So hängen Psoriasis und Psyche zusammen


Psoriasis beeinflusst nicht nur das Hautbild, auch die Psyche kann darunter leiden. So fühlen sich Menschen mit Psoriasis häufig von anderen stigmatisiert und ausgegrenzt. Die Folge: Aus Scham und Angst vor Ablehnung ziehen sie sich zurück und isolieren sich immer mehr von der Außenwelt.1
Scham – vor allem über das eigene Erscheinungsbild - ist bei Menschen mit Hauterkrankungen stärker ausgeprägt als bei Menschen ohne Hauterkrankungen.2 Sie versuchen, die Haut oder die betroffenen Stellen mit Kleidung zu verdecken, vermeiden Schwimmbadbesuche oder andere soziale Situationen, in denen vermeintlich viel Haut gezeigt wird. So ist es nicht verwunderlich, dass es auch zu Problemen in intimen Beziehungen und der Sexualität kommen kann.3
Schamgefühle können so weit gehen, dass sich manche Menschen mit Hauterkrankungen nicht einmal mehr im Spiegel anschauen oder ihre eigene Haut berühren wollen.3
Scham schränkt ein und führt dazu, dass man sich selbst herabsetzt und minderwertig fühlt. Es kommt zu Rückzug und Selbstisolation. Daraus können sich Depressionen und Angststörungen entwickeln.2,6
Ein Teufelskreis aus Rückzug, Ängsten und Depression kann entstehen.2 Hinzu kommt, dass Haut und Psyche eng zusammenhängen und negative Emotionen, wie Scham und Ängste die Symptomatik verschiedener Hauterkrankungen aufrechterhalten oder sogar verstärken können.2
Für Jugendliche und junge Erwachsene ist Psoriasis häufig eine besondere Herausforderung. In dieser Lebensphase setzt man sich besonders intensiv mit seinem Körper auseinander, das äußere Erscheinungsbild gewinnt immer mehr an Bedeutung. Man möchte dazu gehören, Freunde finden, erste sexuelle Erfahrungen machen. Sich in dieser Phase selbst anzunehmen, ist schon für Jugendliche ohne Hauterkrankungen nicht einfach. Psoriasis kann in dieser Lebensphase starke mentale Belastungen hervorrufen.4
Psoriasis lässt sich gut mit verschiedenen Medikamenten behandeln. Doch wenn die Psyche leidet, reicht das oftmals nicht aus. So zeigte sich in einer Studie, dass die Mehrheit der Patientinnen und Patienten mit ihrem Hautbild subjektiv nicht zufrieden war, auch wenn es in den Augen der behandelnden Dermatologinnen und Dermatologen objektiv zu einer Verbesserung gekommen ist. Vor allem, wer gleichzeitig Depressionen oder eine Angststörung hatte, war mit dem Ergebnis der medikamentösen Therapie nicht zufrieden.5
Wenn Sie sich durch Psoriasis psychisch stark beeinträchtig fühlen, zögern Sie nicht, Ihren behandelnden Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin darauf anzusprechen.
Sie können im Vorfeld und als Vorbereitung auf das Gespräch den Fragebogen zur „Dermatologischen-Lebensqualität (DLQI)“ ausfüllen. Dieser Fragebogen zeigt an, wie sehr Ihre Hauterkrankung Ihr Leben in den vergangenen 7 Tagen beeinflusst hat. Den DLQI finden Sie unter anderem auf der Internetseite des Deutschen Psoriasis Bundes.
Tipp: Auch die MyTherapy-App hilft Ihnen bei der Vorbereitung auf das Gespräch und während der Therapie. Mit der Symptomabfrage bei MyTherapy können Sie Psoriasis-Symptome und gleichzeitig auch Ihr seelisches Wohlbefinden dokumentieren. Einfach unter „Therapie“ die „Symptomabfrage“ hinzufügen. Diese Dokumentation können Sie als PDF ausdrucken und zu Ihrem nächsten Arzttermin mitnehmen.
