison-Präparate sind am besten untersucht

Natürlich dürfen an schwangeren Frauen keine wissenschaftlichen Studien vorgenommen werden, mit deren Hilfe man die Sicherheit einzelner Wirkstoffe untersuchen würde. Das Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Berliner Charité hat jedoch – aufgrund der bislang gemachten Erfahrungen – Informationen für Ärzte und Patienten zur Sicherheit von Medikamenten in der Schwangerschaft und Stillzeit zusammengestellt. Diese sind für CED-Patienten im Internet unter www.embryotox.de/erkrankungen/details/chronisch-entzuendliche-darmerkrankungen/ zu finden.

Den Angaben der Charité zufolge sind während der Schwangerschaft Aminosalicylate, insbesondere die Wirkstoffe Mesalazin und Sulfasalazin, intensiv untersucht und gut verträglich. Auch Kortison-Präparate sind in allen Phasen der Schwangerschaft erlaubt. Allerdings sollte nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt die Art des Präparats und auch seine Dosis an die Schwangerschaft und den jeweiligen Entwicklungsstand des ungeborenen Kindes angepasst werden.

Auch Immunsuppressiva und Biologika sind in manchen Fällen erlaubt

In der Gruppe der Immunsuppressiva ist der Wirkstoff Azathioprin, gefolgt von Cyclosporin, am besten untersucht. So ist beispielsweise bekannt, dass das Risiko einer kindlichen Fehlbildung oder einer Fehlgeburt bei Patientinnen, die während der Schwangerschaft mit Azathioprin behandelt wurden, nicht höher ist als bei Patientinnen, die diesen Wirkstoff nicht eingenommen hatten. Daher wird er von vielen Ärzten nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung zur CED-Therapie auch während der Schwangerschaft empfohlen.

Zur Anwendung von Biologika in der Schwangerschaft gibt es keinerlei wissenschaftliche Studien. Die über Jahre hinweg weltweit gesammelten Erfahrungen legen jedoch nahe, dass eine Therapie mit ihnen sowohl vor als auch während der Schwangerschaft sicher ist. Bis jetzt liegen zumindest keine Hinweise darauf vor, dass diese Medikamente zu einer höheren Rate von Fehlbildungen beim Ungeborenen führen könnten. Die meisten Ärzte raten schwangeren Frauen daher nicht dazu, Biologika allein aufgrund der anderen Umstände abzusetzen.

Laut Charité sollte ihr Einsatz aber vor allem in der zweiten Schwangerschaftshälfte kritisch geprüft werden und nur wohl begründeten Einzelfällen vorbehalten sein. Zudem sollten Neugeborene von Patientinnen, die während der Schwangerschaft Biologika erhalten haben, bis zu sechs Monate nach der Entbindung nicht mit Lebendimpfstoffen geimpft werden.

Eine natürliche Geburt ist für die meisten Frauen möglich

Irgendwann steht jede schwangere Frau vor der Frage, wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchte. Für CED-Patientinnen ist es wichtig zu wissen, dass auch für sie in der Regel eine natürliche Geburt in Frage kommt – und dann dem Kaiserschnitt auch vorzuziehen ist. Einige Komplikationen allerdings können für einen Kaiserschnitt sprechen.

Bei Morbus Crohn können dies Entzündungen im After- oder Dammbereich sein. Insbesondere wenn eine vaginale Geburt oder ein mit ihr womöglich verbundener Dammriss oder -schnitt Fisteln im Bereich des Anus verschlimmern oder die Funktion des Schließmuskels beeinträchtigen könnten, ist ein Kaiserschnitt wahrscheinlich die bessere Alternative.

Bei einer Colitis ulcerosa können ein künstlicher Darmausgang, Stoma genannt, oder ein Pouch, also eine operativ hergestellte Verbindung zwischen Dünndarm und After, ebenfalls Anlass für einen Kaiserschnitt sein. Zwar können auch Stoma- oder Pouch-Trägerinnen eine gesunde Schwangerschaft durchleben. Allerdings erhöht sich bei ihnen bis zur Geburt das Risiko für mögliche Komplikationen, beispielsweise für einen Vorfall des Stomas oder bei einem Pouch für eine erhöhte Stuhlfrequenz oder gar Inkontinenz. Daher wird diesen Patientinnen in der Regel ein Kaiserschnitt zur Entbindung empfohlen.

Quellen:
http://dasgastroenterologieportal.de/Schwangerschaft_und_CED.html
https://www.gastro-liga.de/fileadmin/download/Morbus_Crohn_145-04-16.pdf
https://www.gastro-liga.de/fileadmin/download/Colitis_ulcerosa_131-02-16.pdf

 

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