CED und Stress

CED und Stress

Ist Stress die Ursache für Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa?

Eine Frage, die sich fast jeder Patient mit einer chronischen Erkrankung im Laufe seines Lebens stellt, ist: Wieso bin gerade ich betroffen? Warum manche an einer chronischen Darmentzündung erkranken, während andere verschont bleiben, ist noch nicht geklärt. Allerdings wurden bereits Faktoren identifiziert, die das Risiko, an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zu erkranken, erhöhen. Hierzu zählen beispielsweise Rauchen (bezüglich Morbus Crohn) und der Genuss bestimmter Lebensmittel wie Softdrinks.1 Laut einer Umfrage mit 201 CED-Patienten glaubten die meisten (84,1 %), dass Stress die Hauptursache für ihre Erkrankung sei.2 Allerdings waren sich Experten in der Leitlinie “Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn” von 2014 einig (Zustimmung von > 95% der Teilnehmer): Belastende Lebensereignisse, psychologischer Stress und psychische Störungen sind nicht ursächlich für die Entstehung einer CED.3

Stress kann den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen

Obwohl die Experten in der Leitlinie zu dem Ergebnis kamen, dass Stress nicht ursächlich für CED ist, so waren sie sich dennoch sicher (Zustimmung von > 95% der Teilnehmer), dass sich Stress negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken kann.3 Der Grund hierfür scheint u. a. in der Durchlässigkeit der Darmbarriere zu liegen. Durch Stress – ob akut oder chronisch –  wird die Durchlässigkeit der Darmbarriere erhöht, so dass bakterielle Bestandteile vermehrt in die Darmwand gelangen. Dies und die übermäßige Freisetzung von Zytokinen (Botenstoffe des Immunsystems) wirken sich negativ auf die CED aus.4 Viele Studien haben sich bereits mit dem Zusammenhang zwischen Stress und CED-Schüben befasst. Einige kamen zu dem Ergebnis, dass Stress das Risiko für Schübe erhöht, so beispielsweise eine Studie mit mehr als 700 CED-Patienten.5 Doch auch auf die Lebensqualität von Patienten mit Colitis ulcerosa kann sich Stress negativ auswirken. Dies zeigte eine Studie von 2018.6 In der Studie stellten die Wissenschaftler fest, dass Patienten, die sich gestresst fühlten, eine geringere Lebensqualität aufwiesen. Strategien und Methoden, die dabei helfen, besser mit Stress umgehen zu können, könnten somit zu einem besseren Krankheitsverlauf und einer besseren Lebensqualität beitragen.

Stressmanagement ist gerade für Patienten mit CED wichtig

Doch wie kann man besser mit Stress umgehen? Resilienz ist hier ein Stichwort, welches in der heutigen Zeit an Bedeutung gewinnt. Die Resilienz gibt an, wie widerstandsfähig Menschen gegenüber Stress und Krisen sind. Personen mit einer hohen Resilienz sind widerstandsfähiger gegenüber Stress und schwierigen Situationen. Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2020 zeigte, dass CED-Patienten mit einer hohen Resilienz eine geringere Krankheitsaktivität und eine bessere Lebensqualität hatten.7 Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit der Erkenntnis, dass Stress den Krankheitsverlauf einer CED negativ beeinflussen kann. Es scheint somit förderlich zu sein, die Resilienz der Patienten zu stärken. Zusätzlich könnten Maßnahmen zur Stressreduktion hilfreich sein. Hierzu zählen beispielsweise Sport oder Entspannungsmethoden wie Meditation, Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung. Auch Massagen, Bäder, Saunagänge und Aromatherapien mit ätherischen Ölen können Stress reduzieren und dabei helfen, abzuschalten und zu entspannen. CED-Patienten können mit dem richtigen Stressmanagement somit nicht nur ihr Wohlbefinden, sondern auch ihren Krankheitsverlauf verbessern.

 

  1. Piovani D, Danese S, Peyrin-Biroulet L, Nikolopoulos GK, Lytras T, Bonovas S. Environmental Risk Factors for Inflammatory Bowel Diseases: An Umbrella Review of Meta-analyses. Gastroenterology. 2019 Sep;157(3):647-659.e4. doi: 10.1053/j.gastro.2019.04.016. Epub 2019 Apr 20. PMID: 31014995.
  2. Vegni E, Gilardi D, Bonovas S, Corrò BE, Menichetti J, Leone D, Mariangela A, Furfaro F, Danese S, Fiorino G. Illness Perception in Inflammatory Bowel Disease Patients is Different Between Patients With Active Disease or in Remission: A Prospective Cohort Study. J Crohns Colitis. 2019 Mar 30;13(4):417-423. doi: 10.1093/ecco-jcc/jjy183.
  3. Preiß JC, Bokemeyer B, Buhr HJ, Dignaß A, Häuser W, Hartmann F, Herrlinger KR, Kaltz B, Kienle P, Kruis W, Kucharzik T, Langhorst J, Schreiber S, Siegmund B, Stallmach A, Stange EF, Stein J, Hoffmann JC; German Society of Gastroenterology. Aktualisierte S3-Leitlinie–“Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn” 2014 [Updated German clinical practice guideline on “Diagnosis and treatment of Crohn’s disease” 2014]. Z Gastroenterol. 2014 Dec;52(12):1431-84. German. doi: 10.1055/s-0034-1385199. Epub 2014 Dec 4. PMID: 25474283.
  4. Brzozowski B, Mazur-Bialy A, Pajdo R, Kwiecien S, Bilski J, Zwolinska-Wcislo M, Mach T, Brzozowski T. Mechanisms by which Stress Affects the Experimental and Clinical Inflammatory Bowel Disease (IBD): Role of Brain-Gut Axis. Curr Neuropharmacol. 2016;14(8):892-900. doi: 10.2174/1570159×14666160404124127. PMID: 27040468; PMCID: PMC5333596.
  5. Bernstein CN, Singh S, Graff LA, Walker JR, Miller N, Cheang M. A prospective population-based study of triggers of symptomatic flares in IBD. Am J Gastroenterol. 2010 Sep;105(9):1994-2002. doi: 10.1038/ajg.2010.140. Epub 2010 Apr 6. PMID: 20372115.
  6. Luo H, Sun Y, Li Y, Lv H, Sheng L, Wang L, Qian J. Perceived stress and inappropriate coping behaviors associated with poorer quality of life and prognosis in patients with ulcerative colitis. J Psychosom Res. 2018 Oct;113:66-71. doi: 10.1016/j.jpsychores.2018.07.013. Epub 2018 Jul 26.
  7. Sehgal P, Ungaro RC, Foltz C, Iacoviello B, Dubinsky MC, Keefer L. High Levels of Psychological Resilience Associated With Less Disease Activity, Better Quality of Life, and Fewer Surgeries in Inflammatory Bowel Disease. Inflamm Bowel Dis. 2020 Jul 22:izaa196. doi: 10.1093/ibd/izaa196. Epub ahead of print. PMID: 32696966.

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