Stürzen vorbeugen und Brüche vermeiden bei Rheuma: Was Sie selbst tun können


Menschen mit Rheuma haben häufiger mit Knochenbrüchen zu kämpfen – selbst bei kleinen Stürzen. Doch gibt es Dinge, die Sie aktiv dagegen tun können: Mit gezielten Maßnahmen lassen sich Stürzen und Frakturen wirksam vorbeugen.
Bei vielen rheumatischen Erkrankungen – insbesondere bei entzündlich-rheumatischen Formen wie der rheumatoiden Arthritis – ist das Risiko für Stürze und Knochenbrüche (Frakturen) deutlich erhöht. Die Gründe dafür sind vielfältig, dazu gehören:1,2,3
Chronische Entzündungen, da sie den Knochenabbau fördern und den Knochenaufbau hemmen.
Der Einsatz von Glukokortikoiden (Kortison) zur Kontrolle der Entzündung, der ebenfalls negativ auf die Knochendichte wirkt, insbesondere bei Langzeiteinsatz.
Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Muskelabbau (Sarkopenie), die zu Verlangsamung, Gleichgewichtsstörungen oder unsicherem Gang führen – das erhöht das Sturzrisiko.
Zu diesen erkrankungsbedingten Risiken kommen häufig externe Faktoren wie Stolperfallen, unzureichende Beleuchtung oder ungeeignetes Schuhwerk hinzu.3
Zu den Maßnahmen, mit denen Menschen mit Rheuma aktiv ihr Sturz- und Frakturrisiko senken können, zählen:
Eine ausgewogene Ernährung liefert die Bausteine für gesunde Knochen – insbesondere Kalzium, Vitamin D und weitere Spurenelemente:2
Kalzium: Erwachsene sollten etwa 1.000 bis 1.200 mg Kalzium täglich über die Ernährung (z. B. Milchprodukte, grünes Blattgemüse) oder Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen, sofern eine ärztliche Empfehlung dafür vorliegt.
Vitamin D: Vitamin D fördert die Kalziumaufnahme im Darm und reguliert den Knochenstoffwechsel. Viele Menschen mit Rheuma haben niedrige Vitamin-D-Spiegel. Eine ärztliche Kontrolle und bedarfsorientierte Einnahme von Vitamin D Präparaten sind ratsam.
Weitere Nährstoffe: Magnesium, Vitamin K, Phosphor, Zink und Proteine sind ebenfalls wichtig für die Knochenstruktur und den Muskelaufbau.
Ein zu niedriges Körpergewicht begünstigt den Knochenabbau. Außerdem spielt eine ausreichende Energiezufuhr besonders bei Erkrankungen mit entzündlicher Aktivität wie Rheuma eine große Rolle. Diese ernährungsbezogenen Maßnahmen ergänzen medikamentöse und physikalische Therapien, ersetzen sie aber nicht.5
Bewegung ist eine der wirksamsten Strategien zur Sturz- und Frakturprävention:2,3,4,7
Aktivitäten wie Gehen, Treppensteigen, leichtes Springen oder Übungen mit Widerstandsbändern stimulieren den Knochenaufbau.
Beim Arbeiten nicht nur im Sitzen, sondern auch mal im Stehen arbeiten und sich zwischendurch bewegen.
Krafttraining: Eine starke Bein- und Rumpfmuskulatur stabilisiert Gelenke und reduziert Sturzrisiken.
Gleichgewichts- und Koordinationsübungen: Tai-Chi, Balanceübungen oder spezielle Sturzpräventionsprogramme helfen, das Risiko zu senken.
Funktionstraining und Gruppenkurse: Viele Rheuma-Ligen bieten Funktionstraining unter Anleitung an – dies verbessert Mobilität, Kraft und Motivation.
Dabei gilt: Bauen Sie das Training langsam auf, beachten Sie dabei Ihre individuelle Belastbarkeit und halten Sie bei Schmerzen und Schüben Rücksprache mit Ihrer behandelnden Fachkraft.
Kortison wirkt effektiv entzündungshemmend und wird häufig bei akuten Rheuma-Schüben eingesetzt. Eine langfristige Einnahme von Kortison ist jedoch einer der stärksten Risikofaktoren für Knochenabbau und Osteoporose, da es die Kalziumaufnahme im Darm senkt, den Knochenabbau erhöht und den -aufbau hemmt.1,2
Deshalb gilt: Kortison immer in möglichst niedriger Dosis und für möglichst kurze Zeit verwenden, begleitet von Maßnahmen zur Knochenstärkung (Kalzium, Vitamin D, Bewegung). Bei längerem Kortisongebrauch sollte eine Osteoporose-Prophylaxe erwogen werden. Wenn bereits eine Osteoporose diagnostiziert wurde, können entsprechende Medikamente den Knochenabbau bremsen und Frakturen verhindern.2,5
Kleine Veränderungen im Alltagsumfeld und im Verhalten können das Sturzrisiko stark reduzieren, dazu gehören:3,6
Wohnraum sicher gestalten: Entfernen von Stolperfallen (Kabel, lose Teppiche, unebene Böden), gute Beleuchtung und Haltegriffe in Bad und Treppenhaus anbringen.
Rutschfeste Schuhe: Schuhe mit guter Bodenhaftung und sicherem Sitz verhindern Ausrutschen.
Hilfsmittel gezielt einsetzen: Gehstöcke, Rollatoren, rutschfeste Matten im Bad oder Haltegriffe können Sicherheit im Alltag erhöhen.
Sicht und Sehkraft prüfen: Regelmäßige Augenuntersuchungen und ausreichende Beleuchtung helfen, Stürze zu vermeiden.
Langsam aufstehen, Pausen einplanen: Besonders beim Aufstehen oder Drehen bewusst und langsam bewegen.
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Referenzen
Ashai, S. & Harvey, N. C.: Rheumatoid arthritis and bone health. Clin Med (Lond). 2020 Nov;20(6):565–567. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7687316/ Abruf: 06.10.2025
Hospital for Special Surgery (HSS): Rheumatoid Arthritis and Bone Health: Osteoporosis – What You Need to Know. https://www.hss.edu/health-library/conditions-and-treatments/rheumatoid-arthritis-bone-health-osteoporosis-what-you-need-know Stand: 12.05.2024, Abruf: 06.10.2025
Rheumaliga Schweiz: Hoppla, Sturzgefahr! Lieber vorbeugen als hinfallen. https://www.rheumaliga.ch/medien/hoppla-sturzgefahr-lieber-vorbeugen-als-hinfallen Abruf: 06.10.2025
Rheumaliga Zürich: Auf gar keinen Fall – Stürze verhindern bei Rheuma. https://www.rheumaliga.ch/assets/doc/ZH_Dokumente/Broschueren-Merkblaetter/Krankheitsbilder/Auf_gar_keinen_Fall.pdf Stand: 05/2015, Abruf: 06.10.2025
Apotheken Umschau. Osteoporose: Wenn die Knochen spröde werden. https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/gelenks-und-knochenerkrankungen/osteoporose-ursachen-therapie-vorbeugung-734881.html Stand: 05.02.2024, Abruf: 06.10.2025
Bone Health & Osteoporosis Foundation (BHOF): Preventing Falls and Broken Bones https://www.bonehealthandosteoporosis.org/patients/fracturesfall-prevention
Bayerischer Rundfunk (BR): Helfen Sport und Ernährung gegen Rheuma? https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/gesundheit/rheuma-sport-ernaehrung-100.html Stand: 21.09.2022 Abruf: 06.10.2025
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Titelbild: AdobeStock