Ketonhaltige Nahrungsergänzungsmittel können Ihren Blutzucker senken

Ketonhaltige Nahrungsergänzungsmittel können Ihren Blutzucker senken

Die sogenannten ketogenen Diäten, die reich an Fetten und arm an Kohlenhydraten sind, haben vor allem viele Hollywood-Stars und andere Prominente als Abnehm-Diät allgemein bekannt gemacht. Sie sind jedoch nicht unumstritten. Die Wirkung soll darauf beruhen, dass der Körper bei starkem Fasten oder Kohlenhydratmangel Fett abbaut und dabei Ketone produziert (siehe unten: Was sind Ketone?). Diese Ketone haben im Organismus allerhand tatsächliche oder vermutete Wirkungen. So sollen sie epileptische Anfälle reduzieren und die Lebensqualität bei Kindern mit therapieresistenter Epilepsie verbessern oder gegen Migräne wirken.

Jetzt deuten die Ergebnisse einer Studie von Étienne Myette-Côté und Ihren Kollegen von der University of British Columbia in Kelowna (Kanada) an, dass Ketone als Getränk eingenommen, positiv auf den Blutzuckerspiegel wirken könnten (1).

Die Wissenschaftler verwendeten ein Nahrungsergänzungsmittel mit Keton-Monoestern, um den Effekt erhöhter Ketone im Blut isoliert untersuchen zu können, also ohne die störenden – mitunter negativen – Einflüsse, der umfassenden Stoffwechseländerungen, wie sie bei einer ketogenen Diät oder bei langdauerndem Fasten auftreten.

An der Studie nahmen 20 gesunde Versuchspersonen zwischen 18 und 35 Jahren teil. Die Probanden fasteten mindestens zehn Stunden und erhielten dann entweder das Keton-Getränk oder ein ähnliches Getränk ohne Ketone (Placebo). 30 Minuten später tranken alle Teilnehmer eine Flüssigkeit mit 75 g Zucker. Anschließend wurde den Probanden über einen Zeitraum von 2,5 Stunden alle 15 bis 30 Minuten eine Blutprobe entnommen und der Blutzuckerwert, die Insulinkonzentration und die Insulinsensitivität gemessen.

Dabei zeigte sich zwischen den beiden Testgruppen ein deutlicher Unterschied: So fiel die typische Blutzuckerspitze, die sich nach stark zuckerhaltiger Nahrung ergibt, bei den Teilnehmern, die den Keton-Drink zu sich genommen hatten, deutlich kleiner aus. Verglichen mit dem Placebo war der Blutzuckerspiegel in der Ketongruppe um etwa 16 % niedriger. Gleichzeitig verbesserte sich die Insulinsensitivität um etwa 16 %, während bei den beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede im Insulinspiegel zu beobachten waren.

Die Autoren vermuten daher, dass die zugeführten Ketone den Blutzuckerspiegel über eine verbesserte Insulin-Sensitivität senken. Allerdings weisen sie darauf hin, dass das Nahrungsergänzungsmittel zwar den Blutzuckerspiegel bei gesunden Probanden senke, es sei jedoch nicht klar, ob das auch für Patienten mit einer Stoffwechselkrankheit wie Diabetes gilt. „Wenn man dieselben Ergebnisse auch bei Patienten mit Typ-2-Diabetes finden würde, könnte man Nahrungsergänzungsmittel mit Keton-Monoestern vor dem Essen dazu verwenden, den Blutzuckerspiegel zu senken und den Stoffwechsel gesund zu halten. Daran arbeiten wir zurzeit,“ so die Erstautorin Myette-Côté in einem Interview. Die Forscherin bemerkt allerdings, dass der ketogene Drink sehr unangenehm schmecke und es schwierig gewesen sei, ein Placebo mit ähnlichem Geschmack zu finden.

Nun ist die Studie mit 20 Probanden etwas klein. In der Diskussion führen die Autoren aber auf, dass in einer anderen Arbeit die Einnahme eines Keton-Monoesters nach einem normalen Essen den Blutzuckerspiegel von 5,5 auf 4,7 mM über 4 Stunden senkte. Diese Abnahme von ungefähr 15 % entspricht ungefähr dem in dieser Studie gemessenen Wert (16 %).

Fazit: Die Studie liefert Hinweise darauf, dass sich der Blutzuckerspiegel nach Aufnahme von Ketonen bei gesunden Versuchspersonen eventuell besser regulieren lässt. Das ist interessant, ob es aber auch für Diabetiker von praktischem Nutzen ist, wurde noch nicht untersucht. Aus den Ergebnissen der Studie lässt sich auch nicht ableiten, ob eine ketogene – also die extrem fettreiche und kohlenhydratarme – Diät für Diabetiker von Vor- oder Nachteil ist. Es gibt zwar gewisse Hinweise, dass sich eine ketogene Diät wegen der geringeren Zuckerzufuhr und einer verbesserten Insulinsensitivität positiv auf einen Diabetes auswirkt, sie hat aber auch Risiken. Deswegen sollten Diabetes-Patienten auf keinen Fall ohne Rücksprache und Begleitung durch ihren behandelnden Arzt mit einer ketogenen Diät beginnen. Die deutliche Einschränkung zuckerhaltiger Lebensmittel und Getränke ist ohnehin der einfachere und weniger risikobehaftete Weg bei Diabetes.

Was sind Ketone?

Unter dem Begriff Ketone, auch Ketonkörper, versteht man verschiedene Stoffwechselprodukte, die beim Abbau von Fettsäuren entstehen: zum Beispiel Azeton, Acetessigsäure, beta-Hydroxybuttersäure oder die in der Studie verwendete 3-Hydroxybutyl-3-Hydroxybuttersäure. Normalerweise ist die Konzentration von Ketonen im Blut sehr gering, steht aber zu wenig Glukose zur Verfügung, können Muskel- oder Gehirnzellen die Ketone ersatzweise als Energiequelle nutzen. Das tritt vor allem bei Hungerzuständen, bei Glukose- oder bei einem absoluten Insulinmangel auf.

Quellen:
Myette-Côté É., Neudorf H., Rafiei H., Clarke K., Little JP.: Prior ingestion of exogenous ketone monoester attenuates the glycaemic response to an oral glucose tolerance test in healthy young individuals. J Physiol. 2018; 596: 1385–1395. doi: 10.1113/JP275709. (Der vollständige Artikel erscheint im April 2019)

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