Thrombophlebitis - Therapie, Symptome und Ursachen

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Der Begriff Thrombophlebitis bezeichnet eine akute, nicht infektiöse Entzündung einer oberflächlichen Vene, erkennbar an Rötung, Erwärmung, Schwellung und Schmerzen. Ursache ist ein Blutgerinnsel, welches das Gefäß verstopft. Die Erkrankung entsteht vorwiegend an den Beinen und betrifft das weibliche Geschlecht häufiger als das männliche. Die Prognose der Thrombophlebitis ist gut: Die Symptome verschwinden innerhalb weniger Wochen. Behandlungsziel ist es, die Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu verhindern.
Was ist eine Thrombophlebitis?
Bei der Thrombophlebitis handelt es sich um die Entzündung einer oberflächlichen Vene. Krankheitserreger gelten hier nicht als Auslöser, sondern vielmehr ein Blutgerinnsel, welches das Gefäß verstopft. Bemerkbar macht sich die Erkrankung durch plötzlich auftretende Entzündungszeichen sowie strangförmige, knotige Verhärtungen. Sie betrifft meist sackartig erweiterte Venen in den Beinen, kann jedoch grundsätzlich überall im Venensystem vorkommen.
Wie äußert sich die Thrombophlebitis?
Charakteristisch für eine Thrombophlebitis ist das plötzliche Auftreten von Entzündungszeichen im Bereich der betroffenen Vene wie
- Schmerzen, Druckempfindlichkeit. Manchmal verursacht bereits das Anspannen der Muskulatur stechende Schmerzen.
- Schwellung, jedoch kein Anschwellen der betroffenen Gliedmaßen wie bei einer Wassereinlagerung (Ödem). Der Grund hierfür sind die Perforansvenen, die das oberflächliche mit dem unteren Venensystem verbinden. Bei der Thrombophlebitis kann das Blut über diese Verbindungsvenen in das tiefe Beinvenensystem abfließen.
- Rötung. Die Vene zeichnet sich als roter Strang auf der Haut ab.
- Überwärmung der Haut.
Abhängig von den Auslösern sowie dem Ort des Auftretens wird die Thrombophlebitis in verschiedene Formen eingeteilt. Die wichtigste sowie häufigste ist die Varikophlebitis, die etwa neun von zehn Personen betrifft. Sie entsteht an einem sackartig erweiterten Venenabschnitt, zum Beispiel einer Krampfader (Varize).
Die Infusionsthrombophlebitis bezeichnet oberflächliche Venenthrombosen, die durch Venenkatheter ausgelöst werden. Seltener sind die Thrombophlebitis migrans und Thrombophlebitis saltans. Typisch für diese Entzündungen sind etwa münzgroße Rötungen, die sich sprunghaft von Venenabschnitt zu Venenabschnitt bewegen (Thrombophlebitis saltans) oder sich entlang oberflächlicher Venen (Thrombophlebitis migrans) ausbreiten. Sie treten vor allem bei Menschen männlichen Geschlechts auf und werden durch Infekte, Autoimmunerkrankungen oder Tumoren ausgelöst. Eine weitere Sonderform ist die Mondor-Krankheit, bei der sich meist Venen im Brust- und Armbereich entzünden und einen schmerzenden, tastbaren, verhärteten Strang bilden.
Eine leichte Thrombophlebitis heilt meist nach ein bis zwei Wochen aus. Bei einer ausgeprägten oberflächlichen Venenthrombose kann es deutlich länger dauern, bis sie abgeklungen ist. Zudem besteht bei dieser das Risiko, dass der Thrombus in die tiefen Venen hineinwächst. Dann kommt es zu einem Verschluss tiefer Venen (tiefe Venenthrombose oder Phlebothrombose), der mit einer erhöhten Gefahr einer Lungenembolie einhergeht. Eine Zweitinfektion mit Bakterien sowie Abszesse sind selten.
Was verursacht eine Thrombophlebitis?
Drei Faktoren fördern die Entwicklung einer Thrombophlebitis:
- Veränderung der Blutzusammensetzung, beispielsweise aufgrund von Medikamenten
- Veränderung der Gefäße aufgrund von Verletzungen. Eine gesunde Zellschicht auf der Innenfläche der Blutgefäße (Endothel) verhindert das Anlagern und Ansammeln von Blutbestandteilen (Thrombozyten), die für die Blutgerinnung zuständig sind.
- Verminderte Strömungsgeschwindigkeit des Bluts aufgrund von Krampfadern oder Bettlägerigkeit. Dadurch können sich Blutplättchen zusammenlagern und dann an der Gefäßwand anheften.
