Diagnose einer COPD


Stellen Sie sich als Patient mit den typischen AHA-Symptomen (Atemnot, Husten, Auswurf) beim Arzt vor und sind Sie möglicherweise Raucher und über 40, dann wird der Arzt vermutlich an eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) denken.
Der erste Schritt wird dann eine ausführliche Anamnese sein. Das heißt, der Arzt fragt Sie nach Ihren Beschwerden und Symptomen (Häufigkeit, Art und Schwere), nach Ihren Lebensgewohnheiten und nach relevanten früheren Erkrankungen. Typischen Fragen sind:
Wie lange haben Sie den Husten schon?
Wie sieht der Auswurf aus?
Husten Sie nur morgens oder den ganzen Tag?
Leiden Sie an Luftnot bei Belastung oder Ruhe?
Sind die Beschwerden ganzjährig gleich?
Rauchen Sie? Wenn ja, wie viel und seit wann?
Haben Sie in Ihrem Leben geraucht? Wenn ja, wie lange? Wann haben Sie mit dem Rauchen aufgehört?
Sind Sie an Ihrem Arbeitsplatz Staub, Gasen oder Dämpfen ausgesetzt?
Ihre Antworten auf diese und andere Fragen helfen dem Arzt, seinen Verdacht zu untermauern, Bei ausreichendem Verdacht wird er Untersuchungen durchführen, um die Diagnose COPD sicher zu stellen. Denn gerade bei wenig spezifischen Symptomen, wie Husten und Atemnot, muss er andere Erkrankungen sicher ausschließen! Daher wird der Arzt Sie körperlich untersuchen.
Bei der körperlichen Untersuchung achtet der Arzt unter anderem auf Veränderungen des Brustkorbs, eine so genannte Überblähung der Lunge. So bezeichnet man ein vergrößertes Lungenvolumen, das entsteht, weil sich Luft in den Lungenbläschen sammelt, die nicht mehr vollständig abgeatmet werden kann. Außerdem auf pfeifende, brummende oder rasselnde Atemgeräusche und auf Hinweise, die auf andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen hindeuten.
Mit dem Stethoskop kann der Arzt die Lungengeräusche beim Atmen abhören. Besonders die Stärke des Atemgeräusches zeigt ihm an, ob und wie weit die Bronchien bereits verengt sind. Ein sehr leises Atemgeräusch kann dagegen auf ein Emphysem, also auf eine Schädigung der Lungenbläschen hindeuten.
Hinweis auf eine COPD geben außerdem bestimmte Geräusche, die beim Strom der Luft durch die Bronchien entstehen. Dabei kann der Arzt eine Vielzahl unterschiedlicher Geräusche unterscheiden:
Rasselgeräusche zum Beispiel entstehen durch Schleim in den Bronchien, der durch die Atemluft in Schwingung versetzt wird, ein deutlich hörbares Pfeifen oder – bei großer Schleimmenge – Brummen tritt vor allem beim Ausatmen auf, wenn die Bronchien verengt sind.
Eventuell wird Ihr Arzt den Umfang Ihres Brustkorbes messen und die Breite der Spalten zwischen den einzelnen Rippen (Interkostalräume). Sind sie breiter als normal, spricht dies für eine Aufblähung der Lunge (Emphysem), bzw. eine akut überdehnte Lunge. Das kann er durch Abklopfen bei gleichzeitiger Kontrolle mit dem Stethoskop bestätigen oder ein Stück weit entkräften.
Auch der Bewegungsspielraum des Zwerchfells ist wichtig. Das Zwerchfell sitzt zwischen Brust- und Bauchraum und übernimmt einen Großteil der Atemarbeit (die so genannte Bauchatmung). Zur Untersuchung bittet Sie der Arzt, vollständig auszuatmen, während er auf Ihren Oberkörper klopft und Sie mit dem Stethoskop abhört. Durch den unterschiedlichen Klang beim Abklopfen kann er die Position des Zwerchfells ermitteln.
Der Lungenfunktionstest (Spirometrie) ist die entscheidende Untersuchung bei der Diagnose einer COPD. Die Spirometrie ist schmerzfrei und schnell durchzuführen und zeigt die Leistungsfähigkeit der Lunge an. Das Prinzip ist simpel: Sie blasen so fest Sie können in ein Gerät, das Spirometer. Das Spirometer zeigt an, wie viel Luft Sie insgesamt auspusten können und wie schnell Sie die Luft ein- oder ausatmen können. Damit kann der Arzt eine COPD von anderen Lungenerkrankungen schnell und sicher unterschieden und auch der Schweregrad einer COPD lässt sich damit erfassen.
Bei der Spirometrie werden folgende Werte gemessen:
Einsekundenkapazität (FEV1-Wert): Das ist die maximale Luftmenge, die der Patient nach tiefem Einatmen in der ersten Sekunde ausatmen kann.
Vitalkapazität (VK): Das ist das maximale Luftvolumen, das der Patient nach tiefem Ausatmen wieder einatmen kann.
Relative Einsekundenkapazität (rFEV1): Das ist das Verhältnis der Einsekundenkapazität zur Vitalkapazität in Prozent. Beispiel: Beträgt die FEV1 3,2 Liter und die VK 4 Liter, dann liegt die rFEV1 bei 80 Prozent (3,2/4 *100). Bei einem rFEV1-Wert unter 75 Prozent – bzw. bei älteren Patienten unter 70 Prozent – geht man von einer COPD aus.
Ein Facharzt für Lungenkrankheiten (Pneumologe) kann noch weitere Untersuchungen durchführen, um die Diagnose COPD zu erhärten, die Ursachen zu ermitteln und den Schweregrad der Krankheit festzustellen. In Frage kommen unter anderem folgende Untersuchungen:
Blutgasanalyse (hier wird der Gehalt an Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut gemessen)
Herzuntersuchung mittels EKG (das liefert Informationen über das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit oder von Herzrhythmusstörungen)
Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Computertomografie, um eine Schädigungen der Lunge feststellen zu können
Untersuchung des Auswurfs (zum Nachweis von bakteriellen Infektionen der Atmungsorgane)
Je nach ihrer Schwere wird die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) in vier Stadien eingeteilt – von 1 bzw. A (leicht) bis 4 bzw. D (sehr schwer). Wir erläutern das unter Stadien der COPD.
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