Erste Hilfe bei Kleinkindern: kleine Pannen des Großwerdens.

Erste Hilfe bei Kleinkindern: kleine Pannen des Großwerdens.

Wenn kleine Rabauken ihrem Bewegungsdrang nachgehen, können die eigenen Fähigkeiten schon mal überschätzt und mögliche Risiken noch nicht richtig eingeschätzt werden. Schnell kann es zu kleinen Unfällen und Verletzungen kommen. Jetzt heißt es Ruhe bewahren und Erste Hilfe leisten – dann ist es meistens nur halb so wild.

Hilfe bei Stürzen

Wenn Kinder mobiler werden gehört das Hinfallen zum Leben dazu. Ist Ihr kleiner Schatz vom Stuhl oder Fahrrad gefallen, ist der Schreck erst mal groß. Bewahren Sie Ruhe und schauen Sie, wo und ob sich ihr Kind verletzt hat. Wenn Ihr Kind blutet, sehen Sie sich die Wunde genau an und prüfen Sie, wie schwerwiegend sie ist. Tiefe und großflächige Wunden sollten vom Arzt behandelt werden, kleinere Wunden können Sie selbst versorgen:

  • Kleinere Wunden reinigen und desinfizieren, z. B. mit einer alkoholfreien Wund-Desinfektionslösung, die auch für Kinder und Säuglinge geeignet ist, wie z.B. Octenisept® Lösung. Splitter oder Steinchen an der Oberfläche der Wunde können Sie vorsichtig mit einer Pinzette entfernen. Bunte Kinderpflaster spenden den kleinen Sturzpiloten etwas Trost.
  • Größere Wunden, die ärztlich versorgt werden müssen, nicht desinfizieren.
  • Wunde keimfrei abdecken. Bei kleineren Wunden genügt ein Wundschnellverband, größere Wunden mit sterilen Kompressen abdecken. Eine stärkere Blutung können Sie mit einem Druckverband stoppen: Dafür legen Sie eine sterile Kompresse auf die Haut des kleinen Patienten und darüber ein Druckpolster. Dies fixieren Sie mit einer Mullbinde.

Ist Ihr Kind auf den Kopf gefallen oder hat sich den Kopf gestoßen sollten Sie aufmerksam bleiben, da sich die Auswirkungen erst einen Tag später zeigen können. Bei Erbrechen, Kopfschmerzen oder plötzlicher Müdigkeit unbedingt den Arzt aufsuchen.

Hilfe bei Verbrennungen

Verbrühungen und Verbrennungen sind leider schnell passiert und erfordern rasches Handeln. Der Inhalt einer Tasse heißen Tees oder Kaffees genügt bereits, um bis zu 30 Prozent der Körperoberfläche eines Säuglings oder Kleinkindes zu verbrühen! Als Erste Hilfe bei kleinen Verbrennungen (als Vergleichsgröße für kleinflächige Verbrennungen gilt die Handfläche des Betroffenen) sollte die betroffene Hautstelle maximal 10 Minuten unter laufendem handwarmen Wasser gekühlt werden. Durch das Kühlen wird ein Andauern der Hitzewirkung im Gewebe verhindert. Selbst dieses Zugeständnis an die bisher gültige Praxis gilt nur für Erwachsene und größere Kinder. Bei kleinen Kindern, Babys oder Neugeborenen ist Kühlung generell tabu! Auch wenn Bereiche am Körperstamm oder am Kopf betroffen sind, muss auf eine Kühlbehandlung ganz verzichtet werden, lautet die dringende Empfehlung der neuen Leitlinie. Bewahren Sie Ruhe und versuchen Sie Ihr Kind zu beruhigen. Großflächige Verbrennungen nicht kühlen, da es sonst zu einer Unterkühlung kommen kann. Stattdessen betroffene Körperteile mit einem keimfreien Verbandstuch abdecken und den Notruf verständigen. In einem solchen Fall ist es wichtig, dass der kleine Patient mit Hilfe einer warmen Decke vor einer Auskühlung geschützt wird.