In der Medizin werden diese drei Faktoren als Virchow-Trias bezeichnet. Dementsprechend wird das Risiko einer oberflächlichen Venenthrombose erhöht durch
- Höheres Lebensalter: Das Durchschnittsalter liegt bei 60 Jahren
- Rauchen
- Übergewicht
- Schwangerschaft, Wochenbett
- Zu wenig oder keine Bewegung, z. B. nach Operationen
- Krampfadern
- Verletzungen, z. B. nach Unfall, durch Kanülen oder Injektionen
- Gerinnungsstörungen
- Autoimmunerkrankungen
- Krebserkrankungen
- Einnahme oraler Kontrazeptiva (Pille)
- Selten: Infektionskrankheiten wie Syphilis, Tuberkulose, Tumoren und Krankheiten, die das ganze Organsystem befallen
- Selten: Insektenstich
Die Thrombophlebitis entsteht, wenn sich Blutplättchen an der Wand einer oberflächlichen Vene gehäuft anheften. Es bildet sich ein Blutgerinnsel, das das Blutgefäß verstopft. Wandern Entzündungszellen ein, macht sich dies durch typische Entzündungszeichen bemerkbar. Entsteht die Thrombose bei gesunden Venen, ist sie dagegen oft die Folge der Entzündung.
Oft tritt die Thrombophlebitis an oberflächlichen Beinvenen auf, da hier häufig kleine Gefäßverletzungen vorliegen. Enge Kleidung, Schienbeinschoner, ein kräftiger Stoß gegen das Bein sowie Ruhigstellung (Immobilisation) erhöhen das Risiko weiter.
Eine Venenentzündung an den Armen ist häufig die Folge von lange liegenden Verweilkanülen oder Injektionen von Wirkstoffen, welche die Venenwände reizen. Daher haben Menschen, die Drogen über eine Nadel konsumieren ein erhöhtes Risiko für eine Thrombophlebitis. Neben den Extremitäten können zudem oberflächliche Venen anderer Körperbereiche betroffen sein wie Hals, Bauchdecke, Brustkorb oder Penis.
Wie wird die Diagnose Thrombophlebitis gestellt?
Erste Anlaufstelle für Menschen mit Venenproblemen ist die hausärztliche Praxis. Von hier aus kann nach ersten Untersuchungsschritten eine Überweisung an eine auf Venenerkrankungen spezialisierte Fachpraxis erfolgen.
Damit sich das medizinische Personal ein Bild von der betroffenen Person sowie den Beschwerden machen kann, erkundigt es sich zunächst nach der Krankengeschichte (Anamnese). So wird die betroffene Person beispielsweise gefragt,
- welche Beschwerden bestehen.
- ob Risikofaktoren vorliegen, z. B. ob sie raucht, Drogen nimmt und wie oft sie sich bewegt.
- ob Krampfadern bestehen.
- ob es behandlungsbedürftige Erkrankungen gibt.
- ob es in der Vergangenheit bereits zu einer Venenentzündung gekommen ist.
- ob sie Medikamente wie orale Kontrazeptiva einnimmt.
- ob invasive Eingriffe am Venensystem vorgenommen, Injektionen verabreicht oder Venenverweilkanülen gelegt wurden.
Oft ist es für das medizinische Personal auch interessant zu wissen, ob nahe Verwandte bereits an einer Thrombophlebitis oder an einer anderen Venenerkrankung erkrankt sind. Damit kann die Anamnese erste Hinweise auf den Auslöser der Thrombophlebitis liefern.
Anschließend folgt die körperliche Untersuchung, für die das ärztliche Gegenüber die betroffenen Gliedmaßen begutachtet. In der Regel ist die Thrombophlebitis aufgrund der typischen Symptome eindeutig zu erkennen und stellt damit eine Blickdiagnose dar. Charakteristisch ist auch ein verhärteter Venenstrang, der nur auf einer Seite des Körpers vorkommt. Manchmal ordnet das medizinische Personal eine Blutuntersuchung an, da sich anhand der Entzündungswerte andere Erkrankungen ausschließen lassen.
Dem schließt sich die apparative Diagnostik an, die häufig in einer auf Venenerkrankungen spezialisierten Fachpraxis erfolgt. Die wichtigste Methode ist der Ultraschall, mit dem sich Größe und Lage des Blutgerinnsels bestimmen lassen. Dies ist für die nachfolgende Therapie wichtig. Gleichzeitig wird mit der Methode überprüft, ob tiefe Venen ebenfalls durch ein Blutgerinnsel verstopft sind (tiefe Thrombose). Manchmal sind weitere Untersuchungen wie eine Computertomografie oder eine Krebsfrüherkennungsuntersuchung notwendig, um mögliche Auslöser wie einen Tumor auszuschließen oder zu bestätigen.
Wie sieht die Behandlung bei Thrombophlebitis aus?
