MS und das Epstein-Barr-Virus

MS und das Epstein-Barr-Virus

Eine Anfang 2022 veröffentlichte Studie untermauert den Zusammenhang zwischen dem Epstein-Barr-Virus, kurz EBV, und der Entstehung von MS.

Epstein-Barr-Virus MS

Das EBV infiziert fast jeden Menschen im Laufe des Lebens. Mehr als 90% der Bevölkerung weltweit sind lebenslang damit infiziert. Die Infektion bleibt in den meisten Fällen ohne Folgen, doch kann das Virus auch schwere Krankheiten auslösen, wie etwa:

  • Krebserkrankungen
  • Pfeiffersches Drüsenfieber (Infektiöse Mononukleose)
  • Chronisches Erschöpfungssyndrom infolge von Mononukleose

Höheres MS-Risiko nach EBV-Infektion

Nach einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus und infektiöser Mononukleose ist das Risiko für eine MS-Erkrankung erhöht. Kinder und Jugendliche erkrankten nach einer solchen Mononukleose signifikant häufiger an MS als andere Heranwachsende.1

Ein internationales Forschungsteam analysierte eine große Datenbank zu US-Militärangestellten. In den über 20 Jahre umfassenden Daten von Millionen von Menschen war das MS-Risiko nach EBV-Infektion 32-mal höher als bei Menschen ohne EBV. Andere Virusinfektionen erhöhten das MS-Risiko aber nicht.2

Epstein-Barr-Virus nicht alleinige Ursache

Eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus könnte womöglich eine Voraussetzung für die Entwicklung von MS sein. Die Erkrankung wird jedoch nicht durch einen Faktor allein ausgelöst. So sind verschiedene weitere Risikofaktoren für MS bekannt:

  • Risikogene
  • Vitamin-D-Mangel
  • Rauchen und Passivrauchen3

Forscher vermuten, dass das Virus eine erbliche Veranlagung für MS während der akuten Infektion aktiviert, also ein Risikogen anschaltet. Es können jedoch auch andere Autoimmunerkrankungen, beispielsweise eine rheumatoide Arthritis, ausgelöst werden.4

Behandlung gegen Viren zur MS-Therapie?

Die akute Infektion mit EBV kann zu längerfristig schwelenden Entzündungsprozessen führen. Dies kann einer Frühform der MS, dem klinisch-isolierten Syndrom, sehr ähnlich sein.5

Ein zur Behandlung der MS-Frühform eingesetztes Medikament wirkt auch bei einer bereits bestehenden MS. Die Behandlung kann Entzündungen im Gehirn senken. Zugleich wird auch die Immunantwort gegen das Epstein-Barr-Virus verändert.6

Forscher vermuten daher inzwischen, dass das Epstein-Barr-Virus nicht nur MS, sondern auch MS-Schübe auslösen könnte. Behandlungen gegen das Virus könnten so vielleicht Entzündungsprozesse und das Fortschreiten der MS aufhalten.7

EBV-Impfung als Schutz vor MS?

Die Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus spielt somit eine wichtige Rolle bei MS. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen, den Ausbruch der MS in Zukunft durch Impfungen gegen EBV verhindern zu können. Ein Impfstoff, der Virus-ähnliche Partikel enthält, wird derzeit in München entwickelt und soll voraussichtlich 2023 klinisch geprüft werden. Womöglich könnte dies Menschen mit erhöhtem Risiko vor einer Multiplen Sklerose schützen.8

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Referenzen:

1. Xu Y, Hiyoshi A, Smith KA, et al. Association of Infectious Mononucleosis in Childhood and Adolescence With Risk for a Subsequent Multiple Sclerosis Diagnosis Among Siblings. JAMA Netw Open. 2021 Oct 1;4(10). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34633426/

2. Bjornevik K, Cortese M, Healy BC, et al. Longitudinal Analysis Reveals High Prevalence of Epstein-Barr Virus Associated with Multiple Sclerosis. Science. 2022 Jan 21;375(6578):296-301. https://www.science.org/doi/10.1126/science.abj8222

3. Apotheken-Umschau. Multiple Sklerose (MS): Ursachen, Symptome, Verlauf, Behandlung. https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/neurologische-erkrankungen/multiple-sklerose-ms-ursachen-symptome-verlauf-behandlung-735343.html Abgerufen am 19.05.2022

4. Harley JB, Chen X, Pujato M, et al. Transcription Factors Operate Across Disease Loci, with EBNA2 Implicated in Autoimmunity. Nat Genet. 2018 May;50(5):699-707.https://doi.org/10.1038/s41588-018-0102-3

5. Jons, Daniel, Henrik Zetterberg, Clas Malmeström, et al. Intrathecal Immunoreactivity in People with or without Previous Infectious Mononucleosis. Acta Neurologica Scandinavica 142, no. 2 (August 10, 2020): 161–68. https://doi.org/10.1111/ane.13280

6. Zivadinov R, Ramanathan M, Hagemeier J, et al. Teriflunomide’s effect on humoral response to Epstein-Barr virus and development of cortical gray matter pathology in multiple sclerosis. Mult Scler Relat Disord. 2019;36:101388.https://doi.org/10.1016/j.msard.2019.101388

7. Arneth B., Up-to-Date Knowledge About the Association Between Multiple Sclerosis and the Reactivation of Human Endogenous Retrovirus Infections. J Neurol. 2018 Aug;265(8):1733-173.https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00415-018-8783-1

8. Deutsches Zentrum für Infektionsforschung. Epstein-Barr-Virus: DZIF und Helmholtz Munich entwickeln einen Impfstoff.https://www.dzif.de/de/epstein-barr-virus-dzif-und-helmholtz-munich-entwickeln-einen-impfstoff Abgerufen am 19.05.2022

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