Um bei Hauterkrankungen das seelische Wohlbefinden wieder herzustellen, kann eine Psychotherapie hilfreich sein. Bei atopischen Ekzemen und Psoriasis vulgaris hat sich gezeigt, dass eine Kombination aus medikamentöser Therapie und psychosozialen Interventionen nicht nur das Hautbild verbessert sondern auch die psychischen Beschwerden lindert.2
Vor allem Therapien zur Stressreduktion und zum Aufbau von Selbstmitgefühl sind gut geeignet, z.B.:2
kognitive Verhaltenstherapie
psychodynamische Therapien
Entspannungstherapien wie autogenes Training
Kunsttherapie
Atemtherapie
Hypnotherapie
systemische Therapie
Biofeedback
MBSR (achtsamkeitsbasierte Therapie)
Bei Kindern und Jugendlichen helfen Kinder- und Jugendpsychologen.7
Psoriasis gehört leider immer noch zu den Erkrankungen, über die man nicht spricht. Das gilt besonders für das psychische Leid, das damit einhergeht.
Damit Behandelnde auch die Psyche ihrer Patienten im Blick haben und Menschen mit Psoriasis noch stärker auf ihr seelische Wohlbefinden achten, steht beim Welt-Psoriasis-Tag am 29. Oktober 2026 diesmal das Thema „Psoriasis und Psyche“ im Vordergrund.
Auch der Deutsche Psoriasis Bund hat an diesem Tag eine Veranstaltung in Leipzig geplant. Wer nicht vor Ort dabei sein kann, kann sich über einen Livestream online zuschalten. Weitere Infos zur Veranstaltung gibt es auf der Internetseite des Deutschen Psoriasis Bundes.
Artikel veröffentlicht im Juni 2026
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Referenzen
1. Deutscher Psoriasis Bund e.V. Was ist Psoriasis? https://www.psoriasisbund.de/wissen/psoriasis/ Stand: Oktober 2022, Abgerufen: 06.10.2022
2. Fink-Lamotte J, Stierle C. Scham und Stigmatisierung bei Hauterkrankungen. hautnah dermatologie, Ausgabe 2/2022. https://www.springermedizin.de/haut-und-psyche/psychische-stoerungen-bei-somatischen-erkrankungen/scham-und-stigmatisierung-bei-hauterkrankungen/20243782 Stand: 22.03.2022. Abgerufen: 06.10.2022
3. Ärztezeitung. Hauterkrankungen: So lassen sich Scham und Stigmatisierung bewältigen. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Hauterkrankungen-So-lassen-sich-Scham-und-Stigmatisierung-bewaeltigen-433025.html Stand: 05.10.2022. Abgerufen: 06.10.2022
4. Deutscher Psoriasis Bund e.V. Psoriasis bei jungen Menschen. https://www.psoriasisbund.de/wissen/psoriasis-bei-jungen-menschen/
5. Carr E, Mahil SK, Brailean A, et al. Association of Patient Mental Health Status With the Level of Agreement Between Patient and Physician Ratings of Psoriasis Severity. JAMA Dermatol.2021;157(4):413-420 https://jamanetwork.com/journals/jamadermatology/article-abstract/2777011 Stand: 03.03.2021. Abgerufen: 06.10.022
6. S3-Leitlinie: Therapie der Psoriasis vulgaris. VS 7.2. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-001l_S3_Therapie-Psoriasis-vulgaris_2021-07-verlaengert.pdf Stand: 19.02.2021. Abgerufen: 06.10.2022
7. S2k-Leitlinie: Therapie der Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen. VS 2.1 https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-094l_S2k_Therapie-der-Psoriasis-bei-Kindern-und-Jugendlichen_2022-04.pdf Stand: 01.01.2022. Abgerufen: 06.10.2022
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