antiretrovirale Therapie – infiziert, aber nicht ansteckend

antiretrovirale Therapie – infiziert, aber nicht ansteckend

Da es noch nicht allgemein bekannt ist, sollte man immer wieder darauf hinweisen: HIV-Positive, die sich mindestens sechs Monate lang erfolgreich einer antiviralen Therapie (ART) unterziehen, geben das AIDS-Virus nicht durch sexuellen Kontakt weiter. Diese wissenschaftliche Erkenntnis wurde inzwischen von über 700 Institutionen und Organisationen offiziell anerkannt. Unter anderem auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO und der HIV/Aids-Organisation der Vereinten Nationen (UNAIDS). Auch die einflussreiche US-Gesundheitsbehörde, das Center for Disease Control (CDC), hat ihre Richtlinien entsprechend aktualisiert. In einem offenen Brief schrieben die Direktoren des CDC, Eugene McCray und Jonathan H. Mermin, sie hoffen, mit diesem Schritt etwas gegen die Stigmatisierung unternehmen zu können, der HIV-positive Menschen ausgesetzt sind.

Durch eine antivirale Therapie sinkt das aktiv sich vermehrende HI-Virus in Blut und Sperma unter der Nachweisgrenze (1). Doch das Virus kann im Körper verborgen bleiben, weswegen ein HIV-Positiver die antiviralen Medikamente kontinuierlich einnehmen muss. Wenn eine HIV-positive Person aber eine ausreichende Viruskontrolle durch antivirale Therapie aufrechterhält, so dass die Virusmenge mindestens sechs Monate lang unter der Nachweisgrenze bleibt, kann er seinen Partner nicht mehr beim Sexualkontakt anstecken. Das wurde in drei verschiedenen Studien an Tausenden von Paaren mit vielen tausenden Sexualkontakten ohne Kondom oder Präexpositionsprophylaxe (PrEP) untersucht. In keinem Fall konnte eine HIV-Übertragung an einen HIV-negativen Partner beobachtet werden.

“Dies bedeutet, dass Menschen, die antivirale Therapie täglich wie vorgeschrieben einnehmen und damit eine nicht nachweisbare Viruslast erreichen und aufrechterhalten, kein Risiko haben, das Virus sexuell an einen HIV-negativen Partner zu übertragen”, so das CDC. Der HIV-Positive ist zwar “infiziert”, aber nicht “ansteckend”. (2)

Allerdings gibt es immer noch zu viele HIV-positive Menschen, die nicht die Medikamente erhalten, die sie brauchen. Aber auch in Industrieländern, wie den Vereinigten Staaten, haben unter den HIV-positiven Menschen nur 61 Prozent eine Virussuppression erreicht. „Das ist zwar mehr als in früheren Jahren, aber weit hinter dem, wo wir sein wollen”, so McCray und Mermin. Manche entscheiden sich dafür, sich nicht behandeln zu lassen, oder halten die Behandlung vielleicht nicht durch.

McCray und Mermin beziehen sich damit vor allem auf die Situation in den USA und auf ärmere Teile der Welt. Doch für Menschen mit HIV hierzulande verbessert sich die Situation: „Sie haben nun Gewissheit, dass die Therapie ihre Partner zuverlässig schützt“, sagt der Medizinreferent der Deutschen AIDS-Hilfe, Armin Schafberger. „Das haben wir zwar schon gewusst, die Studie untermauert dieses Wissen aber nun mit klaren Zahlen.“ (3)

Es bedarf also weiterer Arbeit, um die Therapielücken zu schließen und die Barrieren zu überwinden, die es HIV-positiven Menschen erschweren, eine HIV-Behandlung mit antivirale Therapie zu erhalten. Dazu müssen sowohl sozioökonomische als auch kulturelle Probleme überwunden werden, z. B. unzureichende Gesundheitssysteme, niedrige Bildung, Armut, Stigmatisierung, Diskriminierung und Kriminalisierung der Krankheit oder auch Leugnung der Erkrankung durch den Betroffenen.

Das Verständnis, dass eine erfolgreiche antivirale Therapie die Übertragung verhindert, kann dazu beitragen, HIV-bedingte Stigmatisierung zu reduzieren und HIV-positive Menschen dazu ermutigen, sich einer Behandlung zu unterziehen und diese einzuhalten.

HINWEIS: Eine nicht nachweisbare HIV-Viruslast verhindert die Übertragung von HIV an Sexualpartner. Kondome helfen nicht nur die HIV-Übertragung, sondern auch andere Geschlechtskrankheiten und ungewollte Schwangerschaften zu verhindern.

Quellen:
HPTN 052 Studie https://www.hptn.org/research/studies/hptn052
https://www.cdc.gov/hiv/risk/art/index.html
https://www.aidshilfe.de/meldung/antiretrovirale-therapie-schutzt-sexueller-hiv-ubertragung
https://www.preventionaccess.org/consensus
http://i-base.info/die-beweise-fur-uu-vernachlassigbares-risiko-bedeutet-kein-risiko/

 

 

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