Diabetes und Niereninsuffizienz

Diabetes und Niereninsuffizienz

Die zwei Nieren des Menschen sind für die Entgiftung zuständig, regulieren den Wasser- und Salzhaushalt und den Blutdruck. Zudem sind sie an der Bildung roter Blutkörperchen und Vitamin D beteiligt. Diabetes mellitus kann die Nieren belasten, da ein erhöhter Blutzucker die feinen Blutgefäße der Niere schädigt. Dies kann zu einer diabetischen Nephropathie, einer chronischen Nierenerkrankung,  bis hin zu einer chronischen Niereninsuffizienz führen, bei der die Niere nicht mehr ausreichend arbeitet. Diabetes mellitus ist demnach die häufigste Ursache einer Niereninsuffizienz in Industrieländern.1 Eine fortgeschrittene Nephropathie kann eine Dialyse oder Nierentransplantation erforderlich machen und lebensbedrohlich sein.

Eine Dehydrierung kann die Niere schädigen

Neben dem Diabetes selbst beeinflussen auch andere Faktoren das Risiko für eine Nierenerkrankung, wie Bluthochdruck, Blutfette, Rauchen oder Übergewicht. Eine gesunde, eiweißarme Ernährung kann die Gesundheit der Niere unterstützen. Ein wichtiger Risikofaktor für eine Schädigung der Niere ist eine schwere Dehydrierung (Austrocknung) des Körpers. Diese kann beispielsweise durch Durchfall und hervorgerufen werden. Der Elektrolyt- und Wasserhaushalt des Körpers befindet sich nicht länger im Gleichgewicht. Bei einer schweren Dehydrierung kann es zu Kreislaufschwäche bis hin zum Koma kommen. Bei Durchfall und Erbrechen sowie Fieber sollte daher auf einen ausreichenden Ausgleich von Flüssigkeit und Salzen geachtet werden. Vor allem ältere Patienten sollten in ihrem Alltag auf eine ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit achten.

Vorsicht bei Metformin und Dehydrierung 

Eine Dehydrierung ist auch im Zusammenhang mit der Einnahme von Metformin kritisch.

Der im Rahmen der Therapie des Diabetes mellitus häufig eingesetzte Wirkstoff Metformin wird über die Niere ausgeschieden. Bei einer Niereninsuffizienz, also einer verminderten Funktion der Nieren, kann sich Metformin im Körper anreichern und erhöht das Risiko für eine Übersäuerung im Blut (Laktatazidose). Das Risiko für diese Übersäuerung ist zwar gering, das Sterberisiko in einem solchen Fall jedoch sehr hoch. Vor allem bei Fieber und Dehydrierung steigt das Risiko für eine Übersäuerung. Im Falle einer Erkrankung sollte daher der Arzt konsultiert werden, möglicherweise erfolgt hier eine Therapieanpassung durch den Arzt. Die Nationale Versorgungsleitlinie ‚Nierenerkrankungen bei Diabetes im Erwachsenenalter‘ empfiehlt bei Metformin darüber hinaus eine Überprüfung der Nierenwerte einmal jährlich, bei bestehenden Nierenschäden häufiger.2

Regelmäßige Überprüfung der Werte

Als wichtigster Messwert für die Nierengesundheit gilt der Albuminwert im Urin. Diese sogenannte Mikroalbuminurie (Ausscheidung erhöhter Mengen Albumin mit dem Urin) stellt einen Risikofaktor für eine mögliche Entwicklung einer chronischen Nierenerkrankung dar. Außerdem gilt sie auch als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daneben spielt die glomeruläre Filtrationsrate (eGFR), einer der wichtigsten Parameter zur Beurteilung der Nierenfunktion, eine wichtige Rolle bei der Diagnose. Die eGFR gibt die Menge Volumen an, die innerhalb einer bestimmten Zeiteinheit von der Niere, genauer gesagt von den einzelnen Glomeruli (Nierenkörperchen) filtriert wird. Da die Nierenschädigung bei Diabetes schleichend auftreten kann, ist eine regelmäßige Überprüfung der oben beschriebenen Werte sinnvoll. Bei einer Nephropathie empfehlen die Leitlinien2 eine Einschränkung der Proteinzufuhr und einen Rauchstopp. Außerdem sollten alle Medikamente, die der Patient einnimmt, an eine reduzierte Nierenfunktion angepasst werden. Darüber hinaus ist eine gute Blutzuckereinstellung für den Patienten unabdingbar, um weitere Schädigungen der Niere zu verhindern.

Quellen:
1. National Kidney Foundation. KDOQI Clinical Practice Guidelines and Clinical Practice Recommendations for Diabetes and Chronic Kidney Disease. Am J Kidney Dis 2007;49(2 Suppl 2):S12-154
2. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Nierenerkrankungen bei Diabetes im Erwachsenenalter – Langfassung, 1. Auflage. Version 6. 2010, zuletzt verändert: September 2015.

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