Kognitive Verhaltenstherapie verbessert Lebensqualität

Kognitive Verhaltenstherapie verbessert Lebensqualität

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine nicht heilbare Erkrankung, die durch entzündete und dauerhaft verengte Atemwege gekennzeichnet ist. Dadurch wird das Atmen erschwert. Patienten mit COPD leiden daher häufig unter Atemnot, die für die Betroffenen auch psychisch sehr belastend sein und zu Angstzuständen, Panik und Depressionen führen kann. Das wiederum kann dazu beitragen, dass die Patienten sich sozial zurückziehen und weniger aktiv sind. In der Folge kann auch ihre körperliche Fitness abnehmen, der allgemeine Gesundheitszustand und auch die Lebensqualität können sich verschlechtern.

Eine Studie von Karen Heslop-Marshall und Kollegen von den Newcastle-upon-Tyne-Krankenhäusern (UK) zeigte nun, dass einzelne Sitzungen mit kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) die Symptome von Angstzuständen, Depressionen bei Patienten mit COPD verringern und die Lebensqualität verbessern können.

Was ist kognitive Verhaltenstherapie (KVT)?

Die kognitive Verhaltenstherapie gehört zu den modernsten Psychotherapieverfahren, das sich schon bei vielen psychischen Problemen als wirksam erwiesen hat. Zusammengefasst besteht die KVT darin, die Selbstbeobachtung (Introspektion) des Patienten zu trainieren, damit er krankmachende (z. B. angsterzeugende oder Depressionen auslösende) Gedanken erkennen und diesen aus eigener Kraft gegensteuern kann.

Unter anderem beinhaltet die KVT bei Patienten mit COPD:

  • Informationen zu Angst und Depression.
  • Der Patient soll fehlerhafte Überzeugungen erkennen und korrigieren und hilfreiche Gedanken aufbauen.
  • Er lernt Strategien (Tipps & Tricks) und Übungen zum Umgang mit Angst und Panikattacken.

Was hat die Studie untersucht?

Die Wissenschaftler nahmen insgesamt 279 Patienten mit COPD und Angststörungen in die Untersuchung auf und teilte sie nach dem Zufallsprinzip in 2 etwa gleich große Gruppen ein. Eine Gruppe erhielt lediglich Informationsmaterial zur Selbstbehandlung von Angstzuständen (Kontrollgruppe). Die andere Gruppe erhielt zu diesen Selbsthilfebögen zusätzlich noch KVT-Sitzungen, und zwar über 3 Monate insgesamt 2 bis 6 Einzelsitzungen durch speziell geschultes Pflegepersonal. In den KVT-Sitzungen lernten diese Studienteilnehmer, Strategien zu entwickeln, um mit der durch Atemnot verursachten Angst besser umgehen zu können und Methoden, um ihre körperliche Aktivität zu verbessern.

Zu Studienbeginn sowie nach drei, sechs und zwölf Monaten bestimmten die Autoren das Ausmaß der Angstzustände und Depressionen mit Hilfe wissenschaftlich etablierter Fragebögen (HADS-Skala). Werte zwischen 8 und 10 auf dieser Skala zeigen leichte Symptome an, 11 bis 14 entsprechen moderaten Symptomen und Werte über 15 zeigen schwere Symptome an. Zu Studienbeginn erreichten 59% der Teilnehmer auf der HADS-Skala einen Wert von 8 oder mehr, was zeigt, dass Angst und Depressionen bei COPD-Patienten häufig vorkommen.

Ergebnisse der Studie

Nach drei Monaten füllten die Patienten den HADS-Angst-Fragebogen erneut aus. Ziel warfestzustellen, wie sich die verschiedenen Behandlungsmethoden auf dasAngstniveau der Patienten auswirkten. Die Forscher fanden heraus, dass KVT die Angstsymptome bei COPD-Patienten wirksamer lindert als nur die Selbsthilfebögen. (Der HADS-Wert verbesserte sich bei KVT durchschnittlich um 3,4 Punkte, bei der Kontrollgruppe nur um 1,9.)

Die Daten zeigten keinen Zusammenhang zwischen der Lungenfunktion eines Patienten und seiner Angstbewertung. Das bedeutet, dass auch Patienten mit leichter COPD sich sehr ängstlich fühlen können und auch sie von KVT-Sitzungen profitieren können.

„Unsere Studie zeigt,“ so Dr. Heslop-Marshall, „dass schon wenige KVT-Sitzungen, die von sogenannten „respiratory nurses“ (speziell geschultes Pflegepersonal) durchgeführt werden, die Angstsymptome wirksam und kostengünstig reduzieren können.“ Denn obwohl die KVT-Sitzungen zunächst zu zusätzlichen Kosten führen, wird das längerfristig durch die Einsparungen an Krankenhaus- und anderen medizinischen Kosten mehr als ausgeglichen.

Wie diese Studie zeigt, kann ein multidisziplinärer Ansatz bei der Behandlung von COPD die Belastung der Betroffenen verringern.. Werden die Patienten von engagierten und entsprechend geschulten Pflegekräften betreut, können diese auch leichter schwerwiegendere psychische Erkrankungen erkennen und die notwendigen Maßnahmen einleiten. Nach Ansicht der Autoren sollte man KVT-Maßnahmen unabhängig von der Schwere der COPD routinemäßig in die klinische Versorgung einbeziehen.

Info:
Wenn Sie an einer KVT interessiert sind, wenden Sie sich an einen ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten mit Ausbildung in Verhaltenstherapie. Die Therapiekosten werden in den vielen Fällen von der Krankenkasse übernommen. Informationen erhalten Sie auch über den Psychotherapie-Informationsdienst.
Quelle: Heslop-Marshall K, et al. Randomised controlled trial of cognitive behavioural therapy in COPD. ERJ Open Res 2018; 4: 00094-2018. DOI 10.1183/23120541.00094-2018 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6250562/

 

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