CED und Acne inversa

CED und Acne inversa

Acne inversa, auch bekannt als Hidradenitis suppurativa, ist eine chronische, immer wiederkehrende entzündliche Hauterkrankung, die durch schmerzhafte, tiefsitzende Knötchen, Fistelgänge (Sinustrakte) (Fistelgänge)) und Abszesse (Eiteransammlungen) gekennzeichnet ist. Dies betrifft typischerweise Regionen, die reich an Schweißdrüsen sind, wie die ano-genitale Region sowie den Leisten- und Achselbereich. Sie kann auch den Nacken, die Unterbrustregion, das Gesäß und die Gesäßspalte betreffen. Wie genau die Krankheit Acne inversa entsteht, konnte bislang nicht abschließend geklärt werden. Neuere Studien haben eine Fehlregulation im Immunsystem aufgedeckt, speziell des Interleukin (IL)-12/23-Signalwegs und der Konzentration eines weiteren entzündungsfördernden Botenstoffs (Tumornekrosefaktor α, kurz TNF-α) im Blut. Die Acne inversa hat somit wahrscheinlich einen immunvermittelten Ursprung.1

Immun-Zusammenhang zwischen CED und Acne inversa 

Auch im Krankheitsbild bestehen Zusammenhänge zwischen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und Acne inversa. So fanden Wissenschaftler bei beiden Erkrankungen chronische Entzündungen mit Bildung von Fistelgängen und Narben. Die geschätzte Prävalenz (Erkrankungsrate) der Acne inversa in der Allgemeinbevölkerung beträgt ca. 0,1 – 1 %. Bei CED-Patienten besteht jedoch ein 9-fach höheres Risiko für Acne inversa im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Ein erhöhtes Risiko konnte sowohl bei Colitis Ulcerosa, als auch bei Morbus Crohn gezeigt werden. Weitere Studiendaten deuten sogar auf eine Prävalenz von Acne inversa bei Patienten mit CED von 16 – 23 %. Die Hauterkrankung könnte somit bei bis zu jedem 4. Patienten mit CED auftreten. Acne inversa betrifft typischerweise junge Erwachsene im dritten Lebensjahrzehnt und tritt bei Frauen signifikant häufiger auf.1

Allerdings gibt es auch Risikofaktoren für Acne inversa, die teils veränderlich sind:

  • Übergewicht oder Adipositas1
  • Zigarettenrauchen1,2
  • Aktive CED2
  • Perianale Erkrankung (bei Patienten mit Morbus Crohn)2

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Acne inversa zu behandeln 

Die derzeit verfügbaren Therapiemöglichkeiten der Acne inversa zielen auf die Behandlung der Läsionen und der damit verbundenen Symptome ab. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, welche der Arzt je nach individuellem Krankheitsbild auswählt:

  • Antibiotika
  • Retinoide – chemische Substanzen, die dem Retinol (Vitamin A) sehr ähnlich sind und zur Behandlung schwerer Akneformen eingesetzt werden
  • Antiandrogene – hemmen die Wirkung männlicher Sexualhormone (Androgene)
  • Immunsuppressive und entzündungshemmende Mittel

Eine systematische Studienanalyse fand, dass besonders Adalimumab, ein Antikörper gegen den proentzündlichen Botenstoff TNF-α, einem Placebo hinsichtlich der Verringerung des Schweregrad der Acne inversa und zur Schmerzlinderung überlegen war. Französische Experten sehen überzeugendste Ergebnisse mit Adalimumab und Lasertherapie. Auch eine operative Entfernung des betroffenen Gewebes ist eine Option, wird jedoch nur bei hartnäckigen Erkrankungen im Spätstadium als sinnvoll erachtet.3

Welchen Einfluss hat der Lebensstil?

Viele Patienten fragen sich, was sie selbst tun können, um ihre Symptome zu lindern, wie z.B. das Befolgen bestimmter Diäten oder das Vermeiden bestimmter Produkte. Hierbei verlassen sich viele Betroffene häufig auf Informationen, die in Selbsthilfegruppen und in sozialen Medien zu finden sind. Für den Therapieerfolg ist es aber wichtig, sich auf wissenschaftlich gesicherte Informationen zu verlassen und mit seinem Dermatologen/seiner Dermatologin abzuklären.

Aktuelle Studienergebnisse heben die Bedeutung des Lebensstils hervor. So können Patienten mit Acne inversa häufig durch folgende Änderungen des Lebensstils und ergänzende Behandlungen eine Verbesserung ihrer Symptome erfahren:

  • Gewichtsabnahme bei Übergewicht und Adipositas
  • Raucherentwöhnung
  • Verwendung von sanften Haut- und Enthaarungsprodukten
  • Regulation des Menstruationszyklus bei Frauen4

Zwar ist Acne inversa bislang nicht heilbar, es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden deutlich zu minimieren. Betroffene Patienten sollten sich deshalb nicht scheuen, den Arzt darauf anzusprechen, um gemeinsam zu entscheiden, welche Behandlungen und womöglich Änderungen im Lebensstil individuell sinnvoll sein könnten.

 

Referenzen

  1. Yadav S, Singh S, Edakkanambeth Varayil J, et al. Hidradenitis Suppurativa in Patients With Inflammatory Bowel Disease: A Population-Based Cohort Study in Olmsted County, Minnesota. Clin Gastroenterol Hepatol. 2016;14(1):65-70. doi:10.1016/j.cgh.2015.04.173 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4635068/
  2. Tandon P, Govardhanam V, Gallinger Z, Weizman AV. Risk Factors for Developing Hidradenitis Suppurativa in Patients With Inflammatory Bowel Disease: A Retrospective Case-Control Study. J Can Assoc Gastroenterol. 2020;4(4):165-172. Published 2020 Jul 28. doi:10.1093/jcag/gwaa024 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8320283/
  3. Tchero H, Herlin C, Bekara F, Fluieraru S, Teot L. Hidradenitis Suppurativa: A Systematic Review and Meta-analysis of Therapeutic Interventions. Indian J Dermatol Venereol Leprol. 2019 May-Jun;85(3):248-257. doi: 10.4103/ijdvl.IJDVL_69_18. Erratum in: Indian J Dermatol Venereol Leprol. 2019 Nov-Dec;85(6):617. PMID: 30924446. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30924446/
  4. Macklis PC, Tyler K, Kaffenberger J, Kwatra S, Kaffenberger BH. Lifestyle modifications associated with symptom improvement in hidradenitis suppurativa patients. Arch Dermatol Res. 2021 Apr 23. doi: 10.1007/s00403-021-02233-y. Epub ahead of print. PMID: 33893517. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33893517/

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