Funktionstraining – Aktiv gegen Rheumaschmerz


Schmerzen, vor allem chronische, können unerbittlich sein. Dazu zählen auch Rheumaschmerzen. Sie beeinträchtigen den Alltag und die Psyche. Daher wurde der bundesweite Aktionstag gegen den Schmerz ins Leben gerufen. Jedes Jahr am ersten Dienstag im Juni gibt es bundesweit Aktionen, um Schmerzpatientinnen und -patienten und ihre Angehörigen zu informieren und Behandlungsmöglichkeiten vorzustellen. Dieses Jahr fand der 12. Aktionstag gegen den Schmerz am 6. Juni 2023 statt. Interessierte können sich bei Schmerzspezialisten aus ganz Deutschland ausführlich über aktuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten informieren. Vor allem für Menschen mit Rheuma spielt eine gute Schmerztherapie eine wichtige Rolle. Daher wurde ein spezielles Training für Menschen mit Rheuma entwickelt: das Funktionstraining.
Ein wichtiges Ziel des Funktionstrainings ist es, die Mobilität von Menschen mit Rheuma zu erhalten. Das Therapiekonzept verfolgt zudem die Absicht, das Selbstbewusstsein zu stärken und Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Dabei ist das Training in der Gruppe eine wichtige Säule, denn es fördert auch den hilfreichen und motivierenden Austausch untereinander.1
Funktionstraining wird krankheitsspezifisch und alltagsbezogen durchgeführt. Es soll helfen, Schmerzen zu reduzieren, Beweglichkeit zurückzugewinnen und wieder mehr Lebensqualität zu genießen.2 Es behandelt gezielt und schonend bestimmte Körperpartien, etwa Gelenke, Muskeln und organische Erkrankungen. Die Übungen werden stets in der Gruppe entweder als Trocken- oder Wassergymnastik durchgeführt.2,3
Funktionstraining sollte nicht mit Rehasport verwechselt werden: Bei Rehasport steht die sportliche Betätigung im Vordergrund. Rehasport zielt mehr auf Kraft, Ausdauer oder Koordination durch klassischen Sport ab. Beim Funktionstraining werden hingegen Mittel aus der Krankengymnastik und der Ergotherapie angewendet.
Die wesentlichen Unterschiede von Funktionstraining zum Rehasport sind:
Es werden gezielt betroffene Körperfunktionen bzw. Körperstrukturen behandelt
Das Training wird von lizensierten Ergo- und Physiotherapeutinnen und -therapeuten oder Krankengymnastik-Lehrkräften geleitet
Funktionstraining dauert in der Regel 15 Minuten bei der Wasser- und 30 Minuten bei der Trockengymnastik
Eine ärztliche Verordnung für Funktionstraining gilt 12 bzw. 24 Monate
Es gibt unterschiedliche Dachverbände und Organisationen, die diese Art Training anbieten, z.B. die Deutsche Rheuma-Liga oder die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew.1,3
Für viele Menschen mit rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen ist Funktionstraining besser geeignet als Rehasport. Für die folgenden entzündlichen und degenerativen Erkrankungen wurde diese spezielle Bewegungstherapie entwickelt:
Rheumatoide Arthritis
Morbus Bechterew
Psoriasis-Arthritis
Gichtarthritis
Entzündungen der Blutgefäße (Vaskulitiden)
Kollagenosen (z.B. systemischer Lupus erythematodes)
Arthrosen
chronische nichtspezifische Rückenschmerzen
Fibromyalgie
Osteoporose
Das Funktionstraining richtet sich gezielt auf die betroffenen Körperregionen. Dabei soll es Bewegungseinschränkungen lindern und Verschlechterungen vorbeugen. Die Übungen tragen zu einer Verbesserung des Bewegungsapparates bei und sollen die Mobilität steigern.2,4
Liegt eine entsprechende Diagnose vor, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für das Funktionstraining. Interessierte benötigen eine ärztliche Verordnung (Antragsformular KV 56). Diese können alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ausstellen. Funktionstraining ist kein Heilmittel und kann ohne besondere Vorschriften verordnet werden.2
Wer eine Verordnung erhalten hat, kann sich z.B. über die jeweiligen Landes- und Mitgliedsverbände sowie Geschäftsstellen der Deutschen Rheuma-Liga oder bei örtlichen Gruppen der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew nach regionalen Angeboten erkundigen.5 Mehr Infos unter: www.rheuma-liga.de und www.bechterew.de
Funktionstraining findet in der Regel einmal wöchentlich statt. Da die Kurse fortlaufend sind, ist ein Einstieg jederzeit möglich.2
Anbieter müssen einige Voraussetzungen erfüllen, um Funktionstraining anbieten zu können:1
Maximale Gruppengröße 15 Personen
Die Mindestdauer einer Therapieeinheit beträgt im Wasser: 15 Minuten, bei der Trockengymnastik: 30 Minuten
Das Gruppentraining muss von einer lizensierten Übungsleitung begleitet werden
Es muss eine Unfallversicherung seitens der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestehen
Ob Gymnastik im Becken oder in der Turnhalle, beide Therapieformen verfolgen dieselben Ziele: Geschwächte Muskulatur soll gekräftigt, verkürzte Muskeln und Bänder gedehnt werden. Schonend und ganz nach den individuellen Möglichkeiten. Neben dem Training der Beweglichkeit, Kraft und Koordination liegt der Fokus auf Schmerzlinderung und -bewältigung, Entspannung, Stressbewältigung und Stimmungsverbesserung. Es wird zudem vermittelt, wie die Übungen gesundheitsförderlich ausgeführt werden.2
Vielen Menschen mit Rheuma fällt das Üben im Wasser leichter. Bei der Wassergymnastik kommen ergänzende Hilfsmittel wie Wasserbretter, kleine Hanteln oder Schwimmnudeln zum Einsatz. Genau wie „auf dem Trockenen“ sollen Hilfe zur Selbsthilfe, die Entwicklung einer positiven Gruppendynamik und die Vorbeugung gegen körperliche Beschwerden unterstützt werden.1
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Referenzen
1. Rehasport. Funktionstraining Informationen. Funktionstraining erklärt: Ziele und Unterschiede zu Rehasport. https://rehasport-informationen.de/funktionstraining/ Stand: 20.02.2021, Abgerufen: 05.05.2023
2. Deutsche Rheumaliga: Aktiv zu mehr Lebensqualität. https://www.rheuma-liga.de/angebote/funktionstraining/ Stand 2023, Abgerufen: 05.05.2023
3. Die Techniker: Was unterscheidet den Rehasport von Funktionstraining? https://www.tk.de/techniker/leistungen-und-mitgliedschaft/informationen-versicherte/leistungen/weitere-leistungen/reha-massnahmen-und-vorsorge-kuren/reha-sport-und-funktionstraining/unterschied-rehasport-funktionstraining-2002226?tkcm=aaus Stand: 2023, Abgerufen: 05.05.2023
4. Barmer: Gesundheit verstehen. Bewegung und Fitness: Wann sind Rehasport und Funktionstraining sinnvoll? https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/sport/bewegung-und-fitness/rehasport-und-funktionstraining-1055908 Stand: 2023, Abgerufen: 05.05.2023
5. Deutsche Rheuma-Liga: Verordnung von Funktionstraining. https://www.rheuma-liga.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Mediencenter/Publikationen/Informationen/C27_Funktionstraining_%C3%84rzteinfo.pdf 6. Auflage, Abgerufen: 05.05.2023
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