Das sollten Sie bei Verbrennungen vermeiden:

  • Tragen Sie kein Hausmittel wie Puder oder Öl auf
  • Verwenden Sie im akuten Fall keine Brandsalben oder Brandbinden, da diese keinen Sauerstoff an die Haut lassen und die Hitze im Gewebe festhalten
  • Kühlen Sie nicht mit Eis oder Eiswasser, das schafft zwar zuerst Linderung, regt aber die Durchblutung an, sodass es später noch stärker schmerzt. Möglicherweise können an der so gekühlten Stelle auch sogenannte Kälteschäden auftreten: die betroffene Haut wird hart, kalt und gefühllos.

Hilfe bei Insektenstichen

Insektenstiche schmerzen, brennen und jucken. Sofern Ihr Kind nicht allergisch reagiert, sind sie jedoch meistens harmlos und lassen sich mit kühlenden Gels gut behandeln. Kommt es zu Atemnot, einem erhöhten Puls, Fieber, Übelkeit oder Schüttelfrost, sollte unverzüglich der Notarzt gerufen werden. Diese Symptome deuten auf einen allergischen Schock hin.

  • Stachel, wenn vorhanden, vorsichtig mit einer Pinzette entfernen
  • Coolpacks lindern den Schmerz und lassen die Schwellung schneller zurückgehen
  • Kühlende Insektenstich-Salben lindern den Juckreiz
  • Auch Quarkumschläge können hier durch Kühlung Linderung bringen
  • Wenn möglich nicht aufkratzen, damit sich die Einstichstelle nicht infiziert

Hilfe bei Vergiftung

Ein typischer Notfall bei Kleinkindern sind Vergiftungen. Gerade wenn Kinder sich ab dem 2. Lebensjahr auf Entdeckungstour durch Küche, Garage oder Garten begeben. Mögliche Gefahrenquellen sind Geschirrspülmittel, Waschpulver (besonders die bunten Waschmittel-PODS), Rohrreiniger sowie viele weitere Putzmittel aber auch Haarshampoo, Haarfarbe, Parfüm und viele weitere Kosmetikprodukte. Vermitteln Sie Ihrem Kind frühzeitig die Gefahren in Wohnung und Garten. Halten Sie Ihren Vorrat an giftigen Substanzen möglichst gering! Bewahren Sie gefährliche Substanzen außerhalb der Reichweite von Kindern auf und werfen Sie solche Substanzen auch nicht in den Abfalleimer.

Vergiftungen zeigen sich oft erst Stunden später. Typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Müdigkeit und Unwohlsein. In schlimmen Fällen kommt es zu Bewusstlosigkeit und Herz-Kreislauf-Stillstand. Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind etwas Giftiges geschluckt haben könnte, rufen Sie sofort den Notdienst oder die Giftnotrufzentrale an. Wenn das Kind giftige Pflanzen gegessen hat, kontrollieren Sie den Mundraum und entfernen eventuelle Pflanzenreste. Behalten Sie etwas von der giftigen Substanz oder dem eventuell Erbrochenem für den Notarzt auf. Bei Giftaufnahme über den Mund kann das Gift durch Trinken von Wasser, Saft oder Tee in kleinen Schlucken und Mengen verdünnt werden. Bei Giftaufnahme über die Haut durch die Kleidung, sollte der Vergiftete völlig entkleidet werden und die befallenen Hautstellen mit reichlich Wasser abgespült werden.

 

Auf einen Blick: Erste Hilfe für Kinder 

  • Ruhe bewahren jedoch schnell handeln
  • Situation beurteilen: Handelt es sich um eine große Verletzung oder sogar lebensbedrohliche Situation, sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen.
  • Ist das Kind bewusstlos und atmet, dann legen Sie es in die stabile Seitenlage
  • Atmet das Kind nicht mehr, kann eine Beatmung elementar sein (Wenn Sie nicht mehr sicher sind, wie das genau geht, frischen Sie Ihren Erste Hilf Kurs auf, es gibt auch spezielle Kurse für Erste Hilfe bei Kindern)
  • Blutet das Kind? Prüfen Sie das Ausmaß der Wunde, versorgen Sie kleinere Wunden und lassen Sie größere Wunden von Ihrem Arzt behandeln.
  • Zeigt Ihr Kind auffällige Symptome? Rufen Sie unbedingt einen Arzt.

 

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