Lumboischialgie - Symptome, Ursachen und Behandlung

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Bei einer Lumboischialgie handelt es sich um Beschwerden im unteren Rückenbereich, also im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS), die bis in die Füße ausstrahlen können. Hauptsymptome sind Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühle in den betroffenen Bereichen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, besteht jedoch meist in Schonung und der vorübergehenden Einnahme von Schmerzmitteln, sowie Physiotherapie. Besonders wichtig ist zusätzlich, dass Haltung und Bewegungsabläufe kontrolliert und Fehlhaltungen angepasst werden. In seltenen Fällen findet bei chronischen oder wiederkehrenden Beschwerden eine Operation statt.
Was ist eine Lumboischialgie?
Der Begriff Lumboischialgie setzt sich zusammen aus den Wörtern lumb(al) – die Lendengegend betreffend – und Ischialgie, abgeleitet von den griechischen Wörtern für Hüfte und Schmerz. Es handelt sich dabei um Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühle, die vom Rücken in die unteren Gliedmaßen ausstrahlen. Ein anderer Begriff für die Lumboischialgie ist lumbale Radikulopathie. Ursache für den Schmerz und die Empfindungsstörungen sind Reizungen einer oder mehrerer Nervenwurzeln, besonders im Versorgungsbereich des Nervus ischiadicus im Lendenbereich, welche in die unteren Extremitäten ausstrahlen können. Die Lumboischialgie ist ein spezifischer Rückenschmerz, der sich durch seine konkrete Ursache von den häufigeren unspezifischen Rückenschmerzen unterscheidet.
Die Schmerzen können betroffene Personen in ihrem Alltag so stark einschränken, dass sie nicht arbeiten können. Sowohl bei der Lumboischialgie als auch bei akuten, unspezifischen Rückenschmerzen sind 90 Prozent der betroffenen Menschen nach etwa sechs Wochen wieder dazu in der Lage, in ihrem Beruf zu arbeiten – nur 40 bis 60 Prozent sind zu diesem Zeitpunkt jedoch schmerzfrei.
Wie äußert sich eine Lumboischialgie?
Bei einer Lumboischialgie kommt es, abhängig von den betroffenen Nerven, zu verschiedenen Symptomen, darunter:
- Schmerzen
- Kribbeln
- Taubheitsgefühl
- Abschwächung oder Verlust von Reflexen wie dem Kniereflex
- Muskelschwäche bis hin zum Muskelabbau
Muskelschwächen äußern sich dabei zum Beispiel darin, dass Betroffene nicht mehr auf den Zehen oder der Ferse stehen oder keine Kniebeugen mehr ausführen können. Welche Muskeln und Bereiche betroffen sind, hängt davon ab, welche versorgenden Nerven Probleme bereiten. Ist die obere Lendenwirbelsäule betroffen, reichen Schmerz oder Taubheitsgefühl kaum bis in die Beine, ist jedoch ein Nerv im Bereich des Steißbeins betroffen, kann der ganze Fuß geschwächt sein.
Was verursacht Lumboischialgien?
Ursache für die Beschwerden einer Lumboischialgie ist in den meisten Fällen eine Reizung oder Verletzung der Nerven aufgrund eines Bandscheibenvorfalls, der meist zwischen Lendenwirkelkörper (LWK) 3,4 und 5 oder zwischen Lendenwirkbelkörper 5 und Kreuzbeinwirbelkörper 1 (SWK) auftritt. Häufig wird der Nerv durch umgebendes Gewebe zusammengedrückt.

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Weitere, seltenere Ursachen der Nervenreizungen sind:
- Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)
- Verengung des Nervenkanals im Rückenmark (Spinalkanalstenose)
- Brüche von Wirbeln
- Tumoren
- Infektionen
- Entzündungen
- Berufe, bei denen ein Fahrzeug geführt wird
- Häufiges Heben, insbesondere wenn dabei Drehbewegungen erfolgen
- Arbeit in der Schwerindustrie
- Rückenverletzungen
- Größere Körpergröße
- Rauchen
- Übergewicht
- Viel Sitzen und wenig Bewegung im Alltag
- Mehrere Schwangerschaften
Fortgeschrittenes Alter gilt als der größte Risikofaktor, daneben gibt es weitere Einflüsse, die das Risiko einer Lumboischialgie erhöhen. Dazu zählen unter anderem:
In einigen Fällen kann chronischer Husten zur Entstehung einer Lumboischialgie beitragen.
Wie wird die Diagnose Lumboischialgie gestellt?
Zur Diagnose einer Lumboischialgie erfragen die Ärztin oder der Arzt zunächst die Symptome und führen eine körperliche Untersuchung durch. Dabei überprüfen sie beispielsweise die Nervenreflexe oder die Muskelfunktion. Eine Gangbegutachtung kann helfen, Schwäche in der Bein- und Fußmuskulatur aufzudecken und elektrophysiologische Tests helfen dabei, die Nervenfunktion zu untersuchen.
