Curcumin bei CED – eine ergänzende Therapieoption?


Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) verursachen Entzündungen und Geschwüre im Verdauungstrakt. Die häufigsten Formen sind Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Ziel der Therapie ist es, akute Entzündungsschübe zu stoppen und Rückfällen vorzubeugen. Dafür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung und in schweren Fällen können auch Operationen angezeigt sein. Immer öfters wenden Betroffene aber auch komplementäre Behandlungsmethoden wie Akupunktur, Homöopathie und Nahrungsergänzungsmittel an, darunter auch Curcumin.1,2,3
Curcumin ist ein wesentlicher Bestandteil der Kurkuma-Wurzel und verleiht ihr, zusammen mit anderen ähnlich aufgebauten Pflanzenstoffen (Curcuminoiden), die intensiv gelbe Farbe. Frische Kurkuma-Wurzeln sind besonders in der asiatischen Küche beliebt, aber auch als gemahlenes Pulver ist es Bestandteil zahlreicher Curry-Rezepte. Darüber hinaus werden die Wurzel und insbesondere Curcumin zahlreiche gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben, weshalb sie in vielen Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kurkuma-Pulver oder als Curcumin-Extrakte enthalten sind.5
Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie nennt unter anderem Curcumin als mögliche Ergänzung zur Behandlung von Colitis ulcerosa. Obwohl die wissenschaftliche Aussagekraft zu diesem Pflanzenstoff noch begrenzt ist, zeigen einzelne Studien vielversprechende Ergebnisse. Auch wenn die Behandlung mit Curcumin nicht ausdrücklich empfohlen oder abgelehnt wird, können medizinische Fachkräfte eine Behandlung in Erwägung ziehen. Bisher steht Curcumin nur in Form von Nahrungsergänzungsmitteln, aber nicht als Arzneimittel zur Verfügung.1,2,4
Eine Studie untersuchte, wie sich die tägliche Einnahme von zweimal einem Gramm Curcumin über sechs Monate hinweg zusätzlich zu den üblichen Medikamenten (Sulfasalazin, Mesalazin) auf die beschwerdefreie Phase bei Menschen mit Colitis ulcerosa auswirkt. Dabei zeigte sich, dass die tägliche Curcumin Einnahme in Kombination mit dem entzündungshemmenden Medikament die Erkrankung positiv beeinflussen und die Rückfälle reduzieren kann. In der Gruppe, die zusätzlich Curcumin einnahm, traten Rückfälle deutlich seltener auf (etwa 5 Prozent) als in der Gruppe, die nur das Medikament erhielt (etwa 21 Prozent).1,6
Auch zur Wirkung von Curcumin bei Morbus Crohn gibt es wissenschaftliche Untersuchungen. Allerdings liegt bislang keine offizielle Empfehlung oder Stellungnahme vor. Eine im Jahr 2020 durchgeführte Studie untersuchte den Einfluss von Curcumin auf Menschen mit milden bis moderaten Morbus Crohn Beschwerden. Die Teilnehmenden nahmen über zwölf Wochen hinweg regelmäßig Curcumin ein, welches besonders gut vom Körper aufgenommen werden kann. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Gruppe deutlich häufiger eine beschwerdefreie Phase erreichte als jene, die kein Curcumin erhielten.7
Curcumin lässt sich auf vielfältige Weise in die tägliche Ernährung einbauen. Als Gewürz kann Kurkuma Speisen nicht nur eine angenehme Würze und goldgelbe Farbe verleihen, sondern auch die Verdauung unterstützen. Ob in Suppen, Currys, Smoothies oder als Goldene Milch – ein Getränk mit warmer Pflanzenmilch, Kurkuma und weiteren Gewürzen – es gibt vielfältige Möglichkeiten.5
Wer Curcumin gezielt zur Unterstützung seiner Gesundheit einsetzen möchte, sollte sich vorher ärztlich beraten lassen, um eine sichere und sinnvolle Anwendung zu gewährleisten. Bisher gibt es keine ausreichenden Daten zur Sicherheit einzelner Curcumin-Produkte. Außerdem können Nahrungsergänzungsmittel mit Curcumin Symptome hervorrufen wie
Blähungen,
Sodbrennen,
Durchfall oder
Schmerzen im Verdauungstrakt.
Gesundheitsbehörden warnen zudem, dass Kurkuma- oder Curcumin-Nahrungsergänzungsmittel in seltenen Fällen schwere Leberschäden verursachen können. Auch allergische Reaktionen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind möglich. Schwangere und Stillende sollten ganz auf die Einnahme solcher Präparate verzichten.5
Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die kaum miteinander vergleichbaren Produkte. Diese enthalten entweder
reines Kurkuma-Pulver
nicht näher definierte Extrakte
verschiedene Curcuminoide, einschließlich Curcumin sowie Varianten mit weiteren Zusätzen wie Extrakt von schwarzem Pfeffer (Piperin),
Vitamine
andere pflanzliche Zusätze.5
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Referenzen
Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Aktualisierte S3-Leitlinie Colitis ulcerosa (Version 6.2). https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2024/12/ZfG_Leitlinie-Colitis-ulcerosa_Leitlinie_13.12.24.pdf Abgerufen: 01.04.2025
Online. Colitis ulcerosa. https://deximed.de/home/klinische-themen/magen-darm-trakt/patienteninformationen/chronisch-entzuendliche-darmerkrankungen/colitis-ulcerosa Abgerufen: 01.04.2025
Online. Morbus Crohn. https://deximed.de/home/klinische-themen/magen-darm-trakt/patienteninformationen/chronisch-entzuendliche-darmerkrankungen/morbus-crohn Abgerufen: 01.04.2025
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e. . Formulierung und Graduierung von Empfehlungen. https://www.awmf.org/regelwerk/formulierung-und-graduierung-von-empfehlungen Abgerufen: 01.04.2025
Kurkuma: Fakten und Mythen. https://www.klartext-nahrungsergaenzung.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/kurkuma-fakten-und-mythen-13696 Veröffentlicht: 02.05.2024, Abgerufen: 01.04.2025
Hanai H et al. Curcumin maintenance therapy for ulcerative colitis: randomized, multicenter, double-blind, placebo-controlled trial. Clin Gastroenterol Hepatol. 2006 Dec;4(12):1502-6. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17101300/ Abgerufen: 01.04.2025
Sugimoto K et al. Highly Bioavailable Curcumin Derivative Ameliorates Crohn’s Disease Symptoms: A Randomized, Double-Blind, Multicenter Study. J Crohns Colitis. 2020 Dec 2;14(12):1693-1701. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32412598/ Abgerufen: 01.04.2025
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