Therapieansätze bei Angststörung?


Spinnen, enge Räume oder Menschenmengen – Angststörungen können den Alltag stark beeinträchtigen, sind jedoch auch gut behandelbar. Psychotherapie, Medikamente oder sogar Therapien mit VR-Brillen können Abhilfe schaffen. Erfahren Sie hier, welche Therapieoptionen Ihnen helfen können.
Viele Menschen mit einer Angststörung versuchen zunächst, die Erkrankung allein zu bewältigen. Geeignete Therapien ermöglichen jedoch oft schneller einen guten Umgang mit der Angst. Die Behandlungsformen umfassen verschiedene Psychotherapien und Medikamente. Wählen Sie in Rücksprache mit Ihrer Praxis die Therapie, die sich am besten für Ihre Situation eignet.1
Generell sind die Heilungs- und Verbesserungschancen mit einer passenden Behandlung gut.
Das Ziel einer Therapie bei einer Angststörung ist nicht, die Angst direkt komplett aus dem Leben zu verdrängen. Stattdessen lernen Sie, besser mit der Angst umzugehen, bis sie nach und nach weniger wird.
Der Goldstandard in der Therapie ist die kognitive Verhaltenstherapie.2,5 Die eigenen Gedanken (Kognitionen) beeinflussen das Entstehen von Angst. Bei der Therapie lernen Sie, Gedankenmuster zu durchbrechen, die Sorgen und Angst verstärken. Die Therapie bietet die Möglichkeit, das eigene Verhalten besser zu verstehen und in Angstsituationen gezielter zu steuern. 2,3,5
In der Konfrontationstherapie wird in Begleitung der Therapeutin oder des Therapeuten eine angstauslösende Situation bewältigt. Das Überwinden der Angst unterstützt dann bei einem ruhigeren Umgang mit zukünftigen Konfrontationen. Auch virtuell kann eine solche Konfrontation mit VR-Brillen (Virtual Reality, also Brillen die eine künstliche 3D-Welt darstellen können) erfolgen, etwa bei Flugangst, wenn die reale Konfrontation im Alltag schwer umzusetzen ist.3,5
Viele Therapieformen werden sowohl in Gruppen- als auch in Einzeltherapien angeboten. Zudem ist eine Unterstützung durch internetbasierte Therapien wie Videogespräche und spezielle Apps möglich. Diese sollten jedoch nicht die einzige Therapieform bleiben.3
Die Einnahme von Medikamenten wie Antidepressiva, die auch in der Therapie von Depressionen eingesetzt werden, unterstützt die Psychotherapie. Ist die Besserung eingetreten, sollten die Medikamente weiterhin ein halbes bis ein Jahr eingenommen werden, um einen Rückfall zu vermeiden. Antidepressiva machen nicht abhängig - bis die Wirkung einsetzt, vergehen jedoch zum Teil mehrere Wochen.2,3,4 Zudem können je nach verwendetem Wirkstoff verschiedene Nebenwirkungen auftreten:
Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Verstopfungen und Durchfall
Mundtrockenheit
Schlafprobleme
Müdigkeit
Kopfschmerzen
Schwindel.
Zusätzlich zu den anderen Therapieformen können Sie Entspannungsübungen wie die Progressive Muskelentspannung erlernen, die in Angstsituationen gezielt Symptome wie Anspannung, Herzrasen und Unruhe entgegenwirken.3 Dabei soll der Körper mit gezielter Anspannung und Entspannung von Muskelgruppen zur Ruhe kommen.7 Atemübungen oder Yoga sind für manche Betroffene ebenfalls hilfreich. Zudem kann autogenes Training, eine Form der Selbsthypnose, dabei unterstützen, mehr innere Ruhe zu erlangen.2
Scheuen Sie sich nicht, sich Hilfe zu holen. Neben einer Psychotherapie oder der Einnahme von Medikamenten gibt es im Alltag weitere Faktoren, die die Symptome einer Angststörung beeinflussen3:
Sport hilft, sich weniger zurückzuziehen
Rauchen, Alkohol und andere Drogen verstärken zum Teil Symptome der Angststörung
Koffein verstärkt bei einigen Menschen Angstsymptome
Sie müssen den Weg aus der Angst nicht allein gehen – und Sie brauchen dafür vor allem Geduld mit sich selbst. Die Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten zeigt, dass es für fast jede Situation eine passende und wirksame Unterstützung gibt. Vertrauen Sie sich Ihrer Arzt- oder Apothekenpraxis an und gehen Sie den ersten Schritt in Ihrem ganz eigenen Tempo hin zu mehr Leichtigkeit im Alltag.
Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
TelefonSeelsorge: 116 123 oder 0800 1110111 / 0800 1110222
Notruf: 112
Artikel veröffentlicht im September 2026.
Um die hohe Qualität unserer Inhalte sicher zu stellen, wurde dieser Text von Apothekerinnen und Apothekern geprüft. Die bereitgestellten Inhalte dienen lediglich der Information und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Die Texte sind nicht zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten gedacht.
Wenn Sie gesundheitliche Beschwerden haben oder der Verdacht auf eine psychische Erkrankung besteht, wenden Sie sich bitte an eine entsprechend qualifizierte Fachperson. Bei akuter Selbstgefährdung, Suizidgedanken oder Lebensgefahr wählen Sie bitte umgehend den Notruf 112 oder suchen Sie sofort professionelle Hilfe auf.
Texthinweise
1.psychenet.de, Wie wird eine generalisierte Angststörung behandelt? https://psychenet.de/de/entscheidungshilfen/entscheidungshilfe-generalisierte-angststoerung/behandlungsmoeglichkeiten/wie-wird-eine-generalisierte-angststoerung-behandelt.html, Stand: Juni 2025, Abruf: 29.05.2026
2.IQWIG, Behandlungsmöglichkeiten bei generalisierter Angststörung, https://www.gesundheitsinformation.de/behandlungsmoeglichkeiten-bei-generalisierter-angststoerung.html, Stand: 27. März 2024, Abruf: 29.05.2026
3.AWMF, Patientenleitlinie, Behandlung von Angststörungen, https://register.awmf.org/assets/guidelines/051-028p_S3_Behandlung-von-Angststoerungen_2022-07.pdf, Stand 20.06.2022, Abruf: 29.05.206
4.Neurologen und Psychiater im Netz, Angststörungen - Therapie bzw. Behandlung, https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/angsterkrankungen/therapie/, Abruf: 29.05.2026
5.Therapie.de, Der Angst den Boden nehmen, https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/angst/therapie/, Abruf: 29.05.2026
6.Neurologen und Psychiater im Netz, Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung, https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/therapie/entspannungsverfahren/progressive-muskelentspannung/, Abruf: 29.05.2026