Gewicht und Rheuma

Gewicht und Rheuma

Ein erhöhtes Körpergewicht, meist beschrieben mit dem BMI (body mass index), der das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße angibt, steht in Zusammenhang mit auffälligen Blutwerten bei rheumatischen Erkrankungen wie Psoriasis-Arthritis (PsA) und rheumatoider Arthritis (RA). Dabei wird zwischen normalgewichtigen Patienten (BMI bis 24,9 kg/m2), Übergewicht (BMI 25 – 29,9 kg/m2) und Adipositas (BMI 30 – 34,9 kg/m2) unterschieden. Bei rheumatoider Arthritis kann zudem auch Untergewicht ein Problem sein.

Starkes Übergewicht verstärkt Rheuma und senkt die Lebensqualität

Wie sich ein zu hohes Gewicht konkret auf Rheuma auswirkt, untersuchten Forscher mit Hilfe eines Registers Schweizer Patienten. Die Studie umfasste 819 Menschen mit PsA, von denen 36,5 % übergewichtig und 23,8 % adipös waren, sowie 3 217 RA-Patienten, bei denen 4,4 % untergewichtig, 31,8 % übergewichtig und 17,0 % adipös waren. Im Vergleich zur Patientengruppe mit normalem Körpergewicht wurden bei adipösen Menschen mit PsA und RA signifikant höhere Entzündungswerte (C-reaktives Protein, kurz CRP), eine höhere, also schlechtere, Krankheitsaktivität und niedrigere Lebensqualität festgestellt. Bei der PsA ging die Adipositas mit einem deutlich schlechteren Hautbild und mehr Schmerzen einher, während sich bei der RA bei akuten entzündlichen Erkrankungen typische Veränderungen im Blut (Blutsenkungsrate) und eine höhere Zahl schmerzender Gelenke zeigten.1

Sind Patienten stark adipös, kann dies sogar die Wirksamkeit bestimmter antirheumatischer Therapien reduzieren, fanden Forscher außerdem heraus, als sie adipöse und normalgewichtige Patienten in einem israelischen Register entzündlicher Erkrankungen verglichen. Als stark adipös galt dabei ein BMI ab 35 kg/m2). 521 RA-Patienten mit unterschiedlichem Gewicht wurden identifiziert, davon 80 % Frauen. Die Patienten waren, in Behandlung mit den TNFα (Tumornekrosefaktor–alpha) -Hemmern Etanercept, Infliximab, Adalimumab oder Golimumab. Die Wissenschaftler ermittelten, ob Patienten die Behandlung aufgrund mangelnder Wirksamkeit abbrachen und wie dies mit dem Gewicht der Patienten in Zusammenhang stand. Behandlungsabbrüche wurden 818 Mal dokumentiert. 334 (41 %) dieser Abbrüche wurden bei normalgewichtigen Patienten verzeichnet, 261 (32 %) bei übergewichtigen Patienten, 144 (17 %) bei adipösen Patienten und 79 (10 %) bei stark adipösen Patienten mit RA. Im Vergleich zur Zahl der Patienten zeigte sich, dass Abbrüche häufiger mit höherem BMI zu erwarten waren. Stark adipöse Patienten brachen demnach ihre TNF-Hemmer-Therapie mehr als doppelt so häufig wegen Unwirksamkeit ab wie normalgewichtige Patienten.2

Rheuma-Therapien können bei Adipositas unwirksam werden

Das Gewicht spielt jedoch nicht nur bei der Krankheitsschwere und der Rheuma-Behandlung eine Rolle, sondern könnte sich auch als Risikofaktor für die Entwicklung rheumatischer Erkrankungen herausstellen, zeigten nun Wissenschaftler anhand einer langfristigen Beobachtung tausender Kinder in Kopenhagen. Gewicht und Körpergröße von zwischen 1930 und 1996 geborenen Kindern wurden im Alter von 7 bis 13 Jahren ermittelt, und mit dem Geburtsgewicht sowie dem späteren Gewicht (im Schnitt im Alter von 35 Jahren) verglichen. Von 346 602 Kindern, davon 171 127 Mädchen, entwickelten 4 991 Personen (3 565 Frauen) später eine rheumatoide Arthritis. Bei den Frauen war das Risiko für eine RA deutlich höher, je mehr sie als Kind wogen. Im Alter von 7 bis 13 Jahren übergewichtige Mädchen entwickelten später 1,4-mal häufiger Rheuma als Mädchen, die in diesem Alter normalgewichtig waren. Bei Jungen schien das Körpergewicht hingegen keinen Risikofaktor für eine Rheuma-Erkrankung darzustellen. Auch das Geburtsgewicht war nicht für das Risiko einer späteren RA ausschlaggebend.3

In jungen Jahren auf das Gewicht achten kann vor Rheuma schützen

Ein zu hohes Gewicht ist demnach für viele Aspekte rheumatischer Erkrankungen von Nachteil. Übergewicht steigert offenbar die Entzündungsprozesse und führt somit zu schwereren Krankheitsverläufen, kann zudem die Wirksamkeit mancher Medikamente deutlich reduzieren und ist nach neuen Erkenntnissen in jüngeren Jahren sogar Risikofaktor für Rheuma bei Mädchen. Demnach lohnt es sich in jedem Alter und in jeder Krankheitsphase, ein gesundes Körpergewicht anzustreben.

Referenzen

1. Vallejo-Yagüe E, Burkard T, Möller B, Finckh A, Burden AM. Comparison of Psoriatic Arthritis and Rheumatoid Arthritis Patients across Body Mass Index Categories in Switzerland. J Clin Med. 2021 Jul 20;10(14):3194. doi: 10.3390/jcm10143194. PMID: 34300360; PMCID: PMC8304983. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34300360/

2. Elalouf O, Lidar M, Reitblat T, Zisman D, Balbir-Gurman A, Hakakian O, Mashiach T, Almog R, Elkayam O. High Body Mass Index is Associated with Shorter Retention of Tumor Necrosis Factor-Alpha Blocker Treatment in Rheumatoid Arthritis. Biologics. 2021 Jul 20;15:279-287. doi: 10.2147/BTT.S290169. PMID: 34321864; PMCID: PMC8312506. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34321864/

3. Thomas PE, Aarestrup J, Jacobsen S, Jensen BW, Baker JL. Birthweight, body size, and growth during childhood and risks of rheumatoid arthritis: a large Danish cohort study. Scand J Rheumatol. 2021 Sep 13:1-9. doi: 10.1080/03009742.2021.1954772. Epub ahead of print. PMID: 34514936. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34514936/


Kommentare