Die Therapie hängt von der Form der Erkrankung, der Lage sowie Ausprägung des Blutgerinnsels ab. Liegt eine kleinere oberflächliche Venenthrombose vor, genügt es, den Bereich zu kühlen und Kompressionsbekleidung wie Strümpfe oder Armlinge zu tragen. Dies lindert die Beschwerden, beschleunigt die Heilung und wirkt einer tiefen Venenthrombose entgegen. Zusätzlich können Salben mit schmerzlindernden, entzündungshemmenden Wirkstoffen angewendet werden wie Diclofenac und Heparin. Zudem sind Tabletten mit der gleichen Wirkung verfügbar.
Bei einer frischen Thrombophlebitis kann eine Stichinzision sinnvoll sein. Hierbei wird die Vene durch einen oder mehrere kleine Einschnitte geöffnet und das Blutgerinnsel entfernt. Wurde die Thrombophlebitis von einem Katheter ausgelöst, muss dieser entfernt werden. Antibiotika sind in der Regel nicht erforderlich.
Bei oberflächlichen Venenthrombosen, die länger als fünf Zentimeter sind und sich nicht in der Nähe des tiefen Venensystems befinden, wird der betroffenen Person ein Medikament injiziert, welches die Gerinnung hemmt. Liegt das Blutgerinnsel nahe einer Einmündung in eine tiefere Vene, wird die Thrombophlebitis wie eine tiefe Beinvenenthrombose behandelt. In einigen Fällen wird der Thrombus in einem operativen Eingriff entfernt.
Was können Sie selbst bei Thrombophlebitis tun?
Die Thrombophlebitis ist eine häufige Erkrankung, die bei rechtzeitiger und konsequenter Therapie normalerweise innerhalb ein bis zwei Wochen vollständig ausheilt. Die Vene kann allerdings noch monatelang als derber Strang tastbar sein. Wichtig ist es, sich während der Entzündung möglichst viel zu bewegen. Dies aktiviert die Muskelpumpe und verhindert, dass sich das Blutgerinnsel in die tiefen Venen ausbreitet. Im Sitzen finden es betroffene Personen häufig angenehm, die Beine hochzulegen. Zudem können kalte Umschläge die Schmerzen lindern. Längeres Stehen sollten Menschen mit Thrombophlebitis vermeiden.
Vorbeugen lassen sich oberflächliche Venenthrombosen durch einen „venengesunden Lebensstil“. Hierzu zählen beispielsweise flache Schuhe, keine Kleidung, die im Beckenbereich oder Leistengegend einschnürt, sowie das Abbauen von Übergewicht. Zudem ist es wichtig, sich viel zu bewegen. Wer im Beruf viel sitzen muss, sollte darauf achten, dass der Stuhl nicht auf die Schenkelunterseite und Kniekehlen drückt, und bei langem Stehen empfiehlt es sich, abwechselnd in den Zehen- und Fersenstand zu gehen. Beinbeschwerden lassen sich zudem durch das kalte Abduschen der Beine lindern beziehungsweise vorbeugen. Da der häufigste Auslöser einer Thrombophlebitis ein Krampfaderleiden ist, sollte dieses frühzeitig behandelt werden.
Veröffentlicht am: 26.05.2026
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ICD Code
ICD Codes sind Internationale statistische Klassifikationen der Krankheiten zu finden z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) oder Ärztebriefen.
- I80
- Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte - https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2025/index.htm
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Quellen
[1] Deximed Hausarztwissen. Oberflächliche Venenthrombose (Thrombophlebitis). https://deximed.de/home/klinische-themen/herz-gefaesse-kreislauf/patienteninformationen/gerinnungserkrankungen/venenthrombose-oberflaechliche-thrombophlebitis
[2] Deximed Hausarztwissen Oberflächliche Venenthrombose (Thrombophlebitis). https://deximed.de/home/klinische-themen/herz-gefaesse-kreislauf/krankheiten/thromboembolische-erkrankungen/Venenthrombose-oberflaechliche-thrombophlebitis
[3] Pschyrembel. Online. Thrombophlebitis. https://www.pschyrembel.de/Thrombophlebitis/K0MHJ
[4] Moll, I. Duale Reihe Dermatologie. Thieme 9. Auflage (2024)
[5] Thrombophlebitis. Thieme via medici (2023). https://viamedici.thieme.de/lernmodul/5019839/4958413/thrombophlebitis#n2ea7def723620ab3
[6] Ackermann, H., et al. AllEx -Alles fürs Examen. Thieme 2. Auflage (2014)
[7] Sterry, W. Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme 3. Auflage (2022)
[8] Baenkler, H. Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme 4. Auflage (2021)
[9] ÄrzteZeitung. Thrombophlebitis – Alles andere als harmlos! https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Thrombophlebitis-Alles-andere-als-harmlos-298644.html
[10] Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie. Oberflächliche Venenthrombose. https://www.phlebology.de/patienten/venenkrankheiten/oberflaechliche-venenthrombose/
[11] Bundesministerium für Gesundheit. Lungenembolie. https://gesund.bund.de/lungenembolie
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