Berufsbedingtes Asthma: Sind Sie nur im Urlaub symptomfrei?


Als berufsbedingtes Asthma bezeichnet man ein Asthma, das durch den Kontakt mit Substanzen am Arbeitsplatz verursacht oder verschlimmert wird.
Berufsbedingtes Asthma kann
sich über jeden Zeitraum (innerhalb von Tagen bis Jahren) entwickeln.
bei Änderungen der Arbeitsbelastung, der Art der Arbeit oder der Arbeitsprozesse auftreten.
sich möglicherweise auch dann entwickeln, wenn der Arbeitsplatz über Schutzausrüstung wie Absaugung oder Atemschutzmasken verfügt.
auch wenn Sie nicht mehr dem Asthma-verursachenden Stoff ausgesetzt sind, weiterhin Symptome verursachen.
Beispiele für berufsbedingtes Asthma sind:
Mitarbeiter des Gesundheitswesens, die eine Allergie gegen Latexhandschuhe entwickeln, weil sie das Pulver einatmen, mit dem das Innere der Handschuhe bestäubt ist.
Arbeitnehmer in der chemischen Industrie, die auf chemisch reizende Substanzen, wie Ammoniak oder Isocyanaten, mit Asthmasymptomen reagieren.
Info: Latexallergie:
Latex (ein natürlicher Stoff aus dem Saft des Kautschukbaumes) wird zum Beispiel für die Schutzhandschuhe in der Medizin verwendet. Es kann zwei Arten von Allergien verursachen: Die Eiweiße im Naturlatex verursachen allergische Atemwegserkrankungen. Aber auch Zusatzstoffe, die dem Naturlatex im Laufe der Produktion beigemischt werden, können meist eine Kontaktallergie auslösen.
Bei einer Allergie gegen Naturlatex ist die Gefahr von Kreuzreaktionen besonders groß, denn die Eiweiße im Naturlatex weisen eine ähnliche Struktur auf wie die in einigen Nahrungsmitteln. Daher können bei 30–40 % der Menschen, die eine Latex-Allergie haben, auch beim Essen eine allergische Reaktion auftreten, eine so genannte Kreuzallergie.
Zu den hier betroffenen Lebensmitteln zählen beispielsweise Avocado, Banane, Kartoffel, Kiwi, Paprika und Tomaten, um nur einige zu nennen.
Häufige asthmaauslösende Substanzen am Arbeitsplatz sind Chemikalien, Staub, Schimmel, Tiere und Pflanzen, wobei sowohl Einatmen als auch der Hautkontakt problematisch sein können. Es gibt über 300 bekannte Substanzen, die am Arbeitsplatz Asthma verursachen oder verschlimmern können, und viele weitere, von denen man es vermutet. Häufig verwendete Substanzen, die berufsbedingtes Asthma auslösen sind zum Beispiel:
Chemikalien wie Klebstoffe und Lacke, Kunststoffe, Epoxidharze, Schaum- und Isolierungsmaterial, Farbstoffe (Textilindustrie) und Enzyme (Waschmittel). Eine Gruppe von Chemikalien, die als Isocyanate werden, sind eine der häufigsten chemischen Ursachen für .
Proteine in Tierhaaren und / oder Hautschuppen
Staubbildende Lebensmittel (Getreide, Mehl, grüne Kaffeebohnen)
Baumwoll-, Flachs- und Hanfstaub (Textilindustrie)
Metalle wie Platin, Chrom, Nickel und Lötdämpfe
Info Isocyanate
Isocyanate sind chemisch hochreaktive Moleküle, die mit vielen Substanzen Verbindungen eingehen und deshalb in der chemischen Industrie vielfältig eingesetzt werden. So zum Beispiel bei der Herstellung von Pestiziden, Kunststoffen (Polyurethane), als Härter in Epoxyharzen, in Lacken, Klebern, formaldehydfreien Spanplatten usw. Isocyanate sind giftig und außerordentlich starke Allergene, die unter anderem Asthma, Atemnot, vermindertes Atemvolumen, Bronchitis, Hustenreiz hervorrufen.
Die Symptome des arbeitsplatzbedingten Asthmas unterscheiden sich im Grunde nicht von den allgemeine Symptome eines Asthmaanfalls wie Husten, Keuchen, Engegefühl in der Brust, Atemnot und Atembeschwerden. Eine verstopfte und / oder laufende Nase oder auch Augenreizungen können ebenfalls auftreten. Die Asthmasymptome können sich kurz nach dem Kontakt, aber auch erst Monate oder Jahre nach wiederholtem Umgang mit der jeweiligen Substanz entwickeln. Auch bei Menschen, die seit Jahren Asthma haben, kann sich der Zustand aufgrund von zusätzlichen Belastungen mit Reizstoffen am Arbeitsplatz verschlechtert. Auch dies zählt zum arbeitsplatzbedingten Asthma.
Wenn Sie glauben, berufsbedingtes Asthma besprechen Sie diese Vermutung mit Ihrem behandelnden Arzt. Er kann eine detaillierte Untersuchung einschließlich der Krankenvorgeschichte (Anamnese) und Überprüfung Ihrer aktuellen Atemprobleme und Asthmatests veranlassen und wird Sie möglicherweise auch an einen Kollegen überweisen. Im Anschluss daran wird ein individuell auf Sie abgestimmten Behandlungsplan erstellt, bronchialerweiternde Substanzen und / oder (inhalative) Steroide zur Kontrolle Ihres Asthmas umfassen kann.
Es ist natürlich wichtig, Asthmaauslöser bei der Arbeit zu vermeiden. Nachdem festgestellt wurde, was Ihr Asthma verursacht, besprechen Sie mit Ihrem Arzt das weitere Vorgehen. Denn auch bei Anwendung geeigneter Asthmamedikamente kann ein fortgesetzter Kontakt mit dem Reizstoff (Exposition) bei der Arbeit die Kontrolle von Asthma erschweren. Ist jedoch an Ihrem derzeitigen Arbeitsplatz der Kontakt mit Asthma-Auslösern unvermeidbar, so empfiehlt es sich, zusammen mit dem behandelnden Arzt und dem Arbeitgeber eine zufriedenstellende Lösung zu finden.
Um die hohe Qualität unserer Inhalte sicher zu stellen, wurde dieser Text von unserem Team aus Apothekerinnen und Apothekern geprüft. Die bereitgestellten Inhalte dienen lediglich der Information und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Die Texte sind nicht zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten gedacht.
Referenzen
https://www.cdc.gov/niosh/topics/asthma/default.html
https://www.osha.gov/Publications/OSHA3707.pdf
https://www.webmd.com/asthma/guide/occupational-asthma-work-related-asthma#1
Bildhinweise
Titelbild: AdobeStock