Mit Biologika und Biosimilars zielgerichtet und effektiv behandeln


Die Bandbreite an chemischen Arzneimitteln ist groß, ebenso wie die Anwendungsbereiche. Trotzdem gibt es Menschen, bei denen konventionelle Therapien nicht ausreichend wirken oder Nebenwirkungen hervorrufen.1
Besondere Herausforderungen bestehen in der Therapie von Krebs sowie Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Psoriasis Arthritis oder Morbus Bechterew. Daher werden hier auch biologische Arzneimittel eingesetzt. Dazu gehören Biologika und Biosimilars, deren Anzahl stetig zunimmt.2,3,4
Im Vergleich zu den klassischen Basismedikamenten wirken Biologika und Biosimilars schneller und halten das Voranschreiten der Erkrankung wirksam auf. Sie werden jedoch beispielsweise bei der rheumatoiden Arthritis erst eingesetzt, wenn die klassischen Rheuma-Medikamente nicht wirken oder zu schweren Nebenwirkungen führen.1
Bei einem Biologikum handelt es sich um ein aus biologischen Substanzen technologisch hergestelltes Arzneimittel. Als Grundlage dienen lebende Zellen (mitunter genetisch optimiert), die in speziellen Reaktoren gezüchtet und aus denen die gewünschten Wirkstoffsubstanzen gewonnen werden. Das sind zumeist bestimmte Eiweiße (Proteine) oder Zellbestandteile, seltener auch ganze Zellen.3,4,5
Biosimilars sind wie auch die Generika sogenannte Nachahmer-Präparate oder Nachfolgemittel der Biologika. Sobald das Patent eines Biologikums ausläuft, sind Hersteller anderer Arzneimittel befugt, ein Medikament mit dem gleichen Wirkstoff auf den Markt zu bringen. Biosimilars als auch Biologika sind in ihrer Wirkung daher nahezu identisch. Ein Biosimilar ist in der Regel genauso gut wirksam wie das ursprüngliche Biologikum.
Da es sich jedoch um biologisches Material handelt, ist das Nachahmen, also die Reproduktion eines Biologikums, nicht zu 100 Prozent möglich. Das komplexe Herstellungsverfahren macht eine genaue Kopie des Originalprodukts unmöglich. Daher kommt es zu feinsten Abweichungen zwischen Original und Nachahmer, die jedoch keine Auswirkungen auf Wirkung, Qualität oder Sicherheit haben.3
Beide Arzneimittelformen wirken gezielt auf das Immunsystem und hemmen vor allem Entzündungsvorgänge, die je nach Erkrankung unterschiedlichste Beschwerden hervorrufen.
Die Wirkung tritt innerhalb einiger Tage oder weniger Wochen ein, wobei jede Person unterschiedlich schnell und gut auf die Therapie anspricht.1
Es gibt zwei Wege, über die Biologika oder Biosimilars verabreicht werden:1
als Spritze unter die Haut oder
als Infusion.
Oral, zum Beispiel in Form einer Tablette, kann man Biologika und Biosimilars zurzeit noch nicht einnehmen. Die Aufnahme über unseren Magen-Darm-Trakt ist nicht ideal für diese Arzneimittel und verringert die gewünschte Wirkung.1
Im Fall von rheumatischen Erkrankungen wirken die biologischen Arzneimittel gezielt auf bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe des Immunsystems. Dies überschießende Reaktion des Immunsystems bleibt durch die Wirkung des Biologikums bzw. Biosimilars aus, ebenso die Beschwerden.1
Wie bei anderen Arzneimitteln können Nebenwirkungen auch bei Biologika und Biosimilars auftreten. Die häufigsten Nebenwirkungen sind:6
lokale Reaktionen (Rötung oder Infektion an der Einstichstelle)
Infusionsreaktionen wie ein roter Kopf, Kältegefühl, Übelkeit oder Kopfschmerzen
Haarausfall
Hautreaktionen
Da Biologika und Biosimilars hemmend auf das Immunsystemwirken, kann dieses dadurch geschwächt werden und wehrt beispielsweise Krankheitserreger schlechter ab. Somit können bei manchen Menschen Erkrankungen, die von Erregern wie Pilzen, Bakterien oder Viren hervorrufen häufiger auftreten.7
Biosimilars sind eine sichere und wirksame Alternative zu Biologika. Daher ist ein Wechsel von Biologikum zu Biosimilar unbedenklich. Wichtig ist, dass keine Gegenanzeigen wie Unverträglichkeiten oder Nebenwirkungen dagegensprechen.1
Daher berät aktuell der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), ob und inwieweit Apotheken abweichend vom Rezept ein Biologikum durch ein Biosimilar austauschen dürfen.8
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Referenzen
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Deutscher Psoriasis Bund e.V. Biologika + Biosimilars. https://www.psoriasisbund.de/fileadmin/images/broschueren/Biologika___Biosimilars_-_Flyer.pdf Stand: 2023. Abgerufen: 25.01.2023
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Was für Arzneimittel sind Biosimilars? https://www.kbv.de/media/sp/Patienteninformation_Biosimilars.pdf Stand: Juli 2019.Abgerufen: 25.01.2023
European Medicine Agency. Biosimilars in der EU – Leitfaden für medizinische Fachkräfte. https://www.ema.europa.eu/en/documents/leaflet/biosimilars-eu-information-guide-healthcare-professionals_de.pdf Stand: 2019. Abgerufen: 25.01.2023
Chan J.C.N. & Chan A.T.C. Biologics and biosimilars: what, why and how? ESMO Open. 2017;2(1):e000180 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5519784/ Stand: 2017. Abgerufen: 25.01.2023
Psoriasis-Netz. Stufe 3: Innerliche Medikamente bei Psoriasis – Tabletten und Spritzen. https://www.psoriasis-netz.de/magazin/fakten/behandlung/behandlung-innerlich/ Stand: Januar 2019. Abgerufen: 25.01.2023
Deutsche Apothekerzeitung (DAZ). Biologika bei Psoriasis. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2019/daz-49-2019/biologika-bei-psoriasis Stand: 05.12.2019. Abgerufen: 25.01.2023
Gemeinsamer Bundesausschuss (gba). Biologische Arzneimittel: G-BA beschließt Hinweise für eine wirtschaftliche Verordnungsweise von Biologika und Biosimilars. https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/886/ Stand: 20.08.2020. Abgerufen: 25.01.2023
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