Bei Multipler Sklerose können Nerven geschädigt werden, die an der Steuerung der Blase beteiligt sind.1,3 Dadurch können Signale zwischen Gehirn, Rückenmark, Blase und Schließmuskel gestört werden.3 Je nachdem, welche Bereiche betroffen sind, kann es eher zu Problemen beim Speichern oder beim Entleeren von Urin kommen.3 In der Praxis kann sich das zum Beispiel durch sehr plötzlichen Harndrang oder durch eine unvollständige Blasenentleerung mit Restharnbildung zeigen.2
Blasenstörungen sind bei MS häufig. Sie können schon früh auftreten und im Verlauf der Erkrankung zunehmen.1 Wichtig ist: Es gibt unterschiedliche Formen von Blasenproblemen, zum Beispiel Speicherprobleme, Entleerungsprobleme oder eine Kombination aus beidem. Diese Formen werden nicht alle gleich behandelt.3
Bei Speicherproblemen meldet sich die Blase oft zu früh.3 Dann kann es zu plötzlichem, starkem Harndrang, häufigem Wasserlassen, nächtlichem Harndrang oder ungewolltem Urinverlust kommen.3
Bei Entleerungsproblemen kann nach dem Toilettengang Restharn in der Blase bleiben.2,3 Mögliche Zeichen sind ein schwacher oder unterbrochener Harnstrahl, verzögertes Wasserlassen oder das Gefühl, dass die Blase nicht vollständig leer ist.3 Manche Menschen haben eine Kombination aus Speicher- und Entleerungsproblemen: Sie müssen schnell zur Toilette, können die Blase aber trotzdem nicht gut entleeren.3
Bleibt Restharn zurück, können Harnwegsinfekte begünstigt werden.2 Auch Schmerzen beim Wasserlassen, ungewöhnlich riechender Urin oder rötlich beziehungsweise bräunlich verfärbter Urin sollten ärztlich abgeklärt werden.3 Blasenbeschwerden können außerdem die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.1
Auch wenn Blasenprobleme unangenehm sind: Sprechen Sie sie frühzeitig an. Eine Abklärung hilft, die Art der Blasenstörung zu erkennen und die passende Behandlung zu finden.1,3 Denn nicht jedes Blasenproblem entsteht automatisch durch MS; auch andere Ursachen wie eine Harnwegsinfektion oder Einflüsse wie Koffein- oder Alkoholkonsum können eine Rolle spielen.3
Hilfreich kann ein Blasentagebuch sein. Darin notieren Sie zum Beispiel, wann Sie zur Toilette gehen, ob Harndrang auftritt, ob Urin verloren geht und was Sie trinken.3 Zusätzlich können Untersuchungen wie ein Urintest oder eine Ultraschalluntersuchung zeigen, ob eine Infektion vorliegt oder wie viel Urin nach dem Wasserlassen in der Blase bleibt.3 Auch eine urologische Abklärung mit Restharnbestimmung oder urodynamischer Untersuchung kann sinnvoll sein.2
Die Behandlung richtet sich nach Ihren Beschwerden.3 Bei häufigem oder sehr starkem Harndrang können Lebensstilmaßnahmen, Blasentraining oder Medikamente helfen.3 Beckenbodentraining als nicht-medikamentöse Maßnahme kann die Kontrolle über die Blasenfunktion unterstützen.1,2,3
Bei Entleerungsproblemen kann in bestimmten Fällen ein Katheter nötig sein, damit sich die Blase ausreichend leert.2,3 Für den Alltag können außerdem Hilfsmittel wie Einlagen oder spezielle Inkontinenzprodukte helfen, mit weniger Einschränkungen zurechtzukommen.1,2
Wichtig ist auch das Trinkverhalten. Aus Angst vor Harndrang zu wenig zu trinken, kann ungünstig sein: Konzentrierter Urin kann die Blase reizen und Infektionen begünstigen.3 Zu viel Flüssigkeit kann Beschwerden aber ebenfalls verstärken. Ziel ist deshalb eine gute Balance.3 Auch Koffein, Alkohol, kohlensäurehaltige Getränke, sehr säurehaltige Säfte oder scharfes Essen können die Blase reizen.3
Welche Maßnahme passt, hängt davon ab, ob eher Speicherprobleme, Entleerungsprobleme oder eine Kombination aus beidem vorliegen.3 Deshalb sollten Medikamente, Katheter, Training oder Hilfsmittel nicht pauschal gewählt, sondern mit dem Behandlungsteam abgebstimmt werden.2,3
Blasenstörungen bei MS sind häufig und behandelbar –Sie müssen damit also nicht allein zurechtkommen. Wenn sich Ihr Wasserlassen verändert, Sie plötzlich starken Harndrang haben, Urin verlieren oder Ihre Blase nicht richtig leer wird, sprechen Sie Ihr Behandlungsteam darauf an. Denn je schneller und genauer die Ursache eingeordnet wird, desto gezielter lassen sich Maßnahmen dafür ergreifen.1,2,3
Text veröffentlicht im Mai 2026
Um die hohe Qualität unserer Inhalte sicher zu stellen, wurde dieser Text von Apothekerinnen und Apothekern geprüft. Die bereitgestellten Inhalte dienen lediglich der Information und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Die Texte sind nicht zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten gedacht.
Referenzen
Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e. V. Blasenfunktionsstörungen nehmen im Verlauf der Erkrankung Multiple Sklerose zu. Veröffentlicht: 08.05.2024. Abgerufen: 28.04.2026.
https://www.dmsg.de/news/detailansicht/blasenfunktionsstoerungen-nehmen-im-verlauf-der-erkrankung-multiple-sklerose-zu-fruehzeitige-erkennung-und-behandlung-empfohlen
Multiple Sklerose Gesellschaft Niederösterreich. Blasenstörung bei Multipler Sklerose. Veröffentlicht: 12.09.2025. Abgerufen: 28.04.2026.
https://ms-gesellschaft.at/news/blasenstrungen-bei-multipler-sklerose-therapiemglichkeiten/
MS Trust. Bladder problems. Last updated: 05.01.2024. Abgerufen: 28.04.2026.
https://mstrust.org.uk/a-z/bladder-problems
Bildhinweise
Titelbild: AdobeStock