Shared Decision Making: Kommunikationsmodell für Mitsprache bei der Therapie


Auf Augenhöhe kommunizieren, gemeinsam eine Therapieentscheidung treffen und so den Behandlungsverlauf positiv beeinflussen – dabei unterstützt das Kommunikationsmodell Shared Decision Making. Dieses erfordert, dass ärztliche Fachkräfte unter anderem verstärkt auf eine laiengerechte Erklärung von Diagnosen und Krankheitsbildern achten. Im Gegenzug sind Sie gefordert, Ihre Beschwerden genau zu schildern, Ihre Lebensumstände mitzuteilen und sich zusätzlich über Ihre Erkrankung zu informieren.
In vielen ärztlichen Praxen herrschen noch paternalistische Strukturen vor. Das äußert sich unter anderem darin, dass Menschen mit einer akuten oder chronischen Erkrankung die Diagnose und die Behandlungsempfehlung erhalten, die von ärztlicher Seite aus als geeignet erachtet wird. Mit zunehmenden Möglichkeiten, sich als Laie über Erkrankungen zu informieren, ist dieses Vorgehen immer weniger gewünscht.1
Studien zeigen, dass sich eine laiengerechte Kommunikation und das gleichberechtigte Handeln auf Augenhöhe zwischen der ärztlichen und der Laienseite positiv auf die Behandlung auswirkt.2 Diese Erkenntnis greift der unter Fachkreisen als Shared Decision Making (SDM) oder partizipative Entscheidungsfindung bezeichnete medizinische Ansatz auf.3
Das SDM ist ein Kommunikationsmodell, das vorsieht, dass die medizinische Fachkraft und die erkrankte Person in einen effektiven Austausch treten, wenn es um die gemeinsame Therapieentscheidung, aber auch andere medizinische Themen geht.1 Das Ziel ist es, durch eine verbesserte Kommunikation die optimale Therapie zu finden. Durch die höhere Beteiligung der erkrankten Person in die Therapieentscheidung trägt sie diese oft konsequenter mit, wodurch sich eine höhere Therapietreue und damit ein positiverer Behandlungsverlauf einstellen kann.4
Rheumatoide Arthritis kann sich in unterschiedlichen Formen und Schweregraden zeigen: Die Symptome können von Gelenkschmerzen und Schwellungen bis hin zu schweren Gelenkentzündungen reichen und für jeden Patienten und jede Patientin sehr unterschiedlich sein, weshalb eine gemeinsame Entscheidungsfindung eine individuell angepasste Behandlung deutlich erleichtert. Und auch hinsichtlich Lebensqualität kann das SDM-Modell Positives bewirken, denn die Erkrankung beeinflusst diese oft erheblich. Symptome wie chronische Schmerzen, Müdigkeit, eingeschränkte Beweglichkeit und mögliche Begleiterkrankungen können den Alltag stark einschränken und das Selbstbewusstsein beeinträchtigen. Durch SDM können Menschen mit rheumatoider Arthritis mit ihrer gelebten Erfahrung und Expertise aktiv an der Therapiegestaltung teilnehmen und damit die Behandlung besser in ihren Lebensstil und ihre Bedürfnisse integrieren.
Damit dieser Ansatz funktioniert, sind Veränderungen im Verhalten beider Seiten notwendig, welche der wertschätzenden Kommunikation förderlich sind. Auf der medizinisch professionellen Seite ist es wichtig, dass die behandelnde Fachkraft2
sich ausreichend Zeit für das Gespräch nimmt.
die Diagnose und Krankheitsbilder ausführlich und laienverständlich erklärt.
die Vor- und Nachteile einer Behandlung aufzeigt.
Neuigkeiten, z. B. zum Behandlungsverlauf, ohne Umschweife und menschlich zugewandt mitteilt.
ihre Aussagen positiv formuliert, um Optimismus in Bezug auf Untersuchung, Diagnose und die Therapie zu fördern.
Um die Behandelnden dabei zu unterstützen, die geeignete Therapie zu finden, können sie einiges tun. Sie als betroffene Person sind es, die durch gelebte Erfahrung mit Ihrer Erkrankung zur Expertin oder zum Experten geworden sind. So wissen Sie am besten darüber Bescheid, wie die Behandlung Ihren Alltag beeinflusst, welche Sorgen und Ängste aufkommen oder welche Erwartungen Sie an die Therapie haben.2
Ebenfalls wichtig für die Therapiewahl ist es, wenn Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin in Ihre aktuellen und künftige Lebenspläne und -umstände einweihen. Für das Gespräch ist es daher sinnvoll, dass Sie2
ehrlich in Bezug auf die Beschwerden sind, auch wenn es als sehr unangenehm erscheint. Nur wenn diese dem ärztlichen Personal bekannt sind, kann es handeln.
Beschwerden präzise formulieren.
eine Liste mit Fragen und Medikamenten mitführen.
bei chronischer Erkrankung das Beschwerdetagebuch konsequent führen und mitnehmen, z. B. bei Gelenkschmerzen und Schwellungen.
Befunde oder Diagnosen zum Gespräch mitbringen, falls vorhanden.
ein ungutes Bauchgefühl gegenüber der behandelnden Person oder der vorgeschlagenen Therapieoption wertschätzend äußern.
Auf diese Weise tragen Sie dazu bei, dass Sie alle für Sie nötigen Informationen erhalten, um eine mündige Therapieentscheidung treffen zu können. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, eine Vertrauensperson mit in das Gespräch zu nehmen und sich im Zweifel eine Zweit- oder Drittmeinung einzuholen.2
Das SDM stellt in der Therapie einen wichtigen Schritt dar, weil
es Sie und Ihre ärztlichen Behandelnden darin fordert, kommunikativ aufeinander zuzugehen.
es die Beziehung zwischen beiden Seiten bessern und stärken kann.
der Wissenszugewinn es Ihnen ermöglicht, eine Therapieentscheidung zu treffen, der Sie vertrauen und treu bleiben.
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Um die hohe Qualität unserer Inhalte sicher zu stellen, wurde dieser Text von unserem Team aus Apothekerinnen und Apothekern geprüft. Die bereitgestellten Inhalte dienen lediglich der Information und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Die Texte sind nicht zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten gedacht.
Referenzen
vfa.patientenportal. Shared-Decision-Making: Patient und Arzt entscheiden gemeinsam. https://www.vfa-patientenportal.de/service/patienten-arzt-kommunikation/shared-decision-making-patient-und-arzt-entscheiden-gemeinsam.html. Stand: 31.08.2020, Abgerufen am: 02.07.2024
Apothekenumschau. Wie eine scheiternde Liebesbeziehung: Was das Arzt-Patienten-Verhältnis verbessert. https://www.apotheken-umschau.de/therapie/wie-eine-scheiternde-liebesbeziehung-was-das-arzt-patienten-verhaeltnis-verbessert-863401.html Stand: 26.04.2022, Abgerufen am: 02.07.2024
Stiftung Gesundheitswissen. Auf Augenhöhe mit dem Arzt? https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/patient-arzt/patient-und-partner Stand: 12.12.2020, Abgerufen am: 02.07.2024
Selpers. Gesundes Leben. Shared Decision Making beim Multiplen Myelom. https://selpers.com/krebs/arztgespraech-beim-multiplen-myelom-shared-decision-making-beim-multiplen-myelom/ Abgerufen am: 02.07.2024
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