Welche Stoma Arten gibt es?

Welche Stoma Arten gibt es?

Trotz vieler Fortschritte in der medikamentösen und operativen Therapie der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) benötigt doch ein Teil der Betroffenen ein sogenanntes Stoma. Stoma heißt soviel wie “Öffnung”. Bei CED sind dabei Öffnungen in der Bauchdecke gemeint, die dort einen künstlichen Darmausgang ermöglichen.

Vielfältige Gründe für ein Stoma und verschiedene Stomaarten

Es gibt unterschiedliche Gründe für ein Stoma bei der CED. Der Eingriff kann geplant erfolgen, wenn sich beispielsweise ein Darmabschnitt nach einer starken Entzündung oder auch einer Operation erholen soll. Es gibt aber auch Notfallsituationen, beispielsweise bei einer Darmperforation oder einem Abszess, die eine Stoma-Anlage akut notwendig machen. Ein Stoma kann entsprechend auf verschiedene Weise angelegt werden. So kann es etwa dauerhaft angelegt werden, wenn ein Darmabschnitt entfernt werden muss. Ein Stoma kann aber auch als Umleitung einen Darmabschnitt nur vorübergehend entlasten. Dies kann beispielsweise nach einer Operation oder bei einer akuten Entzündung sinnvoll sein.   Zeitweise Umleitungen werden meist als Schleife (“loop”) angelegt, bei der aus einer Öffnung des Darms der teils verdaute Nahrungsbrei austritt und eine zweite Öffnung zum zeitweilig ruhenden Darm führt. Diese beiden Teile können in einer späteren Operation wieder zusammengefügt werden. Bei der vollständigen Entfernung eines Darmabschnitts ist dagegen häufig eine endständige Stoma-Anlage erforderlich. Dabei wird das Stoma zum dauerhaften Darmausgang.

Auch der Ort, an dem das Stoma gelegt wird, ist unterschiedlich:

  • Colostoma bezeichnet das Stoma des Dickdarms
  • Ileostoma ist ein Stoma des Dünndarms
  • Urostoma ist das Stoma zur Harn-Ableitung

Als vierte Stomaart gibt es inzwischen den “Pouch”, der eine Art innerer Darmspeicher vor der Entleerung darstellt und so die Mastdarmfunktion übernimmt.

Welche der unterschiedlichen Arten von Stomata relevant ist, hängt von der Erkrankung ab. Ileostomata werden beispielsweise häufiger bei CED benötigt, besonders bei Colitis ulcerosa. Colostomata werden dagegen bei CED eher weniger benötigt und stehen vor allem in Zusammenhang mit häufigeren Rückfällen bei Morbus Crohn.1

Gute Lebensqualität ist auch mit Stoma möglich

Für Betroffene ist der Gedanke, ein Stoma zu benötigen, häufig erschreckend. Allerdings besteht damit eine Chance, die Symptome der Erkrankung deutlich zu lindern. Wie sich dies auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirkt, untersuchten Forscher in einer Untersuchung in Neuseeland. 241 Studienteilnehmer im durchschnittlichen Alter von 71 Jahren (61 % Männer) wurden zu ihrer medizinischen Vorgeschichte und der Lebensqualität mit dem Stoma befragt. Bei 22,4 % der Patienten fiel die Entscheidung für das Stoma aufgrund einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, bei 70,4 % der Patienten wegen Colitis ulcerosa, 29,5 % litten an Morbus Crohn. Im Mittel waren die befragten CED-Patienten bereits seit 15,6 Jahren Stoma-Träger. Fast alle (96,3 %) der CED-Patienten hatten ein Colostoma erhalten. Die Lebensqualität in Bezug auf das Stoma war, fanden die Forscher in der Umfrage, offenbar unabhängig von der Art und Technologie des Stoma. Ältere Patienten waren demnach zwar häufiger zufrieden als Jüngere, im Schnitt war jedoch die Lebensqualität aller befragten Patienten mit Stoma auf recht hohem Niveau (60,3 auf einer Skala von 20 – 80). Dreiviertel (72,7 %) der Patienten berichteten, keine oder nur geringfügige Probleme mit dem Stoma zu haben.2

Patienten-Mitsprache bei der Stoma-Positionierung erleichtert Stoma-Pflege und Wohlbefinden

Somit können Patienten, die ein Stoma erhalten sollen, generell auf eine anschließend gute Lebensqualität hoffen. Dennoch gibt es Faktoren, die einen Unterschied dabei machen können, wie gut man mit dem Stoma zurechtkommt, berichtete eine Untersuchung in Spanien. In der Befragung von 871 Stoma-Patienten (im Mittel 64 Jahre alt) wurde ermittelt, ob die Stelle, an der das Stoma platziert werden sollte, vor der Operation markiert worden war. Bei mehr als der Hälfte der Patienten (53,1 %) wurde die beste Position in Absprache mit dem Patienten vorher abgestimmt, 44,8 % der Patienten hatten dagegen keine Mitsprachemöglichkeit. Die vorherige Markierung stand mit weniger Komplikationen, höherer Stoma-bezogener Lebensqualität und allgemein größerem Wohlbefinden der Patienten in Zusammenhang. Zudem hatten diese Stoma-Träger eine bessere Haut rund um das Stoma.3

Der Grund hierfür ist die unterschiedliche Perspektive von Operateur und Patient. In der OP liegt der Körper gestreckt, der Bauch ist ohne Hautfalten von allen Seiten gut erreichbar. Patienten müssen jedoch ihr Stoma und die Haut rund um das Stoma in aufrechter Körperhaltung pflegen. Wo das Stoma besonders gut für die alltägliche Pflege zu erreichen ist und am wenigsten stört, weiß also jeder Patient selbst am besten.

 Referenzen
1. Estrada, D. M. L., Benghi, L. M., & Kotze, P. G. (2021). Practical insights into stomas in inflammatory bowel disease: what every healthcare provider needs to know. Current Opinion in Gastroenterology, 37(4), 320–327. https://doi.org/10.1097/MOG.0000000000000737
2. Aluzaite, K., Nuttall, J. W., O’Connor, M., Harvie, R., & Schultz, M. (2020). Quality of life in postostomy surgery patients: A cross‐sectional survey. JGH Open, 4(5), 987–994. https://doi.org/10.1002/jgh3.12383
3. Cruz, B. B., López, I. J., Soto, A. M., Vazquez, M. C., Mouriño, M. J. F., Teso, A. L., & Blázquez, E. G. (2021). The effect of pre-operative stoma-site marking on peristomal skin health and quality of life. Gastrointestinal Nursing, 19(Sup4a), S34–S41. https://doi.org/10.12968/gasn.2021.19.Sup4a.S34.

 

 

 

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