Wenn eine HIV-Infektion bereits besteht und Sexualpartner geschützt werden sollen, zur Empfängnisverhütung und zum Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen – Kondome sind hierbei die altbekannten Klassiker, an die sicher jeder bei diesen Themen zuerst denkt. Das Äquivalent zum Kondom für Frauen, auch Femidom genannt, ist dagegen weit weniger bekannt, aber nicht weniger bedeutsam. Femidome sind meist aus dünnem Kunststoff gefertigt und können bereits Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden. Sie stellen die einzige Möglichkeit für Frauen dar, sich in Eigeninitiative vor sexuell übertragbaren Infektionen zu schützen.
Ob Femidome auch gut vor einer HIV-Infektion schützen können, untersuchten Forscher in ihrer Analyse über 15 Studien mit insgesamt 6 921 Frauen. In einer Studie mit 149 Teilnehmerinnen zeigten sich die Femidome, die zeitgleich mit einem Kondom angewendet wurden, womöglich als ähnlich effektiv beim HIV-Schutz wie Kondome allein. Jeweils zwei weitere der analysierten Studien fanden, dass die Kombination mit dem Femidom allerdings besser vor anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen wie Gonorrhoe (auch als Tripper bekannt) und Chlamydien schützte.1
Femidome werden allerdings noch selten genutzt. Eine Untersuchung in Australien versuchte herauszufinden, woran dies liegen könnte. Dazu luden die Forscher 556 Frauen zur Teilnahme ein. Nur wenige (30/556) hatten zuvor bereits ein Femidom verwendet. Im Studienzeitraum probierten dann 284 Frauen ein Femidom aus und beantworteten anschließend Fragen dazu. Die Hälfte der Frauen (51 %) hatte zu Beginn etwas Schwierigkeiten beim Einsetzen des Femidoms. Nur 46 % der 284 Frauen hatten sich zuvor ein kurzes Instruktionsvideo angesehen. Etwa die Hälfte der Frauen (105/204) empfanden das Femidom als ähnlich oder angenehmer bei der Anwendung im Vergleich zu einem Männer-Kondom. Für 66 % (137/204) schien auch die Feuchtigkeit und Gleitfähigkeit des Femidoms gleich oder besser als bei Kondomen zu sein. Die Erfahrung überzeugte etwa die Hälfte der Teilnehmerinnen, dass sie vermutlich erneut ein Femidom zum Schutz vor sexuell übertragbaren Erkrankungen (51 %), vor Schwangerschaft (40 %) nutzen wollten oder es weiterempfehlen würden (43 %).2
Eine weitere Verbreitung des Einsatzes von Femidomen, aber auch Kondomen wäre eine Chance, sich vor HIV-Infektionen zu schützen und das Risiko weiterer Geschlechtserkrankungen zu reduzieren.
Tatsächlich scheint das Risiko für durch Geschlechtsverkehr übertragene Krankheiten nämlich hierzulande unterschätzt zu werden, fanden Forscher in einer landesweiten Studie in Deutschland. Sie untersuchten die Gesundheit und das Risikoverhalten von Männern, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben. Mit Abstrichen und Urinproben wurde nach Anzeichen für Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien, Gonorrhoe und Trichomonaden-Infektion gefahndet. Das individuelle Verhalten der Teilnehmer wurde mit Hilfe von Fragebögen ermittelt. 2303 Männer im durchschnittlichen Alter von 39 Jahren (zwischen 18 und 79 Jahren) nahmen an der Untersuchung teil. Die Hälfte der Teilnehmer war HIV-positiv (50,5 %). 73,6 % der Teilnehmer gaben an, Sex ohne Kondome zu haben. 80,3 % der Männer hatten bereits früher eine sexuell übertragbare Krankheit gehabt, teils auch mit akuten Symptomen. Sex ohne Kondom war dabei einer der wichtigsten Risikofaktoren und verdoppelte in dieser Studie das Risiko für eine der hier betrachteten Geschlechtskrankheiten.3
Die aktuellen Studien zeigen, dass die Gewohnheit, Geschlechtsverkehr mit Kondom zu haben, effektiv vor verschiedenen Geschlechtserkrankungen schützen kann. Mit den neueren Femidom-Varianten haben zudem inzwischen auch Frauen eine effektive und angenehme Möglichkeit, die Initiative zum sicheren Sex zu ergreifen.
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Referenzen
1. Wiyeh AB, Mome RKB, Mahasha PW, Kongnyuy EJ, Wiysonge CS. Effectiveness of the female condom in preventing HIV and sexually transmitted infections: a systematic review and meta-analysis. BMC Public Health. 2020 Mar 12;20(1):319. doi: 10.1186/s12889-020-8384-7. PMID: 32164652; PMCID: PMC7068875. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32164652/
2. Fenwick SE, Botfield JR, Kidman P, McGeechan K, Bateson D. Views and experiences of the female condom in Australia: An exploratory cross-sectional survey of cisgender women. PLoS One. 2021 Feb 19;16(2):e0246664. doi: 10.1371/journal.pone.0246664. PMID: 33606704; PMCID: PMC7894813. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33606704/
3. Jansen K, Steffen G, Potthoff A, Schuppe AK, Beer D, Jessen H, Scholten S, Spornraft-Ragaller P, Bremer V, Tiemann C; MSM Screening Study group. STI in times of PrEP: high prevalence of chlamydia, gonorrhea, and mycoplasma at different anatomic sites in men who have sex with men in Germany. BMC Infect Dis. 2020 Feb 7;20(1):110. doi: 10.1186/s12879-020-4831-4. PMID: 32033533; PMCID: PMC7007644. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32033533/
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