COPD: Eine Systemerkrankung


Typisch für eine COPD ist, dass die Atemwege chronisch entzündet und verengt sind. Die Lunge kann deshalb das Blut nicht mehr genügend mit Sauerstoff anreichern. Gleichzeitig kann sie Kohlenstoffdioxid, ein Abfallprodukt des Stoffwechsels, nicht mehr ausreichend aus dem Blut aufnehmen. Bei vielen Menschen mit COPD ist deshalb der Sauerstoffgehalt im Blut vermindert und das Kohlenstoffdioxid erhöht. Der Körper versucht das auszugleichen, indem beispielsweise die Atemmuskulatur und das Herz stärker arbeiten.1,2,3
All diese Veränderungen belasten den gesamten Körper und können sich auch auf Regionen und Organe weit entfernt von der Lunge auswirken. Deshalb bezeichnet man in der Medizin die COPD auch als eine Systemerkrankung.3
Inwieweit dabei auch die entzündlichen Prozesse in den Atemwegen eine Rolle spielen, ist derzeit noch Gegenstand der medizinischen Forschung, aber einiges spricht dafür, dass bei einer COPD die Entzündung von der Lunge auf andere Bereiche des Körpers übergreifen kann.3
Darüber hinaus gibt es Risikofaktoren wie langjähriges Rauchen, die nicht nur in vielen Fällen der Auslöser für die COPD sind, sondern auch die Entstehung weiterer Erkrankungen begünstigen.3
Da es sich bei der COPD um eine Systemerkrankung handelt, haben viele Menschen zusätzlich zur COPD noch weitere Erkrankungen, in der Medizinsprache Begleiterkrankungen oder Komorbiditäten genannt. Oft handelt es sich dabei um Erkrankungen der folgenden Bereiche:3
Herz-Kreislauf-System
Stoffwechsel
Atemwege
Bewegungsapparat
Psyche
Menschen mit COPD haben im Vergleich zu Menschen ohne COPD ein rund 2,5-fach höheres Risiko, eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems zu entwickeln. Dazu gehören beispielsweise:3
Koronare Herzerkrankung, d. h. eine Verengung der Herzkranzgefäße
Herzinfarkt
Herzrhythmusstörungen
Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), auch Schaufensterkrankheit genannt
Lungenhochdruck (pulmonale arterielle Hypertonie)
Es gibt verschiedene Stoffwechselerkrankungen, die allein oder in Kombination mit COPD auftreten können. Beim sogenannten metabolischen Syndrom kommen gleich vier Erkrankungen bzw. Risikofaktoren zusammen:3
Übergewicht
Diabetes mellitus, insbesondere Typ-2-Diabetes
Störungen des Fettstoffwechsels (Hyperlipidämie)
Bluthochdruck
Bei einer COPD kommt es oft auch zu anderen Erkrankungen der Atemwege, darunter der obstruktiven Schlafapnoe (OSA). Hierbei treten längere Atemaussetzer während des Schlafs auf, typisch sind zudem lautes Schnarchen und Tagesmüdigkeit.4
Da bei einer COPD der Selbstreinigungsmechanismus der Lunge gestört ist, haben Krankheitserreger wie Viren leichteres Spiel. Deshalb sind Menschen mit COPD anfälliger für Infektionen der Atmungsorgane, zum Beispiel Erkältung, Grippe oder Lungenentzündung. Solche Infekte können zu einer plötzlichen, schnellen Verschlechterung der COPD führen, medizinisch Exazerbation genannt.
Bei Menschen mit COPD treten häufig Erkrankungen des Bewegungsapparats auf. Beispielsweise kann es zu Knochenschwund (Osteoporose) oder Muskelschwund kommen.3
COPD kann sich auf vielfältige Weise auf die mentale Gesundheit auswirken. Das Gefühl der Atemnot kann Ängste auslösen. Ist die körperliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt, fällt die Teilnahme am sozialen Leben oft schwerer. Und zu wissen, dass die Erkrankung chronisch ist, kann als belastend empfunden werden. All diese Faktoren schränken die Lebensqualität möglicherweise ein und begünstigen so eine Depression.3
Das Zusammenspiel von COPD als Grunderkrankung und den möglichen Begleiterkrankungen ist komplex und wird derzeit noch intensiv erforscht, doch eins ist klar: Es ist wichtig, jede vorliegende Begleiterkrankung ärztlich zu diagnostizieren und zu behandeln.2,3
Oft sind dafür Medikamente notwendig; dabei können Sie selbst viel zum Erfolg der Therapie beitragen, indem Sie die Medikamente regelmäßig und wie verordnet einnehmen. Es ist darüber hinaus hilfreich, wenn Sie sich umfassend über die COPD und Ihre individuellen Begleiterkrankungen informieren und das Behandlungskonzept aktiv mitttragen und mitgestalten.3
Vorbeugen ist besser als Heilen – dieses alte Sprichwort trifft auch bei COPD zu. Die Risikofaktoren für Begleiterkrankungen zu minimieren, ist ein wichtiger Baustein, um ihrer Entstehung eben vorzubeugen. Das Gute daran: Mit einer einzigen Maßnahme können Sie oft gleich das Risiko für mehrere Begleiterkrankungen senken – und noch dazu den Verlauf der COPD günstig beeinflussen. Zu diesen Maßnahmen gehören:
Dauerhaft auf Tabakprodukte zu verzichten, ist die wichtigste und effektivste vorbeugende Maßnahme, um3
die Lungenfunktion zu verbessern,
die COPD-Beschwerden zu lindern und
Begleiterkrankungen wie Herzschwäche, koronarer Herzerkrankung, Bluthochdruck und obstruktiver Schlafapnoe verhindern.
