Impfungen bei HIV Patienten

Impfungen bei HIV Patienten

Impfungen schützen Menschen vor ansteckenden Krankheiten wie zum Beispiel Windpocken, Grippe und Polio. Bei einer Impfung oder Immunisierung wird entweder mit inaktivierten oder aber mit lebenden, aber geschwächten Krankheitserregern die Immunantwort des Körpers so angeregt, dass die Krankheit nicht oder nur sehr leicht ausbricht. Auf diese Weise lernt das Immunsystem den Körper zu verteidigen, wenn die Person später dem Krankheitserreger ausgesetzt ist.

Haben Impfungen Nebenwirkungen?

Nebenwirkungen von Impfstoffen sind im Allgemeinen gering (z. B. Schmerzen am Ort einer Injektion oder ein leichtes Fieber) und verschwinden innerhalb weniger Tage. Schwere Reaktionen auf Impfstoffe sind selten. Bevor Sie einen Impfstoff erhalten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Vorteile und Risiken des Impfstoffs und mögliche Nebenwirkungen.

Bei HIV-infizierten Personen reagiert das Immunsystem unter Umständen anders als bei Immungesunden. Das muss der Arzt berücksichtigen. Trotzdem sind auch und gerade bei HIV-positiven Menschen bestimmte Impfungen dringend zu empfehlen. Bei Menschen mit einer schweren Immunschwäche oder bei Vorliegen einer AIDS-definierenden Erkrankung sollten jedoch nur Tot- und keine Lebendimpfstoffe eingesetzt werden.

Warum sind Impfungen auch für HIV-positive Menschen sinnvoll?

Impfungen zählen zu den wirksamsten Präventionsmaßnahmen gegen viele Infektionskrankheiten. Trotzdem lassen sich zu wenige Menschen gegen häufige und oft gefährliche Erkrankungen impfen.

Dies trifft auch auf viele Menschen mit HIV zu, obwohl gerade für diese Patientengruppe ein Impfschutz besonders wichtig ist. Eine mögliche Ursache könnten Fehlinformationen zum Thema Impfungen sein, oder HIV-positive Menschen sind sich nicht klar darüber, welche Impfungen gerade für sie sinnvoll und wichtig sind.

Daher möchten wir Ihnen mit den folgenden aktuellen Impf-Empfehlungen eine Hilfestellung geben, die eine Expertengruppe der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) veröffentlicht hat:

Welche Impfungen werden für HIV-positive Menschen empfohlen?

 Hepatitis A und B

Warum?

Die Hepatitis A-Impfung wird HIV-Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine Hepatitis-A-Infektion empfohlen, z. B. homosexuellen Männern mit wechselnden Geschlechtspartnern, bei Reisen in Länder mit erhöhtem Hepatitis A -Risiko oder bei chronischen Lebererkrankungen.

Die Hepatitis B-Impfung wird allen HIV-positiven Personen empfohlen, da gleichzeitige Infektionen von HIV und Hepatitis B wegen der gemeinsamen Übertragungswege der beiden Viren häufig vorkommen.

Wie?

Zum Schutz vor Hepatitis A und B können sowohl Einzel- (monovalente) wie auch A+B-Kombinationsimpfstoffe verwendet werden. Ob die eine oder andere Methode günstiger ist, hängt vom Immunstatus des Patienten ab. Hepatitis A+B-Kombinationsimpfstoffe werden gut vertragen und können bei Einhalten der Impfvorschrift zu einer ausreichenden Immunantwort führen. Bei manchen HIV-positiven Menschen ist allerdings die Immunantwort gegenüber Hepatitis A bei Verwendung eines monovalenten, nur gegen Hepatitis A gerichteten Impfstoffs erfolgversprechender als bei Verwendung des Kombinationsimpfstoffs. Bei Hepatitis A: wird empfohlen den Impfschutz nach 5 Jahren zu überprüfen und ggf. aufzufrischen.

Wie oft?

Der monovalente Hepatitis-A-Impfstoff wird bei Immungesunden in einem 2-Dosen-Schema (0 und nach 6–12 Monaten) verabreicht. Bei HIV-Infizierten hängt das empfohlene Impfschema vom Immunstatus des Infizierten ab. Da die Impfung gegen Hepatitis B bei ca. 30 % der HIV-infizierten Personen mit angegriffenem Immunsystem nur eine ungenügende Immunantwort hervorruft, wird der Arzt 4 bis 8 Wochen nach der Grundimmunisierung den Antikörpertiter bestimmen und gegebenenfalls weitere Impfungen in Erwägung ziehen.

Humane Papillomaviren (HPV)

Warum?

