Keine Tränen mehr: Das Sjögren-Syndrom


Brennende Augen, trockener Mund, Müdigkeit, Schmerzen – viele Symptome und doch nur eine Erkrankung: Das Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, die den gesamten Körper in Mitleidenschaft zieht. Vor allem die Speichel- und Tränendrüsen werden angegriffen.1 Das Sjögren-Syndrom ist nach der rheumatoiden Arthritis die zweithäufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung. Frauen sind zehnmal häufiger als Männer betroffen.1
Das Sjögren-Syndrom kann als eigenständige Erkrankung auftreten und wird dann als primäres Sjögren-Syndrom (pSS) bezeichnet. Es kann aber auch als Folge anderer Autoimmunerkrankungen auftreten. Dann sprechen Medizinerinnen und Mediziner von einem sekundären Sjögren-Syndrom (sSS).1
Welche Ursachen dem Sjögren-Syndrom zugrunde liegen, ist nicht bekannt. Forschende vermuten eine erbliche Veranlagung.2 Mögliche Auslöser können sein:1
Stress
Infektionen
Veränderungen im Hormonhaushalt
Das Risiko, ein sekundäres Sjögren-Syndrom zu entwickeln ist erhöht, wenn man an einer weiteren Autoimmunerkrankung wie rheumatoider Arthritis oder Lupus erythematodes erkrankt ist.3
Die typischsten Anzeichen für das Sjögren-Syndrom sind trockene Schleimhäute (Sicca-Syndrom) von Augen, Mund und bei Frauen auch der Vagina.1,2
Trocken Augen äußern sich durch Brennen, Juckreiz und einem Fremdkörpergefühl im Auge („Sandkorn“). Es kann zu Bindehautentzündungen und Hornhautverletzungen kommen. Eine trockene Mundschleimhaut macht sich durch ein brennendes Gefühl im Mund bemerkbar. Sprechen, Kauen und Schlucken fallen durch die trockenen Schleimhäute schwer.2 Weitere Symptome können sein:1,2
Fatigue (starke Erschöpfung)
Gelenk- und Muskelbeschwerden
geschwollen Ohrspeicheldrüsen
vergrößerte Lymphknoten
Trockene, juckende Haut
Durchblutungsstörungen in den Fingern (Raynaud Syndrom)
Schlafstörungen
Fieber
erhöhte Anfälligkeit für Karies
Manchmal kann das Sjögren-Syndrom auch auf innere Organe wie Lunge, Nieren, Magen-Darm oder Bauchspeicheldrüse übergreifen. Selten entwickelt sich ein Lymphdrüsen-Tumor. Dieser ist jedoch, rechtzeitig erkannt, heilbar. Daher sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig.1,2 Da sich das Sjögren-Syndrom auf so unterschiedliche Weise bemerkbar machten kann, wird es oft erst spät erkannt. Wenn Sie eines oder mehrere der oben genannten Symptome bei sich bemerken, sprechen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin unbedingt auch auf das Sjögren-Syndrom an.
Wenn bei Ihnen das Sjögren-Syndrom festgestellt wurde, sind Rheumatologinnen oder Rheumatologen die richtigen Ansprechpartner. Je nach Symptomen werden weitere Spezialisten wie Augenärztinnen, Zahnärzte und Ärzte und Ärztinnen anderer Fachrichtungen hinzugezogen.
Das Sjögren-Syndrom ist nicht heilbar, doch es gibt Möglichkeiten, die Symptome zu lindern. So kann der Arzt oder die Ärztin künstliche Tränen- und Speichelflüssigkeit verschreiben. Auch ein Verschluss des Tränenkanals im unteren, inneren Augenwinkel ist möglich (Punctum-Plug). Bei diesem chirurgischen Eingriff wird ein kleiner Stopfen (Plug) in die Puncta (kleine Öffnung innen, am unteren Augenlid in der Nähe der Nase) eingeführt. So wird der Tränenfluss blockiert und die Tränen verbleiben länger im Auge.2,4 Sind die Gelenke oder innere Organe betroffen, wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin mit Ihnen die passende Therapie und Medikation besprechen.1
Es gibt verschieden Maßnahmen, die Sie ausprobieren können, um die Symptome zu lindern:1,3,4,5
Regelmäßig und ausreichend trinken, am besten Wasser, ungesüßte Tees oder Schorlen
Kaffee, Alkohol und Nikotin vermeiden, das trocknet die Schleimhäute weiter aus
Auf eine gute Luftfeuchtigkeit achten (vermeiden Sie Klimaanlage, Zentralheizungen, Rauch)
Zuckerfreien Kaugummi für die Speichelproduktion kauen
Zuckerfreie saure Bonbons lutschen
Zweimal täglich die Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen
Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt einhalten
Als Schutz vor Zugluft und Wind eine Brille tragen, seitliche Blenden schützen zusätzlich
Bei Hautproblemen rückfettende Waschlotion verwenden
Vaginalcreme verwenden
Bei Müdigkeit Ruhepausen einlegen
Auch wenn das Sjögren-Syndrom nicht heilbar ist, ist die Prognose doch im Allgemeinen gut.4 Bei bis zu 70 Prozent aller Menschen mit Sjögren-Syndrom verläuft die Erkrankung mild.3 Die trockenen Schleimhäute können in der Regel gut behandelt werden, und die Lebensqualität bessert sich wieder.
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Referenzen
Deutsche Rheuma-Liga. Sjögren-Syndrom. https://www.rheuma-liga.de/rheuma/krankheitsbilder/sjoegren-syndrom# Stand: 2023. Abgerufen: 01.03.2023
Gesundheit.gv.at. Sjögren-Syndrom. https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/immunsystem/autoimmunerkrankungen/sjoegren-syndrom.html Stand: 03.02.2022. Abgerufen: 01.03.2023
Hermann, J., Horwath-Winter, J. Diagnose und Therapie des Sjögren-Syndroms. J. Miner. Stoffwechs. Muskuloskelet. Erkrank. 26, 50–56 (2019). https://doi.org/10.1007/s41970-019-0073-6 Veröffentlicht: 03.06.2019. Abgerufen: 01.03.2023
MSD Manual. Sjögren-Syndrom. https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/knochen-,-gelenk-und-muskelerkrankungen/autoimmunerkrankungen-des-bindegewebes/sj%C3%B6gren-syndrom Stand: Oktober 2022. Abgerufen: 01.03.2023
PD Dr. med. Benedikt Hofauer. 13. Deutscher Sjögren-Tag. Mundtrockenheit – Symptome und Therapiemöglichkeiten. https://www.sjoegren-erkrankung.de/images/stories/berichte/Neuigkeiten/Vortrag_Hofauer_Sjo_gren-Tag.pdf Stand: 08.05.2021. Abgerufen: 01.03.2023
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