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn es Ihnen schwerfällt, auf das Rauchen zu verzichten, denn er oder sie kann Sie mit strukturierten Programmen und professioneller Hilfe bei der Rauchentwöhnung unterstützen.
Eine ungesunde Ernährung kann verschiedene Begleiterkrankungen begünstigen. Beispielsweise ist ein Zuviel an Salz ein Risikofaktor für Bluthochdruck und ein Mangel an bestimmten Mikronährstoffen erhöht das Risiko für Osteoporose und Muskelschwund. Da Ernährung ein komplexes Thema ist, ist es empfehlenswert, wenn Sie Ihre eigene Situation im Rahmen einer Ernährungsberatung analysieren lassen. Dort erhalten Sie dann auch individuelle Tipps, wie Sie mit einer optimierten Ernährung Ihre Gesundheit positiv beeinflussen können.3
Bewegungsmangel ist ein Risikofaktor für zahlreiche COPD-Begleiterkrankungen, darunter Bluthochdruck, koronare Herzerkrankung, Typ-2-Diabetes, Osteoporose und Muskelschwund. Das heißt aber nicht, dass Sie sich gleich dem Leistungssport verschreiben sollen. Stattdessen ist ein spezielles Training, das Sie in Ihren Alltag integrieren können und das auf die Besonderheiten bei COPD zugeschnitten ist, empfehlenswert.3
Sowohl Über- als auch Untergewicht begünstigen Begleiterkrankungen. Beispielsweise ist Übergewicht ein Risikofaktor für Bluthochdruck, koronare Herzerkrankung, metabolisches Syndrom, Fettstoffwechselstörungen, Typ-2-Diabetes und obstruktive Schlafapnoe. Achten Sie daher auf Ihr Gewicht.3
Sie und alle Personen, die an Ihrer Behandlung mitwirken, bilden zusammen ein Team. Ein aktiver, offener Austausch ist deshalb wichtig. Sie können dazu beitragen, indem Sie sich sorgfältig auf Ihre Termine vorbereiten. Notieren Sie sich Fragen, die Sie im Vorfeld haben, schriftlich, um nichts zu vergessen. Und wenn Sie während des Gesprächs etwas nicht verstehen, scheuen Sie sich nicht, nachzufragen. Es ist zudem oft hilfreich, sich während des Gesprächs Notizen zu machen.3 Nehmen Sie Kontrolluntersuchungen regelmäßig wahr, denn nur so können Begleiterkrankungen frühzeitig entdeckt werden. Und wenn Sie bemerken, dass sich bestehende Symptome verändern oder neue Symptome auftreten, zögern Sie nicht, zeitnah mit Ihrem Behandlungsteam darüber zu sprechen.
Um die hohe Qualität unserer Inhalte sicher zu stellen, wurde dieser Text von unserem Team aus Apothekerinnen und Apothekern geprüft. Die bereitgestellten Inhalte dienen lediglich der Information und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Die Texte sind nicht zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten gedacht.
Quelle
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitssystem (IQWiG). Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). https://www.gesundheitsinformation.de/chronisch-obstruktive-lungenerkrankung-copd.html Veröffentlicht: 14.12.2022, Abgerufen: 25.07.2025
Bundesministerium für Bildung und Forschung. Begleiterkrankungen der COPD – was beeinflusst sie? https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/begleiterkrankungen-der-copd-was-beeinflusst-sie-15647.php Veröffentlicht: 14.11.2022, Abgerufen: 25.7.2025
COPD Deutschland e. V. COPD und mögliche Begleiterkrankungen. https://www.copd-deutschland.de/images/patientenratgeber/patientenbroschueren/begleiterkrankungen.pdf Veröffentlicht: 04/2024, Abgerufen: 25.7.2025
Bildhinweise
Titelbild: AdobeStock