Keine Psoriasis-Therapie kommt ohne einen Blick in die Zukunft aus. Dabei ergeben sich kritische Fragen, die berechtigt und nachvollziehbar sind. Die größte von ihnen ist oft: Was kann meine Therapie leisten und wie schnell stellt sich Besserung ein?
Diese Fragen sind durchaus berechtigt und auch wichtig. Denn so (und nur so) bekommen Sie ein realistisches Bild davon, was Sie erwarten können und warum eine Behandlung ihre Zeit braucht, diese Zeit es aber auch wert ist.
Die Basis für die Therapieaussichten schafft die Bestimmung des Schweregrades Ihrer Psoriasis. Dabei wird Ihnen der Begriff PASI begegnen. Er steht für „Psoriasis Area and Severity“. Das ist ein Index, der hilft, die Ausdehnung (Area) und Ausprägung (Severity) Ihrer Schuppenflechte einzustufen,1 die Skala geht von 0 bis 72 Punkte. Durch Verrechnung beider Aspekte miteinander ergibt sich ein PASI Punktewert:2
< 10 Punkte: leichte Schuppenflechte
10–20 Punkte: mittelschwere/schwere Schuppenflechte
20 Punkte: sehr schwere Schuppenflechte
Hilfreich ist der PASI-Index auch dafür, neben dem Schweregrad den Behandlungserfolg nachzuvollziehen. Ein Rückgang der Hautveränderung um 75 % wird als PASI-75-Ansprechen auf die entsprechende Therapie gewertet, eine vollkommen symptomfreie Haut als PASI-100-Ansprechen (also einem Rückgang der Symptome um 100 %).
Warum ist das alles für Sie wichtig? Weil Sie dadurch verstehen, wie Behandlungsziele festgelegt werden und besser mit Ihrem Arzt darüber reden können.
Grundsätzlich ist das optimale Behandlungsziel ein PASI-100-Ansprechen: Ihre Haut soll erscheinungsfrei sein.3 Da dieser Idealfall aber nicht immer erreichbar ist, werden Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ganz individuelle Ziele festlegen. Realistisch sind dabei folgende Ansprechraten:
Minimal PASI-75-Ansprechen bis zum Ende einer der ersten hochdosierten Medikamententherapien (Induktionstherapie)
Oft PASI-90-Ansprechen, was bei der Mehrheit der Patienten durch neue Antikörpertherapien möglich ist.3
Haut ist nicht alles. Zum Ziel jeder Behandlung muss auch gehören, das Leben trotz und mit Psoriasis so normal wie möglich zu führen: ohne Einschränkungen im Arbeits- und Familienalltag, Sozialleben und allgemeinen Wohlgefühl.4 Es geht also nicht allein um Schuppen oder Rötungen, sondern um das große Drumherum: die Effekte der Therapie auf Ihre Lebensqualität. Gemessen wird diese z.B. durch den Dermatologischen Lebensqualitäts-Index (DLQI), der die Anwendung objektiver Tests wie PASI ergänzt.4
Wie gut eine Behandlung Ihre Haut und Ihre Lebensqualität beeinflusst, ist erst nach einiger Zeit zu beurteilen. Schnell geht bei Psoriasis nichts. Haben Sie also Geduld und warten Sie die Zeit ab, die bis zum Einsetzen einer Wirkung vergehen muss. Über wieviel Zeit reden wir hier?
Je nach Art der Behandlung werden Therapieziele durch Untersuchungen und Indextests wie den DLQI überprüft:3
nach 10–12 Wochen bei schnell wirkenden Medikamenten
nach 16–24 Wochen bei Medikamenten mit langsam einsetzender Wirkung
alle 8–12 Wochen als genereller Prüfintervall des Therapiefortschritts
Diese Zeitrahmen sind durch offizielle Leitlinien vorgegeben. Ihr Behandlungsteam wird sich danach richten. Haben Sie also Geduld. Es lohnt sich!
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird mit Ihnen wahrscheinlich verschiedene Behandlungsmethoden ausprobieren müssen, bis die für Sie wirksamste und verträglichste Therapie gefunden ist. Das kann sich durchaus nach „Versuch und Irrtum“ anfühlen. Viele Menschen mit Psoriasis verlieren in diesen Fällen die Geduld und wechseln den Arzt, bevor Behandlungserfolge tatsächlich beurteilt werden können.5 Oder schlimmer noch: Sie setzen Medikamente eigenständig ab, weil sie unzufrieden sind.
Tun Sie bitte weder das eine noch das andere. Unzufriedenheit und Frustration sind verständlich – es gibt aber bessere Wege, sie zu meistern:
1.Üben Sie sich in Geduld. Auch wenn Sie möglicherweise ungeduldig werden, wenn sich die gewünschten Ergebnisse nicht so schnell wie sie es gerne hätten, können Sie das Gefühl einordnen und souveräner reagieren.
2. Schätzen Sie den Wirkungseintritt der Therapie realistisch ein. Informieren Sie sich, wie schnell Sie eine Besserung erwarten können. So können Sie besser einschätzen, ob es Zeit zum Handeln ist – oder Zeit zum Warten.
3. Halten Sie sich konsequent an Ihren Behandlungsplan. Er ist die beste Chance, Auslöser von Schüben zu verhindern. Der Lohn: Sie behalten die Kontrolle über eine Krankheit, die Ihnen ihre Unvorhersehbarkeit nicht mehr aufzwingen kann.
4. Nehmen Sie Ihre Medikamente. Es ist so einfach, wie es klingt: Nur was Sie nehmen, kann auch wirken. Tipp: Nutzen Sie die App MyTherapy, um sich erinnern zu lassen.
5. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam. Ihre Rückmeldung ist einer der wichtigsten Bausteine des Therapieerfolgs. Sagen Sie, was Sie stört und was Sie sich wünschen – dann kann die Therapie entsprechend angepasst werden.
Tipp: Unter Service können Sie in der MyTherapy-App Ihren nächsten Termin bei Ihrem Dermatologen eingeben und Gesprächsthemen notieren.
Text erstellt im Dezember 2023, aktualisiert und veröffentlicht im April 2026
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Referenzen
1. Medical News Today: What to know about the PASI score. https://www.medicalnewstoday.com/articles/pasi-score Stand: 07.06.2021. Abgerufen: 04.12.2023
2. von Kiedrowski R, Dirschka T, Krähn-Senftleben G et al. Aktualisierter praxisnaher Behandlungsleitpfad. Onkoderm. https://www.onkoderm.de/wp-content/uploads/sites/109/2019/09/onkoderm_Behandlungspfad_Psoriasis_2019_E3.pdf . Bearbeitungsstand: 30.09.19. Abgerufen am: 04.12.2023
3. Nast A et al. Deutsche S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris, adaptiert von EuroGuiDerm – Teil 1: Therapieziele und Therapieempfehlungen. Veröffentlicht: 2021. Abgerufen: 04.12.2023
4. Strober B E, van der Walt J M, Armstrong A W et al. Clinical Goals and Barriers to Effective Psoriasis Care, Dermatol Ther (Heidelb) 2019;9:5–18. doi: 10.1007/s13555-018-0279-5 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30578464/ Veröffentlicht: März 2019. Abgerufen: 04.12.2023
5. EADV Psoriasis Task Force. Information Leaflet for Patients: Chronic disease, chronic frustration. European Academy of Dermatology and Venereology https://eadv.org/wp-content/uploads/2023/04/EADV-PSORIASIS-3-Chronic-disease-chronic-frustrations.pdf. Veröffentlicht: 2019. Abgerufen am: 04.12.2023
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