Diabetes und Ramadan – dürfen Diabetiker fasten?

Diabetes und Ramadan – dürfen Diabetiker fasten?

Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam und für alle gesunden Muslime ab der Pubertät obligatorisch. Gläubige Muslime dürfen im Ramadan über vier Wochen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Ausnahmen bestehen für Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen, darunter auch Diabetes. Trotzdem besteht innerhalb der muslimischen Gemeinschaft ein intensiver Wunsch, am Fasten teilzunehmen, auch wenn Diabetiker Anspruch auf Befreiung hätten. Die International Diabetes Federation (IDF) und die Diabetes and Ramadan (DAR) International Alliance haben deswegen umfassende Richtlinien verfasst, was für Menschen mit Diabetes beim Fasten im Ramadan zu beachten ist. Die Richtlinien umfassen unter anderem Themen wie die Physiologie des Fastens, die Risikoeinteilung, die Ernährungsberatung und die Medikamentenanpassung. Wir fassen diese Ratschläge im Folgenden zusammen.

Warum ist Fasten bei Diabetes riskant?

Für fastende Muslime bedeutet der Beginn des Ramadan eine plötzliche und dramatische Verschiebung von Essenszeiten, Essverhalten und Schlafmuster. Das kann zu Schwankungen des Blutzuckerspiegels führen; während des Fastens über Tag zu niedrig und während der Essenszeiten am Abend zu hoch. Infolgedessen sind die Risiken für Patienten mit Diabetes während des Ramadan erhöht, das betrifft vor allem:

  • Hypoglykämie (Unterzuckerung)
  • Hyperglykämie (zu hoher Blutzucker)
  • diabetischer Ketoazidose
  • Dehydration (Austrocknung)
  • Thrombose (Bildung von Blutgerinnseln in Gefäßen)

Die optimale Versorgung von Menschen mit Diabetes während des Ramadan ist daher von entscheidender Bedeutung. Um das Risiko für Menschen mit Diabetes, die fasten wollen, abschätzen zu können, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden, z. B.:

  • Art des Diabetes
  • Art der Medikamente
  • Vorhandensein anderer Erkrankungen
  • persönliche Umstände

Diese Faktoren variieren für jeden Menschen, daher ist  für jeden an Diabetes erkrankten beim Fasten ein individueller Ansatz in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt notwendig. Zusammen mit dem Arzt sollte die Entscheidung getroffen werden, ob und wenn ja, in welchem Umfang der Ramadan für den einzelnen Diabetiker möglich ist.

Wer kann fasten, wer nicht?

Besprechen Sie Ihren Fastenwunsch bereits einigen Wochen vor dem Beginn des Ramadan mit Ihrem Arzt, um möglicherweise Vorsichtsmaßnahmen treffen zu können. Es empfiehlt sich, den Blutzuckerspiegel häufiger als sonst zu messen (mindestens sechsmal täglich), so können sie Veränderungen frühzeitig erkennen und handeln. Informieren Sie bitte auch ihre Familienmitglieder und Arbeitskollegen über Ihren Diabetes sowie über die möglichen Anzeichen einer Hypoglykämie (Unterzuckerung)  oder Hyperglykämie (extremer Blutzuckeranstieg)  und die zu unternehmenden Notfallmaßnahmen.

Menschen mit Diabetes sollten das Fasten unterbrechen, wenn:

  • der Blutzucker auf Werte unter 70 mg/dl abfällt
  • der Blutzucker auf über 300 mg/dl ansteigt
  • Symptome der Unterzuckerung auftreten, wie Zittern, Schwitzen/Frieren, Empfindung von Herzrasen, Hunger, Verwirrung, Kopfschmerzen
  • Symptome der Hyperglykämie auftreten, wie Durst, Hunger, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Verwirrtheit, Übelkeit/Erbrechen, Bauchschmerzen, als Folge eines zu üppigen Abendessens kann eine Hyperglykämie besonders nachts auftreten
  • Symptome der Dehydrierung
  • Thrombosen auftreten; typische Symptome hierfür sind z.B. einseitige Schwellungen oder Spannungsgefühle am Knöchel oder am Unterschenkel, Ziehen und Schmerzen in der Wade, eine Erwärmung oder auch eine bläuliche Verfärbung des Beins – hier ist ein sofortiger Arztbesuch dringend erforderlich
  • akute Krankheitssymptome auftreten.

Eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt ist wichtig

Alle Menschen mit Diabetes, die fasten möchten, sollten vorher ihren Arzt konsultieren, idealerweise 6 bis 8 Wochen vor Beginn des Ramadan. Dies gibt genügend Zeit, um das Fastenrisiko des Patienten zu beurteilen und den Patienten letztendlich zu beraten, ob er fasten kann oder nicht. Entscheiden Sie sich für das Fasten, sollte der Arzt Sie über Ihr persönliches Diabetesmanagement während des Ramadan aufklären und einen individuellen Behandlungsplan für Sie erstellen, in dem zum Beispiel auch eventuell notwendige Anpassungen der Medikamente beschrieben sind.

Quelle
Die Leitlinie des International Diabetes Federation (IDF) und der Diabetes und Ramadan (DAR) International Alliance sind (auf Englisch) abzurufen unter dem Link: https://www.idf.org/guidelines/diabetes-in-ramadan
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168822717303388

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