Der systemische Lupus erythematodes


Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist sehr komplex: Die Ursachen sind ungeklärt, die Krankheitserscheinungen und Symptome äußerst vielfältig, die Diagnostik oft aufwändig. Um über die schwere Erkrankung mit zumeist chronischem Verlauf aufzuklären, wurde 2004 in New York der Welt-Lupus-Tag ins Leben gerufen. Er findet jedes Jahr am 10. Mai statt.
Von mild bis unberechenbar: Der SLE kann individuell sehr unterschiedlich verlaufen. Als sogenannte systemische Erkrankung kann er sich auf den gesamten Körper auswirken und verschiedene Organe und Gelenke befallen. Dabei verändert sich das Immunsystem und bildet Abwehrstoffe gegen den eigenen Körper. Diese Autoantikörper führen zu einer Entzündung und schädigen die kleinen Blutgefäße und das Bindegewebe.1
Die Bezeichnung „Lupus erythematodes“ setzt sich aus dem lateinischen Lupus (Wolf) und dem altgriechischen erythema (Röte, Entzündung) zusammen. Der Name bezieht sich auf die Hautschädigungen des SLE, etwa die Rötungen oder Narben. Diese wurden früher mit den Narben verglichen, die nach Wolfsbissen zurückblieben. Auch die Assoziation, dass die Hautausschläge und Narben, das Fleisch aufzufressen scheinen, „wie ein Wolf es tun würden“ war früher verbreitet.3
Beides sind recht antiquierte Vorstellungen. Dennoch ist der Name geblieben. Das Symbol des SLE ist jedoch ein Schmetterling, da es bei einem Drittel aller Menschen mit SLE zu einem charakteristischen schmetterlingsförmigen rötlichen Gesichtsausschlag kommt.
Unterschieden werden zwei Hauptformen: der kutane Lupus erythematodes beschränkt sich auf die Haut, der systemische Lupus erythematodes kann sämtliche Organe befallen. Doch zum Glück ist die Erkrankung in den meisten Fällen therapeutisch gut in den Griff zu bekommen.2,4
Die ersten Anzeichen sind oft nicht eindeutig. Menschen mit einem aktiven SLE fühlen sich fast immer krank, müde, lustlos, abgeschlagen. Sie sind nicht mehr so leistungsfähig wie gewohnt. Weitere häufige Allgemeinsymptome sind leichtes Fieber, ein unerklärlicher Gewichtsverlust, Schwellung der Lymphdrüsen, leichter Haarausfall oder Frösteln.4,5
Die Ursache der Erkrankung ist nicht geklärt. Allerdings dürfte das zweite X-Chromosom, Einfluss nehmen. 90 Prozent der Menschen mit einem SLE sind Frauen. Am häufigsten sind 20- bis 40-Jährige betroffen, was für einen gewissen Hormoneinfluss spricht.6
So individuell der Mensch ist, so vielfältig kann sich auch die Erkrankung zeigen. Menschen mit SLE können verschiedene Kombinationen von Symptomen und Organbeteiligungen entwickeln. Neben den erwähnten Allgemeinsymptomen sind das:6,7
schmetterlingsförmige Rötungen auf Wangen und Nasenrücken
Sonnenempfindlichkeit der Haut
Wunden im Bereich der Mund- und Nasenschleimhäute
Durchblutungsstörungen an Fingern und Zehen bei Kälte
Gefäßentzündungen, Gefäßverschlüsse, Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
Blutbildveränderungen und Störung der Blutgerinnung
Nierenentzündung, Rippenfellentzündung, Herzbeutelentzündung
Gelenkschmerzen, Gelenkschwellungen
Manchmal kann das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen sein. Es können epileptische Anfälle, migräneartige Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und/oder psychische Veränderungen wie Depression und Psychosen auftreten.8
Der genaue Grund für die Autoimmunerkrankung ist noch unbekannt. Es gibt äußere Faktoren, die in Verbindung mit der Entstehung oder Verschlechterung des SLE gebracht werden. Das können Viruserkrankungen, Umwelteinflüsse (insbesondere UV-Bestrahlung) sowie hormonelle Umstellungen (Pubertät, Schwangerschaft, Einnahme der Antibabypille) sein. Zudem könnten verschiedene Medikamente als Trigger (Auslöser) verantwortlich sein.7
Da Menschen mit SLE an zahlreichen Symptomen und verschiedenen Kombinationen von Organbeteiligungen leiden können, gibt es nicht eine einzelne Untersuchung oder einen einzelnen Test. Neben der Begutachtung der Haut und einer mikroskopischen Untersuchung einer Hautprobe, ist auch die Labordiagnostik der Blut- und Urinwerte wichtig. Besteht ein Verdacht auf Organbefall, kommen bildgebende Verfahren zur Anwendung wie EKG, Röntgen, CT, MRT oder Ultraschall.3,6
Es besteht derzeit noch keine dauerhafte Heilungsmöglichkeit des SLE. Das Ziel der Behandlung ist es, die Krankheitsaktivität und Symptome zu lindern. Organentzündungen sollen gestoppt und Krankheitsschübe verhindert werden. Eine Therapie erfolgt innerlich. Das kann ein einzelnes Präparat oder eine Kombination verschiedener Medikamente sein. Nicht immer muss eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden. Die Behandlung sollte abhängig von Symptomen und Organbeteiligungen erfolgen.
