Juckreiz: Warum juckt die Haut und was hilft?
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„Wen’s juckt, der kratzt sich“, dichtet der Volksmund. Betroffene können darüber nur stöhnen. Juckreiz ist mehr als lästiges Phänomen und Kratzen hilft nur scheinbar. Tatsächlich verschlimmert es das Leiden. Wenn es juckt und sich sogar rote Flecken bilden, gilt vor allem eines: Ursachenforschung betreiben.
Was ist Juckreiz?
„Pruritus“ (vom lateinischen verb „prurire“ = jucken) sagen die Mediziner, wenn sie von Juckreiz sprechen und meinen damit eine höchst lästige Empfindung auf der Haut, die vor allem eines hervorruft: den starken Wunsch, sich sofort, ausdauernd und heftig zu kratzen.
Die häufigste Form ist Juckreiz aufgrund von Hauterkrankungen. Aber auch Alter und Beschaffenheit der Haut, Elastizität, Trockenheit oder Empfindlichkeit, spielen eine wichtige Rolle.
So kann Jucken akut als auch chronisch sein, z.B. bei Ekzemen oder bei Neurodermitis.
Juckreiz – ein Phänomen mit vielen Ursachen
Juckreiz ist fast so individuell wie der Mensch, der unter ihm leidet. Über 100 Ursachen haben Experten ausgemacht. Stress kann Hautirritationen und damit Juckreiz auslösen. Nahrungsmittel- oder Tierhaarallergien ebenso. Auch Medikamente können dazu führen, dass es am ganzen Körper juckt. Parasiten wie z.B. Kopfläuse lösen ebenfalls Juckreiz aus. Manchem reicht es schon, jemanden beim Kratzen zu beobachten – und schon ist er da, der unerträgliche Zwang, sich zu kratzen.
In vielen Fällen steckt hinter einem häufigen Juckreiz auch eine Erkrankung wie Neurodermitis, Nesselsucht (Urtikaria) oder Schuppenflechte (Psoriasis). Doch auch Erkrankungen innerer Organe (Nieren, Galle, Leber) oder auch ein Diabetes mellitus kann dazu führen, dass die Haut unerträglich juckt.
Ebenso verantwortlich für Juckreiz: Psychische Erkrankungen, z.B. Depressionen und Schizophrenie. Aber auch neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Multiple Sklerose können Juckreiz auslösen.
Wenn Sie immer wieder unter Juckreiz leiden, ist der Gang zum Arzt unabdingbar. Nur er kann durch Untersuchungen feststellen, ob sich eine körperliche Ursache für den qualvollen Juckreiz finden lässt – und eine geeignete Therapie verordnen.
Hautirritationen
Ist nicht allein der Juckreiz das Problem, sondern leiden Sie auch noch unter roten Flecken auf der Haut, müssen Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Gerötete, juckende oder sogar brennende Hautareale (sog. Ekzeme) sind nicht nur quälend. Hinter einem Hautausschlag können viele Ursachen stecken. Ob es sich um eine relativ harmlose Allergie (z.B. gegen Waschmittel oder gegen ein Rasiershampoo) handelt oder um eine ernste Erkrankung (z.B. Masern, Röteln etc.) kann nur der Arzt klären. Selbsthilfe ist hier fehl am Platz!
Neurodermitis
Juckreiz ist eines der quälendsten Symptome bei Neurodermitis. Oft beginnt das Leiden im Kindesalter. Kniebeugen, Ellenbogenbeugen oder Nacken jucken, die Haut entzündet sich, Pusteln oder rote Flecken entstehen.
Die Neurodermitis kann sogar am gesamten Körper auftreten. Die Ursachen dieser chronisch entzündlichen Hauterkrankung bleiben oft ungeklärt. Vermutet werden genetische Ursachen, die dazu führen, dass die Schutzfunktion der Haut herabgesetzt ist. Daneben soll auch das Immunsystem verantwortlich sein, weil es übermäßig stark auf Umweltreize reagiert.
