Frauen und HIV

Frauen und HIV

Weltweit betrachtet sind Frauen und Mädchen besonders stark von HIV-Infektionen und der AIDS Erkrankung betroffen, was an ihrem ungleichen kulturellen, sozialen und ökonomischen Status in vielen Ländern liegt. Das macht sie nicht nur anfälliger für Infektionen, in vielen Ländern haben Frauen auch einen schlechteren Zugang zu Gesundheitsleistungen und Bildungsmaßnahmen oder sind anderen Arten von Diskriminierungen ausgesetzt.

Die Situation der Frauen in industrialisierten Ländern wie Deutschland ist zwar besser, aber bezüglich HIV und Frauen gelten auch hier einige Besonderheiten, die wir im Folgenden ansprechen. Nach Angaben des Robert-Koch-Institut waren unter den knapp 85.000 mit HIV-infizierten Menschen in Deutschland im Jahr 2015 ungefähr 15.000 Frauen (1). Auch bei uns werden Frauen mit HIV-Infektion stigmatisiert und diskriminiert, besonders Frauen mit Familie haben häufig Angst, dass ihre Kinder durch die HIV-Infektion der Mutter diskriminiert und ausgeschlossen werden.

HIV-Infektion – Unterschiede bei Männern und Frauen

Die Ansteckung

Frauen können sich leichter mit HIV anstecken, wenn sie mit einem HIV-positiven Mann vaginalen Geschlechtsverkehr haben, als Männer durch analen Geschlechtsverkehr. Die Schleimhautfläche im weiblichen Genitalbereich ist größer und empfindlicher als die des Mannes. Daraus resultiert im Vergleich zu Männern ein bis zu 8x höheres Risiko, sich mit HIV zu infizieren.  Das Risiko, sich durch andere Arten des Geschlechtsverkehrs oder auch durch infizierte Nadeln anzustecken, ist bei Frauen und Männern gleich.

Probleme HIV-infizierter Frauen

HIV-positive Frauen haben neben den bekannten Problemen HIV-infizierter Menschen noch eine Reihe weiterer Probleme:

  • Komplikationen wie häufige vaginale Pilzinfektionen, schwere Infektionen des oberen weiblichen Genitaltraktes (PID) und ein höheres Risiko für Gebärmutterhalskrebs.
  • Unterschiedliche und manchmal schwerere Nebeneffekte der Medikamente gegen HIV; hier spielen das unterschiedliche Körpergewicht, der unterschiedliche Körperfettanteil und der hormonelle Einfluss auf die Plasma-Eiweißbindung der Arzneistoffe eine wichtige Rolle.
  • Probleme durch Wechselwirkungen von antiretroviralen Medikamenten und Antikonzeptiva („Antibabypille“).
  • Das Risiko, das HI-Virus an das (ungeborene) Kind weiter zu geben (siehe unten).
  • Bei Frauen, die nicht zu den Hochrisikogruppen gehören, werden entsprechende Symptome oft nicht erkannt und daher wird eine HIV-Infektion erst zu spät entdeckt. Die Behandlung von HIV ist aber umso erfolgreicher, je früher sie beginnt.

Frauen wissen oft nichts von ihrer Infektion

Der Deutschen Aidshilfe (DAH) zufolge wissen nur rund 73 % der HIV-infizierten Frauen in Deutschland von ihrer Infektion, obwohl viele in der Schwangerschaft auf HIV getestet wurden. werden. Von den geschätzten 14.000 Menschen, die in Deutschland mit HIV leben ohne es zu wissen, sind vermutlich ein Viertel (3.700) Frauen. Rund 41 % der HIV-Diagnosen bei Frauen erfolgten in einem bereits weit fortgeschrittenem Infektionsstadium (allgemeiner Durchschnitt: 31 %). (2)

HIV Übertragung von Mutter auf Kind

Eine HIV-positive Mutter kann das Virus auf drei Arten auf ihr Kind übertragen:

  1. Während der Geburt über die Vaginalschleimhaut.
  2. Durch Stillen über die Muttermilch.
  3. In Ausnahmefällen eventuell auch durch Kontakt mit infiziertem Blut.

Wenn die HIV-positive Mutter nicht behandelt wird, werden etwa 25 bis 35 % der Babys bei der Geburt mit HIV infiziert und weitere 10 bis 15 % beim Stillen. Eine Behandlung der Mütter mit antiviralen Medikamenten reduziert das Infektionsrisiko deutlich. Um sicherzustellen, dass die Virenkonzentration im Blut der Mutter so gering wie möglich ist, sollten HIV-positive Schwangere während des zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft und vor der Geburt auf HIV getestet werden.

Auch ein Kaiserschnitt, der Verzicht auf das Stillen und die antivirale Behandlung des Babys während der ersten Wochen nach der Geburt reduzieren das Risiko der Übertragung des HI-Virus auf den Säugling.

HIV, Monatszyklus und Hormonhaushalt

Eine HIV-Infektion schädigt nicht nur das Immunsystem, das Virus kann auch das Hormonsystem beeinflussen. So kann sich der Menstruationszyklus bei hoher Viruslast verändern und es kann zum Beispiel zu größeren Abständen zwischen zwei Monatsblutungen kommen, oder die Blutung kann ganz ausbleiben. Eine neuere Studie (WIHS-Studie) zeigt auch eine leichte Zunahme sehr kurzer Zyklen. In solchen Fällen sollten Sie mögliche gynäkologische Ursachen – einschließlich Schwangerschaft – abklären lassen. Falls Sie keine Medikamente gegen HIV einnehmen,

Eine HIV-Infektion kann auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder, wie einige Studien zeigen, zu einer verfrühten Menopause führen.

HIV in einer lesbischen Beziehung

Die Zahl HIV-infizierter lesbischer Frauen ist deutlich geringer als die der homosexuellen Männer. Daher gibt es laut Robert-Koch-Institut keine offiziellen Zahlen zum Infektionsrisiko. Wenn eine Partnerin HIV-positiv ist, ist das Ansteckungsrisiko für die nicht infizierte Partnerin vermutlich geringer als für männliche Partner. Es kann jedoch über den Kontakt mit infiziertem Scheidensekret oder Menstruationsblut zu einer Infektion kommen, z.B. über das gemeinsame Benutzen von Dildos oder Vibratoren. Wenn Sie oder Ihre Partnerin HIV-positiv sind, sollten Sie also unbedingt Maßnahmen ergreifen, die eine Übertragung der Infektion durch Blut oder Vaginalsekret verhindern.

Quellen:
(1) https://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2016/16_2016.html
(3) https://aidsinfo.nih.gov/understanding-hiv-aids/fact-sheets/24/71/preventing-mother-to-child-transmission-of-hiv-after-birth

HIV-positive Frauen brauchen eine andere Behandlung als HIV-infizierte Männer. Deswegen hat die Arbeitsgruppe Ärztinnen und AIDS der DAGNÄ e.V. „Versorgungsgrundlagen für HIV-positive Frauen“ für Ärzte entwickelt, die man unter folgendem Link downloaden kann:

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