Da viele Rückenschmerzen nach einigen Wochen von selbst zurückgehen, ist nicht immer eine bildgebende Untersuchung notwendig. Zusätzlich können Bandscheibenvorfälle symptomfrei verlaufen. Es kann in manchen Fällen also trotz sichtbarem Bandscheibenvorfall noch eine andere Ursache für die Schmerzen geben.
Wie sieht die Behandlung bei Lumboischialgie aus?
Die Therapie der Lumboischialgie beinhaltet meist die Reduktion von Belastung und Schmerzlinderung mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen. Zudem können auch Muskelrelaxantien wie Benzodiazepine verschrieben werden. Bettruhe ist nur in Ausnahmefällen empfehlenswert, wenn sich die betroffene Person aufgrund der Schmerzen nicht mehr bewegen kann. Bei sehr starken Schmerzen können Opioide zum Einsatz kommen, deren empfohlene Anwendung ist jedoch auf maximal vier bis zwölf Wochen begrenzt. In diesem Fall sollte jedoch dringend Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin gehalten werden.
Zur individuellen Therapie lassen sich mehrere Behandlungsmethoden miteinander kombinieren. Weitere mögliche Behandlungsoptionen sind:
- Physiotherapie und Rückenschule
- Elektrotherapie
- Verhaltenstherapie
- Injektionen von Schmerzmitteln oder Glukokortikoiden in den Schmerzbereich oder den Wirbelkanal, durch den das Rückenmark und seine Nerven verlaufen (Spinalkanal)
In besonders schweren Fällen oder bei bestimmten zugrundeliegenden Erkrankungen kann eine Einweisung ins Krankenhaus notwendig sein. Bei einem Großteil der Betroffenen kommt es dank einer solchen kurzfristigen Intensivtherapie zu einer anhaltenden Verbesserung der Beschwerden. Eine Operation ist nur dann angezeigt, wenn es zu schweren Problemen wie Lähmungen oder Ausfällen der Muskulatur kommt. Auf Wunsch der betroffenen Person kann eine Operation auch dann stattfinden, wenn trotz sechs- bis zwölfwöchiger Therapie keine Besserung eintritt und bildgebende Verfahren darauf schließen lassen, dass eine Kompression des Nervs durch den Eingriff behoben werden kann.
Was können Sie selbst bei einer Lumboischialgie tun?
Sollten Sie bei sich vermeidbare Risikofaktoren wie zu wenig Bewegung feststellen, ist es ratsam, nach Möglichkeiten zu suchen, um diese zu reduzieren. Nicht nur sportliche Betätigung generell, sondern auch der korrekte Bewegungsablauf ist dabei wichtig. Heben Sie im Berufsalltag oft schwer, lassen Sie sich in Hinblick auf rückenschonende Bewegungsmuster und die richtige Haltung beraten. Eine Physiotherapie[mp12.1] oder Rückenschule kann ebenfalls hilfreich sein, um Alltagsgewohnheiten aufzudecken und zu beheben, die zu Rückenschmerzen beigetragen haben.
Wer mögliches Übergewicht reduziert, entlastet die Gelenke ebenso wie den Rücken, weshalb die meisten Ärztinnen und Ärzte eine Gewichtsreduktion empfehlen. Informieren Sie sich bei Bedarf zum Beispiel über Methoden zur Ernährungsumstellung oder Bewegungsförderung.
Veröffentlicht am: 06.03.2026
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ICD Code(s)
ICD Codes sind Internationale statistische Klassifikationen der Krankheiten zu finden z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) oder Ärztebriefen.
- M51; M54
- Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte - https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2025/index.htm
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Quellen
[1] American Academy of Physical Medicine and Rehabilitation. Lumbar Radiculopathy. https://www.aapmr.org/about-physiatry/conditions-treatments/musculoskeletal-medicine/lumbar-radiculopathy
[2] Glocker FX. Lumbale Radikulopathie: Klinik steht vor Bildgebung. Dtsch Arztebl 2018;115(37):22. https://www.aerzteblatt.de/archiv/200309/Lumbale-Radikulopathie-Klinik-steht-vor-Bildgebung
[3] Pschyrembel. Online. Lumboischialgie. https://www.pschyrembel.de/Lumboischialgie/K00CM/doc/
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[9] S2k-Leitlinie Lumbale Radikulopathie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-058l_S2k_Lumbale_Radikulopathie_2018-04.pdf
[10] Alkhuja S. Cough Radiculopathy: Postinfectious Cough-Related Acute Lumbar Radiculopathy. Case Rep Med. 2020;2020:2360854.
[11] Opiode bei starken und dauerhaften Schmerzen https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/opioide
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