Levetiracetam – Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

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Zusammenfassung
Levetiracetam ist ein Medikament, das zur Behandlung von Epilepsie angewendet wird. Es senkt die Übererregbarkeit der Nervenzellen, die dieser Erkrankung zugrunde liegt. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht abschließend geklärt. Man geht davon aus, dass Levetiracetam so auf das Nervensystem einwirkt, dass es weniger Signalstoffe ausschüttet. Gleichzeitig verhindert es den Strom bestimmter geladener Teilchen, die bei der Entstehung elektrischer Signale eine Rolle spielen. Da dies kein gezielter Prozess ist, sind verschiedene Nebenwirkungen möglich – sowohl auf das Befinden, Wach- und Aufmerksamkeit als auch den Gemütszustand oder das Verdauungssystem. Die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind überschaubar. Trotzdem ist es ratsam, vor der Behandlung mit Levetiracetam gegenüber dem ärztlichen Personal andere derzeit eingenommene Arzneimittel zur Sprache zu bringen, um mögliche Komplikationen auszuschließen. Medikamente mit dem Wirkstoff sind in Deutschland verschreibungs- und apothekenpflichtig.
Was ist Levetiracetam?
Levetiracetam verschreiben Ärztinnen oder Ärzte gegen verschiedene Formen der Epilepsie. Es wirkt allerdings lediglich gegen das hervorstechende Symptom dieser Erkrankungen, die damit einhergehenden Krämpfe. Insofern gehört es eigentlich zu den Antikonvulsiva, wird aber häufig als Antiepileptikum bezeichnet. Dabei kann es allein oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen zur Behandlung solcher Anfallsleiden zum Einsatz kommen. Levetiracetam ist verschreibungspflichtig und nur gegen Vorlage eines gültigen ärztlichen Rezepts in Apotheken und Versandapotheken erhältlich.
Wie wirkt Levetiracetam?

Der Wirkmechanismus von Levetiracetam ist noch nicht vollständig aufgeklärt, es senkt aber die Erregbarkeit der Nervenzellen(Neuronen) und verringert so das Risiko epileptischer Anfälle, die durch eine Übererregbarkeit der Neuronen ausgelöst werden. Nach bisherigen Erkenntnissen und Vermutungen der Forschenden, erreicht der Wirkstoff das über zwei verschiedene Mechanismen:
Zum einen bindet er an bestimmte Vesikelproteine. Das sind Eiweiße, die bei der Signalübertragung im Nervensystem eine wichtige Rolle spielen. Sie sind mit dafür verantwortlich, dass Botenstoffe in den Raum zwischen zwei Nervenzellen (synaptischer Spalt) gelangen, wodurch der elektrische Impuls von einer auf die nächste Zelle springen kann. Durch die Blockade des Vesikelproteins wird diese Signalübertragung erschwert, was epileptischen Anfällen entgegenwirken kann.
Zum anderen hemmt Levetiracetam winzige Kanäle für Kalzium, was ebenfalls dazu beiträgt, dass betroffene Nervenzellen schwieriger zu erregen sind und Krampfanfälle weniger wahrscheinlich werden.

