Diagnose MS – was nun? Plötzlich ist alles anders

Diagnose MS – was nun? Plötzlich ist alles anders

Und plötzlich ist alles anders….. Lesen Sie hier wie es für unser MS-Autorin und Bloggerin Anna Berkel* nach der Diagnose war, sie berichtet aus Ihrer Erfahrung und gibt wertvolle Tipps.

Ich habe MS. Warum? Warum ich? Was heißt das überhaupt? Was wird aus mir, aus meinem Leben, meinen Plänen? Werde ich meine Ausbildung / mein Studium schaffen? Werde ich eine Arbeit finden und Geld verdienen? Und werde ich allein sein? Ohne Partner? Ohne Freunde? Werde ich für alle anderen doch nur noch ein Klotz am Bein sein?

Wer die Diagnose MS erhält, sieht sich plötzlich mit ganz neuen Gedanken und schrecklichen Ängsten konfrontiert. Eben stand einem die Welt noch offen, und dann bricht einfach alles zusammen.

Ich würde in diesem Beitrag gern schreiben, dass alle Ängste unbegründet sind und sich nichts ändern wird. Für viele, bei denen MS diagnostiziert wird, stimmt das auch. Da bleibt die Diagnose nur ein Wort. Sie erhalten von Anfang an gute Medikamente und haben keinerlei Einschränkungen.

Für andere stimmt es leider nicht. Das Leben verändert sich. Zumindest MEIN Leben hat sich verändert. Ich hatte von einem Tag auf den anderen einen treuen Begleiter, dessen Bedürfnisse ich bei meiner Lebensplanung berücksichtigen musste – ob ich wollte oder nicht.

Ich war am Anfang sehr lange sehr handlungsunfähig, im wahrsten Sinne des Wortes wie gelähmt und immun gegen alle möglichen gut gemeinten Ratschläge.

Ich möchte deshalb auch gar keine Ratschläge geben, sondern nur meine Erfahrungen teilen, die ich gemacht habe, als ich ein paar Sachen geändert habe.

Allen sagen, was los ist: “Ich habe MS”

Das Schwerste war, so zu tun, als wäre nix. Mir fiel es von Anfang an schwerer zu laufen. Mal schnell hinter der Bahn herlaufen, beim Sportkurs in der Uni mitmachen, auf Stehkonzerten rumstehen, im Café die Treppe zur Toilette im Keller runtergehen, ganz zu schweigen von Tennisspielen, Skifahren, Tanzen, von einer Kneipe zur nächsten ziehen, zu Fuß nach Hause gehen, wenn man die letzte Bahn verpasst hat…. all das wurde zur Herausforderung. Die größte Herausforderung war jedoch zu verstecken, dass mir all das schwer fiel. Erst, als ich endlich fast allen in meinem Umfeld gesagt hatte, was los war, hörte dieser Kampf auf. Mit jedem Aussprechen fiel ein Stück der großen Last von mir ab. Endlich musste ich nichts mehr verstecken. Durch das Erzählen bekam die Krankheit eine Realität, die irgendwie positiv war. Ich konnte plötzlich Alternativen finden, um trotz schlapper Beine überall dabei sein zu können.

Rechtzeitig zur Bahn gehen. Nicht beim Kickboxen verzweifeln, sondern zum Yogakurs gehen, wo man alle Übungen mitmachen kann. Beim Stehkonzert vorab klären, ob man sich einen Barhocker von der Theke mit in den Konzertsaal nehmen kann oder einfach Sitzplätze reservieren. Cafés und Restaurants ohne Treppen suchen. Und so weiter. Ich war erstaunt, was alles möglich war. Und ich war gerührt, was meine Freunde, Familie und Kollegen möglich machten.

Aufhören zu vergleichen

Fast genau so schlimm wie das Verstecken war und ist das Vergleichen.

Alle anderen fahren Ski, alle anderen spielen Volleyball im Park, alle anderen gehen aufrecht und stolz die Straße entlang, alle anderen machen Bergwanderungen, alle anderen machen einen Salsa-Kurs. Und alle anderen sind die ganze Zeit glücklich, weil sie das alles ja machen können. Diese Liste kann ich in meinem kleinen Köpfchen unendlich fortsetzen und dabei unzählige Tränen darüber vergießen, dass ich nicht dabei sein kann.

Wenn dann noch der Gedanke dazu kommt, dass ich das früher auch alles konnte und mein Leben früher sowieso viel besser war, ist es meist um mich geschehen.

Bis mir endlich wieder einfällt, dass das alles nur in meinem Kopf passiert.

Alle anderen sind im Zweifel auch nicht glücklicher als ich. Und wenn sie es sind, dann wahrscheinlich nicht, weil sie keine körperliche Einschränkung haben. Jemand sehr Schlaues sagte neulich zu mir: „Nur, weil man nicht im Rolli sitzt, ist das Leben auch nicht einfacher.“ Er hat so recht.

Schlappe Beine oder Müdigkeit, schlechte Augen oder die Angst vor einem neuen Schub sind nur eine Variante. Alle anderen haben andere Probleme. Auch, wenn sie dabei Ski fahren.

Sich Unterstützung holen

Neben der Arbeit an der inneren Einstellung gibt es viele Unterstützungsmöglichkeiten für jede Phase der Erkrankung.

Es gibt Gruppen, in denen man nette Leute treffen kann, die auch MS haben.

Es gibt die Deutsche MS-Gesellschaft mit ihren Landesverbänden. Die bieten Vorträge, Seminare und vieles mehr an.

https://www.dmsg.de

Es gibt tolle Freizeitangebote für Menschen mit kleinen oder großen Besonderheiten, z.B. Klettertreffs.

http://www.dav-koeln.de/cgi-bin/gr1.cgi?hk

Es gibt sozialrechtliche Beratungen, es gibt Rehas, es gibt die Messe Rehacare.

https://www.rehacare.de

Es gibt Reiseangebote, es gibt so viele Bücher über Veränderungen im Leben oder Bücher mit guten Tipps.

https://www.amazon.de/Tauchen-mit-Handicap-Freiheit-Wasser/dp/398140128X

Eins steht fest: Die Diagnose MS ist nicht das Ende!

Anna Berkel* MS Betroffene und Testimonial

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