Bei einer medikamentösen Therapie stehen verschiedene Präparate wie Antirheumatika, Schmerzmittel, Immunsuppressiva oder Vitaminpräparate zur Verfügung. Welche bei Ihnen geeignet sind, wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin mit Ihnen besprechen.7,9
Wer auf seinen Lebensstil achtet, kann selbst einiges tun, um die Symptome zu verbessern. Ein paar Verhaltenstipps:3,6
direkte Sonnenstrahlung vermeiden und guten Sonnenschutz auftragen
aufs Rauchen verzichten
nährstoffreiche Ernährung bevorzugen: viel Obst und Gemüse, Fisch, Olivenöl (Mittelmeerkost)
Übergewicht abbauen
auf Blutdruck, Blutzucker, Cholesterinwerte achten
bei Müdigkeit strukturierte Tagesplanung mit Pausen und ausreichende Nachtruhe einhalten
körperlich aktiv sein
Die meisten Menschen mit SLE haben heute eine normale Lebenserwartung. Die häufigsten Komplikationen sind vor allem Herz- und Gefäßerkrankungen, die durch eine beschleunigte Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) verursacht werden.5
Die Therapiemöglichkeiten werden stets weiterentwickelt. Auch die Rolle des Immunsystems bei der Entstehung einer SLE wird immer besser verstanden. Dieses Wissen ermöglicht sichere und effektivere Therapien.6
Und eine konsequente Therapie ist für die Langzeitprognose entscheidend. Meist ist der SLE gut kontrollierbar. Zudem werden derzeit weitere Medikamente getestet, sodass die Chancen für immer mehr Menschen mit SLE in Zukunft noch besser aussehen.7
Weitere Informationen zu SLE finden Sie auf den Webseiten der Deutschen Rheuma-Liga: https://www.rheuma-liga.de. Auch die Rheumaliga Schweiz hat eine umfangreiche Broschüre herausgegeben: https://www.rheumaliga.ch.
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Referenzen
Lecturio. Online learning. Definition Lupus erythematodes. https://www.lecturio.de/en/dictionary/lupus-erythematodes Stand: 2023. Abgerufen: 31.03.2023
MeinMed.at. Medizinwissen für Österreich. Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte, Schmetterlingskrankheit, SLE, CLE) https://www.meinmed.at/krankheit/lupus/1675 Stand: 03.01.2023. Abgerufen: 31.03.2023
USZ Universitäts Spital Zürich. Systemischer Lupus Erythematodes. https://www.usz.ch/krankheit/systemischer-lupus-erythematodes/ Stand: 2023. Abgerufen: 12.04.2023
Rheumaliga Schweiz. Bewusst bewegt: Systemischer Lupus erythematodes (SLE) https://www.rheumaliga.ch/rheuma-von-a-z/lupus Stand: 2023, Abgerufen: 31.03.2023
Lupus erythematodes Selbsthilfegemeinschaft e.V. Diagnose Lupus und nun? https://lupus-rheumanet.net/diagnose-lupus-und-nun/systemischer-lupus-erythematodes/lupus-erythematodes/ Stand: 31.01.2022. Abgerufen: 31.03.2023
Deutsche Rheuma-Liga. Systemischer Lupus erythematodes (SLE): https://www.rheuma-liga.de/rheuma/krankheitsbilder/systemischer-lupus-erythematodes Stand: 2021. Abgerufen: 31.03.2023
Katholisches Klinikum Bochum. Rheumatologie: Systemischer Lupus Erythematodes https://www.klinikum-bochum.de/fachbereiche/innere-medizin/rheumatologie-autoimmunkrankheiten/systemischer-lupus-erythematodes.html Stand: 2023. Abgerufen: 03.04.2023
NetDoktor. Martina Feichter, Sabina Schrör: Systemischer Lupus erythematodes https://www.netdoktor.de/krankheiten/lupus-erythematodes/systemischer-lupus-erythematodes/ Stand: 28.12.2022. Abgerufen: 03.04.2023
National Library of Medicine. Nature Public Health Emergency Collection: Lupus erkennen und gezielt behandeln https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7240231/ Stand: 05.06.2020. Abgerufen: 03.04.2023
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