Wie und bei welchen Beschwerden wird Levetiracetam eingesetzt?
Durch die angesprochenen Mechanismen senkt Levetiracetam die Erregbarkeit der Nervenzellen und bietet sich somit an, die Stärke und Häufigkeit von epileptischen Krämpfen einzudämmen. Es kommt bei unterschiedlichen Formen zum Einsatz:
- Als alleinige Therapie oder zusätzlich mit anderen Medikamenten bei partiellen beziehungsweise fokalen Anfällen, also solchen, die zu Beginn auf eine Hälfte des Gehirns beschränkt sind, sich aber im Verlauf der epileptischen Episode auf das gesamte Gehirn ausweiten können.
- Zusammen mit anderen Medikamenten bei Erwachsenen oder Jugendlichen ab 12 Jahren mit Epilepsien, die mit plötzlichen, ruckartigen und nicht willentlich gestörten Muskelbewegungen einer oder mehrerer Körperteile (myoklonische Anfälle) einhergehen.
- Zusammen mit anderen Arzneimitteln bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen (früher: Grand-mal). Dabei betrifft der Anfall von Beginn an beide Gehirnhälften; die betroffenen Personen verlieren das Bewusstsein und können stürzen, der Körper versteift sich und in vielen Fällen setzt die Atmung kurz aus. Danach kommt es häufig zu unkontrollierten, groben Zuckungen im Gesicht und anderen Regionen des Körpers, die Atmung setzt in den meisten Fällen wieder ein, später kehrt auch das Bewusstsein zurück.
Levetiracetam ist in verschiedenen Darreichungsformen, beispielsweise als Tablette, Lösung zum Einnehmen und als Konzentrat zur Herstellung einer Lösung erhältlich, die von medizinischem Fachpersonal über eine Infusion verabreicht werden kann. Tabletten können von betroffenen Personen unabhängig von den Mahlzeiten unzerkaut und mit einer ausreichenden Menge Flüssigkeit eingenommen werden. Menschen, denen dies schwerfällt oder für die es keine passend dosierten Tabletten gibt, können auch die Lösung einnehmen.
Bei Erwachsenen (ab 50 Kilogramm) beträgt die anfängliche Dosis in der Regel zweimal täglich 500 Milligramm Levetiracetam, nach Ermessen der behandelnden Fachperson auch weniger. Im weiteren Verlauf kann die Dosis in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt schrittweise und im Abstand von zwei bis vier Wochen auf bis zu zweimal täglich 1500 Milligramm erhöht werden.
Bei Menschen mit geringerem Körpergewicht und abhängig von Schwere und Häufigkeit der Anfälle können andere Dosierungen zum Einsatz kommen, das letzte Wort hat hier das behandelnde medizinische Fachpersonal.
Nicht eingenommen werden sollte Levetiracetam bei einer Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder anderen Bestandteilen des Arzneimittels sowie während der Stillzeit. Levetiracetam kann während der Schwangerschaft eingesetzt werden, hierbei wägen Ärztinnen und Ärzte mögliche Risiken für das Ungeborene allerdings sehr genau ab, außerdem kommen häufig möglichst niedrige Dosierungen zum Einsatz.
Welche Nebenwirkungen können bei Levetiracetam auftreten?
Levetiracetam senkt die Erregbarkeit von Nerven generell und geht dabei nicht gezielt gegen Signale vor, die zu einem epileptischen Anfall führen können. Durch den weitreichenden, hemmenden Effekt auf das zentrale Nervensystem kann es zu zahlreichen Nebenwirkungen kommen, sehr häufig kommt es zu:
- Müdigkeit und Schläfrigkeit
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Entzündungen des Nasen-Rachenraums (Nasopharyngitis)
Außerdem kommt es häufig zu
- Anorexie
- Depression und Angst
- Schlafstörungen
- Reizbarkeit und Nervosität
- Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen
- Reizbarkeit und Nervosität
Gelegentlich können zudem Nebenwirkungen wie eine verminderte Anzahl der weißen Blutkörperchen im Blut, Muskelschwäche, oder Schwankungen des Gewichts austreten.
Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit und Schwindel können die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder dem Bedienen gefährlicher Maschinen beeinträchtigen. Das gilt insbesondere kurz nach Beginn der Therapie oder nachdem die Dosis erhöht wurde. Um sich oder andere Menschen nicht zu gefährden ist es deshalb ratsam, auf diese Tätigkeiten, wenn möglich zu verzichten oder ärztlichen Rat einzuholen, bevor damit begonnen werden soll.
Gibt es Wechselwirkungen bei Levetiracetam?
Levetiracetam kann im Zusammenspiel mit anderen Arzneimitteln deren Wirksamkeit verstärken oder beeinträchtigen beziehungsweise seinerseits in seiner Wirkung beeinflusst werden. Zu diesen möglichen Wechselwirkungen gehören:
- Die gleichzeitige Anwendung von Levetiracetam und dem Zytostatikum Methotrexat kann dazu führen, dass letzteres länger im Organismus verbleibt, was gegebenenfalls schädliche Auswirkungen haben kann. Deshalb sollte der Methotrexat-Spiegel während einer etwaigen gleichzeitigen Behandlung mit Levetiracetam streng überwacht werden
- Während der Anwendung des Abführmittels Macrogol, kann Levetiracetam in seltenen Fällen weniger wirksam sein. Macrogol sollte deshalb eine Stunde vor und nach der Einnahme von Levetiracetam nicht eingenommen werden.
Es liegen keine Hinweise vor, dass Levetiracetam mit anderen Medikamenten gegen Epilepsie bedeutsame Wechselwirkungen zeigt. Trotzdem ist es ratsam, vor dem Beginn einer Therapie der behandelnden Ärztin oder dem Arzt jegliche Medikamente zu nennen, die außer Levetiracetam noch eingenommen werden oder in naher Zukunft eingenommen werden sollen.
Veröffentlicht am: 20.02.2026
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ATC Code(s)
ATC Codes sind internationale Klassifikationen von Wirkstoffen und Arzneimitteln.
- N03AX14
- Quelle: Gelbe Liste
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Quellen
[1] Mutschler Arzneimittelwirkungen. 11. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart (2020).
[2] Pschyrembel. Online. Levetiracetam, https://www.pschyrembel.de/levetiracetam/K0CTN/doc/
[3] Pschyrembel. Online. Epilepsie, https://www.pschyrembel.de/epilepsie/K072E/doc/
[4] Pschyrembel. Online. Myoklonien, https://www.pschyrembel.de/Myoklonien/K0EQR/doc/
[5] Deximed Hausarztwissen online. Epilepsie, https://deximed.de/home/klinische-themen/neurologie/krankheiten/kraempfe/epilepsie
[6] Schweizerische Epilepsie-Liga. Anfallsformen. https://www.epi.ch/ueber-epilepsie/einstieg/anfallsformen/
[7] DocCheck Levetiracetam https://flexikon.doccheck.com/de/Levetiracetam
[8] Gebrauchsinformation Levetiracetam – 1 A Pharma® https://cdn.shop-apotheke.com/PDF/D09/123/371/D09123371-bp.pdf
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