Eine Neurodermitis verläuft häufig in Schüben, sodass es immer wieder symptomfreie Zeiten gibt. Die Auslöser sind vielfältig: eine trockene Haut, allergieauslösende Stoffe wie z.B. Hausstaub oder Tierhaare, aber auch Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Weizen oder Kuhmilch), Umweltreize wie Kälte, Trockenheit oder Gifte (z.B. Tabakrauch oder Ozon).
Auch psychische Ursachen wie Stress können eine Neurodermitis auslösen bzw. die Symptome verstärken.
Überforderung der Haut
Nicht immer steht hinter einem heftigen Juckreiz eine schwere Erkrankung. Manchmal ist es ganz einfach die Haut, die den Anforderungen, die an sie gestellt werden, nicht gewachsen ist. Häufige Körperhygiene, viele Salben und Lotionen, scharfe Reinigungsmittel und dann noch eine empfindliche Haut – diese Kombinationen können Juckreiz auslösen.
Achten Sie bei Ihren Hygieneprodukten auf möglichst pH-neutrale Produkte. Diese schädigen den Säureschutzmantel der Haut nicht. Rückfettende Produkte sorgen nach einer Dusche oder einem Bad dafür, dass die Haut wieder in die Balance kommt.
Juckreiz durch trockene Haut
Eine trockene Haut neigt schneller zu Faltenbildung, spannt eher und juckt besonders schnell an den Unterschenkeln, an Füßen, Händen oder den Ellenbogen. Trockene Haut ist keine Krankheit, sondern einfach eine (oft vererbte) Tatsache. Umweltfaktoren wie Hitze oder Kälte verschärfen den Leidensdruck der trockenen Haut.
Mancher hat sein ganzes Leben lang schon eine eher trockene Haut. Manch anderen trifft es erst im Alter. Mit zunehmenden Lebensjahren verliert die Haut ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit zu speichern und einen schützenden Fettfilm zu bilden.
Ursachenforschung bei Juckreiz: Diese Fragen geben Aufschluss
Wenn die Haut hin und wieder juckt, ohne dass sich Schäden feststellen lassen, kann dahinter z.B. einfach ein Flüssigkeitsmangel stecken. Zeigen sich jedoch rote Flecken und andere Hautveränderungen, sollten Sie immer einen Hautarzt aufsuchen.
- Wann haben Sie zum ersten Mal den Juckreiz verspürt? (z.B. nach einer Mahlzeit, einem Piercing, einer Medikamenteneinnahme, einem besonders stressigen Tag?)
- Leiden Sie ständig unter Juckreiz oder nur zeitweise?
- Tritt der Juckreiz am ganzen Körper oder nur an ausgewählten Körperpartien (Kopf, Arme, Beine etc.) auf?
- Gibt es in Ihrer Familie derzeit Fälle von Masern etc., leidet jemand an Neurodermitis?
- Leiden Sie unter Erkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen etc. oder stehen Sie unter besonders hohem Stress?
Diagnose und Medikamente bei Juckreiz
Ihr Arzt wird die Haut untersuchen, Abstriche machen und u.a. Blut abnehmen, um die Ursache des Juckreizes herauszufinden. Findet sich keine körperliche Ursache, können weitere Fachärzte (z.B. Neurologen) konsultiert werden. Das Ziel ist immer, die zugrunde liegende Ursache herauszufinden und zu therapieren. Der Juckreiz ist oft nur ein Symptom einer Erkrankung, doch auch gegen dieses unangenehme und belastende Symptom können Medikamente verordnet werden:
- Cortison gegen die Entzündung
- Antihistaminika (gegen eine überschießende Reaktion des Immunsystems)
- Phototherapie (Lichttherapie)
- Beruhigungsmittel (gegen Schlafstörungen)
- Psychosomatische Therapie (wenn die Ursachen des Juckreizes im seelischen Bereich liegen)
Juckreiz lindern – Tipps für den Alltag
Umschläge mit Rosmarintee, einen Wattebausch mit Kamillentee auf die juckende Stelle. Es gibt eine Fülle von Hausmitteln, mit denen Betroffene ihren Juckreiz lindern können. So zahlreich die Mittel sind, so vorsichtig sollten Sie mit neuen Methoden gegen den Juckreiz sein:
- Probieren Sie Umschläge mit Pflanzenextrakten etc. immer erst an einem kleinen Hautareal und nur kurze Zeit aus. Toleriert Ihre Haut diese Anwendung? Oder verschlimmern sich die Symptome, kommen gar neue hinzu?