HIV-infizierte Personen, besonders homosexuelle Männer mit wechselnden Geschlechtspartnern, haben ein deutlich höheres HPV-Infektionsrisiko als immungesunde Menschen. Auch Folgeerkrankungen einer HPV-Infektion, wie zum Beispiel Warzen im Genital- oder Analbereich und das Analkarzinom, treten bei Ihnen häufiger auf.

Wie?

Alle zugelassenen HPV-Impfstoffe können bei HIV-Infizierten eingesetzt werden. Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung für alle Mädchen und Jungen im Alter von 9–14 Jahren und Nachholimpfungen bis zum Alter von 17 Jahren. Aufgrund des oben beschriebenen erhöhten Risikos empfiehlt das Robert Koch-Institut, dass auch HIV-positive Personen gegen HPV geimpft werden sollten.

Wie oft?

Für die Grundimmunisierung von Personen ab 15 Jahren sind 3 Impfstoffdosen vorgesehen, je nach Impfstoff mit dem Impfschema 0-1-6 bzw. 0–2-6 Monate. Bisher geht man davon aus, dass nach der Grundimmunisierung keine weiteren Impfungen notwendig sind.

Influenza (Grippe)

Warum?

Die STIKO empfiehlt Menschen mit einer HIV-Infektion sowie Personen, die mit diesen regelmäßigen Kontakt haben, eine jährliche Grippeschutzimpfung mit einem Vierfach-Impfstoff, die so genannte quadri- oder tetravalente Infuenza-Impfung. Der Vierfach-Impfstoff schützt gegenüber dem bisher üblichen Dreifach-Impfstoff vor einem zusätzlichen Influenza-Virusstamm.

Meningokokken (Hirnhautentzündung)

Warum?

HIV-infizierte Personen, besonders homosexuelle Männer mit wechselnden Sexualpartnern, haben ein etwa zehnmal höheres Risiko für Meningokokken-Erkrankungen als normal. Eine Meningokokken-Infektion äußert sich meist in einer Hirnhautentzündung, die innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden kann. Das Risiko für eine Infektion und die Schwere der Erkrankung nimmt mit zunehmender Immunschwäche zu.

Wie?

Die STIKO empfiehlt HIV-positiven Menschen eine Impfung sowohl gegen Meningokokken der Serogruppen ACWY als auch der Serogruppe B.

Wie oft?

Eine einmalige Impfung wird als ausreichend angesehen. Nur im Einzelfall, bei deutlich geschwächtem Immunsystem kann auch eine zweimalige Impfung im Abstand von 8 Wochen sowie ein Booster-Impfung nach 5 Jahren erwogen werden.

Pneumokokken (Lungenentzündung)

Warum?

HIV-infizierte Erwachsene haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Risiko für Pneumokokken-Erkrankungen (IPD, vor allem Lungenentzündung). Dieses Risiko besteht auch unter erfolgreicher antiretroviraler Therapie (ART), ist aber bei geschwächtem Immunsystem und hoher Viruslast besonders groß.

Wie?

Die STIKO empfiehlt HIV-infizierten Personen die aufeinanderfolgende Impfung mit dem 13-valenten Pneumokokken-Impfstoff (PCV13) gefolgt vom 23-valenten Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff (PPSV23) nach 6–12 Monaten.

Wie oft?

Aufgrund der zeitlichen Begrenzung des Impfschutzes wird alle 6 Jahre eine Auffrischimpfung mit PPSV23 empfohlen.

Impfungen von Personen, die mit HIV-Infizierten regelmäßigen Kontakt haben

Auch Personen, mit denen HIV-positive Menschen regelmäßig Kontakt haben, sollten einen umfassenden und vollständigen Impfschutz haben, um eine Ansteckung des immungeschwächten HIV-Infizierten möglichst zu vermeiden. Das gilt besonders für Menschen, deren Partner HIV-positiv sind oder an AIDS leiden und nicht geimpft werden können. Der Impfschutz der Kontaktpersonen sollte entsprechend den STIKO-Empfehlungen vollständig sein (insbesondere der Masern-Impfschutz) und jährlich aktualisiert werden (z. B. Grippe-Impfung).

Impfindikation und Anwendungshinweise für Personen mit HIV

Quelle: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 8 · 2018

Quelle:
Ehl S. et al.: Impfen bei Immundefizienz. Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (II) Impfen bei 1. Primären Immundefekterkrankungen und 2. HIV-Infektion.
Bundesgesundheitsbl 2018; 61:1034–1051. doi: doi.org/ 10.1007/ s00103- 018- 2761-8

 

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