Multiple Sklerose (MS) geht unter anderem oft mit erhöhten Cholesterinwerten, Bluthochdruck, Übergewicht, Typ-2-Diabetes-mellitus, Depressionen, Krebs und dauerhafter Erschöpfung (Fatigue) einher.1 Menschen mit MS haben deswegen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (kardiovaskuläre Erkrankungen), darunter Herzinfarkt und Schlaganfall.2 Was beeinträchtigt das Herz-Kreislauf-System?Für alle Menschen ist es wichtig, ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen so niedrig wie möglich zu halten. Doch bei MS-Betroffenen können kardiovaskuläre Erkrankungen zusätzlich Symptome verstärken und das Fortschreiten der MS begünstigen.3 Zu wichtigen kardiovaskulären Risikofaktoren zählen:4,5,6
Aktiv mit MSDem kardiovaskulären Risiko lässt sich beispielsweise durch einen Rauchstopp, eine Ernährungsumstellung oder Entspannungsübungen entgegenwirken. Bewegung beeinflusst dabei gleich mehrere dieser Risikofaktoren und verringert außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass MS-Betroffene eine weitere Behinderung entwickeln.1 Viele Menschen mit MS vermeiden jedoch Anstrengungen wie Sport – entweder aufgrund ihrer Symptome oder der Angst, dass Anstrengung diese verstärken könnte.1 Aber sportliche Betätigung ist auch für Menschen mit MS gesund – vorausgesetzt, sie ist an deren individuelle Anforderungen angepasst. Sport löst keine MS-Schübe aus, und mit dem richtigen Training können manche Menschen mit MS sogar ihre Fatigue reduzieren.7,8 Dabei besteht ein Unterschied zwischen Sport und aktivem Lebensstil. Langes Sitzen zu vermeiden und die tägliche Schrittzahl zu erhöhen, kann bereits einen positiven Effekt haben, ohne dass es sich dabei um Leistungssport handelt. Wichtig ist es, sich regelmäßig zu bewegen, unabhängig davon, welche Art von Bewegung der eigene Körper leisten kann.4 Generell gelten zwar die Empfehlungen der WHO, je nach Beeinträchtigung lassen sich diese jedoch anpassen. Nutzt man die Expanded Disability Status Scale (EDSS), empfehlen Fachleute bei einer EDSS von 0 bis 6,5 zum Beispiel 2–3-mal pro Woche
Das Krafttraining soll sowohl die Muskelkraft als auch die Balance erhalten und Alltagsaufgaben erleichtern. Bewegung bei stärkeren EinschränkungenAb einer EDSS von 7 empfehlen Fachgesellschaften, täglich bis zu 20 Minuten am Stück zu trainieren oder ein Intervalltraining mit 6x3 Minuten Belastung zu absolvieren. Ein zusätzliches Training für Atmung und Beweglichkeit ist ebenfalls Teil dieser Empfehlungen.4 Dabei handelt es sich immer um Richtlinien. Wer nur kurze Einheiten schafft, gönnt sich mehr Pausen. Generell sollte niemand über die eigenen Grenzen gehen, sondern sich realistische Ziele setzen und auf das eigene Gefühl hören. Da Menschen mit MS schneller ermüden können als andere, ist es notwendig, vorauszuplanen. Dazu zählt, sicherzustellen, dass das Training jederzeit unterbrochen werden kann, falls Symptome wie Lähmungen, Spastik oder Sehverschlechterungen auftreten. Außerdem ist angemessene Kleidung und Trainieren in einer kühlen Umgebung wichtig. Kalte Duschen oder Spezialkleidung wie Kühlwesten sind ebenfalls hilfreich.9 Was sollte ich beim Training mit MS beachten?Welche Sportart sich eignet, hängt schlicht von den eigenen Vorlieben und Einschränkungen ab. Wer bereits Sport treibt und keine Symptome hat, kann das bisherige Training fortsetzen. Während eines akuten Schubs, insbesondere während einer Kortison-Einnahme, ist es aber ratsam, die Aktivität zu verringern. Wann sich nach einem Schub das Training regulär fortsetzen lässt, sollten Betroffene ärztlich abklären. An Tagen mit weniger Energie oder mehr Beschwerden kann der Fokus zum Beispiel auf Beweglichkeit und Entspannung liegen. Vorausplanen ist auch in dieser Hinsicht wichtig. Wer beispielsweise nachmittags meist erschöpft ist, für den lohnt es sich, ein Training möglichst früh am Tag einzuplanen.9 An regelmäßige Vorsorge denkenSportlich unerfahrene und Menschen mit bestehenden Vorerkrankungen sollten zunächst medizinisch abklären lassen, wie leistungsfähig der eigene Körper ist und welche Sportarten sich gut für sie eignen.9 Hierbei spielen auch eingenommene Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel eine Rolle.10 Im Rahmen der Kontrolluntersuchungen erfragt die Ärztin oder der Arzt regelmäßig die MS-Symptome. Für die Herzgesundheit ist es von Bedeutung, bei Checkup-Untersuchungen die Risikofaktoren im Blick zu haben, also den Blutdruck sowie Blutzucker und Lipidwerte zu messen.4,11Treten neue Symptome auf oder verschlechtern sie sich auffällig, sollten Menschen mit MS unabhängig von Kontrolluntersuchungen ärztlichen Rat suchen.12 Dies gilt auch bei Anzeichen für eine mögliche Herzerkrankung, darunter:12
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Artikel veröffentlicht im September 2026.
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Referenzen
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4. AWMF S2k-Leitlinie Diagnose und Therapie der MS, NMOSD und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen. https://www.dgn.org/cms-content/030050_Living_Guideline_MS_V9_2026_1777557729023.pdf Stand: 2024. Abruf: 05.08.2026
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7. Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft. Sport und Bewegung. https://www.multiplesklerose.ch/PDF/de/Infoblaetter/05_Freizeit_und_Mobilitaet/MS-Info_Sport_und_Bewegung.pdf Stand: Februar 2026. Abruf: 05.08.2026
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9. Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V. Sport und Bewegung sind gut für Körper und Seele – das gilt auch für Menschen mit Multiple Sklerose. https://www.dmsg.de/multiple-sklerose/ms-und-sport Abruf: 05.08.2026
10. Multiple Sklerose Forschungsförderung e. V. Nahrungs- und Ergänzungsmittel. https://www.ms-ev.de/multiple-sklerose/behandlung/alternative-behandlungsansaetze/nahrungs-/-und-ergaenzungsmittel/index.html Abruf: 05.08.2026
11. Mark M et Duff E. Primary Care Management of Hypertension in Patients With Multiple Sclerosis. JNP. 2023;19(7):104652.
12. Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V. Häufig gestellte Fragen (FAQ). https://www.dmsg.de/multiple-sklerose/haeufige-fragen-faq
13. Voigtländer T. Herz in Gefahr? So erkennen Sie erste Anzeichen einer Erkrankung. Deutsche Herzstiftung. https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/diabetes Abruf: 05.08.2026
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