- Auch bei verordneten Salben sollten Sie zunächst nur kleine Körperflächen behandeln. Gerade bei empfindlicher Haut müssen auch Ärzte und Therapeuten sich oft erst herantasten, um das richtige Mittel zu finden.
- Wenn Sie sich unsicher sind: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, ob eine Salbe, Tinktur etc. bei Ihrer Art des Juckreizes hilfreich sein kann.
Bei akutem Juckreiz
Nicht kratzen, sondern eher kühlen (z.B. mit Coolpacks oder kühlen Umschläge, aber auch durch kalte Duschen oder kühlende Lotionen)
Keine scharfen Gegenstände zum Kratzen verwenden
Fingernägel stets kurz schneiden und feilen, damit es beim Kratzen nicht zu Wunden kommt
Nachts leichte Handschuhe anziehen, damit das unbewusste nächtliche Kratzen möglichst schonend passiert
Die tägliche Körperhygiene
- Benutzen Sie regelmäßig, auf den Hauttyp abgestimmte Hautpflege-Produkte (z.B. Ölbäder bei trockener Haut)
- Seien Sie schonend bei der Körperhygiene (nicht zu heißes Wasser, nicht zu oft baden oder duschen, Vorsicht bei Intimhygiene-Produkten)
- Wechseln Sie Ihre Waschlappen häufig (für die Intimhygiene einen eigenen benutzen)
- Achten Sie bei Kosmetikprodukten auf rückfettende Cremes.
- Verzichten Sie auf Seife und Parfums
Schonendes Putzen und Reinigen
- Tragen Sie beim Hausputz Handschuhe
- Verwenden Sie milde Reinigungsmittel für Ihre Wohnung
- Verwenden Sie Waschmittel für besonders empfindliche Haut
Kleidung und Umgebung
- Tragen Sie möglichst leichte Bekleidung, z.B. aus Baumwolle und vermeiden Sie möglichst kratzige Stoffe
- Verzichten Sie auf lange Sonnenbäder und tragen Sie auch im Sommer lieber langärmelige Kleidung, um Ihre Haut zu schützen
- Bei trockener Heizungsluft kann ein Luftbefeuchter für Abhilfe sorgen
Bewusste Ernährung
- Verzichten Sie möglichst auf sehr scharfe, gut gewürzte und sehr heiße Speisen
- Trinken Sie nur mäßig Alkohol, denn er kann Juckreiz intensivieren
- Seien Sie vorsichtig bei Lebensmitteln wie Schokolade oder Hülsenfrüchten. Die wirken oft Juckreiz auslösend.
Seelische Entspannung
- Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation helfen bei Stress
- Akupunktur empfinden viele von Juckreiz Betroffene als sehr hilfreich
Hautirritationen durch Allergien, übertriebene Hygiene (zu häufiges Waschen, falsche Produkte) oder Neurodermitis? Die Ursachenforschung bei Hauterkrankungen ist langwierig, die Behandlung ist es auch. Doch auch, wenn sich nicht in allen Fällen eine Ursache herausfinden lässt – es gibt eine Fülle von Therapien, die das Leiden lindern.
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