Kribbeln in den Händen und Beinen - Ursachen und Behandlung

Schnelleinstieg in unsere Themen
Beim Kribbeln handelt es sich um eine Empfindungsstörung der Haut, der keine äußere Reizung zugrunde liegt. Es gibt verschiedene Formen von Kribbeln und viele mögliche Ursachen. Manchmal geht es schnell vorüber, wie bei eingeschlafenen Beinen. In anderen Fällen, zum Beispiel bei bestimmten Nervenerkrankungen, kann es jedoch immer wieder auftreten oder chronisch sein. Die Ausprägung des Symptoms reicht von einem Gefühl, als ob Hunderte von Ameisen über die Haut laufen, bis hin zu Taubheit oder Schmerzen. Das Kribbeln kann in verschiedenen Körperteilen wie Füßen, Händen, Gesicht oder Beinen vorkommen. Je nach Ursache empfinden es einige Menschen an der Hautoberfläche, andere tief im Gewebe. Häufig ist der Grund für das Kribbeln eher harmlos, es kann aber auch ein ernsthaftes Alarmsignal des Körpers sein. Die Behandlung hängt von der individuellen Ursache ab.
Wie äußert sich das Kribbeln?
Einige Betroffene beschreiben das Kribbeln in Händen oder Beinen als eine Art Ameisenlaufen. Andere fühlen eher ein Prickeln oder Brennen. Manchmal entwickelt sich aus dem Kribbeln ein Taubheits- oder Schwellungsgefühl, es können aber auch (z. B. stechende) Schmerzen folgen. Zudem kann sich die Sensibilitätsstörung als Wärme- oder Kälteempfinden äußern.
Was verursacht das Kribbeln?
Die Ursache für das Kribbeln ist oft eine Überaktivität der sogenannten sensiblen Nerven, die in der Haut enden. Sie leiten Reize von den Rezeptoren in der Haut zum Gehirn weiter. Ist kein äußerer Reiz für die Missempfindung erkennbar, sprechen Fachleute von einer Parästhesie. Sie kann überall am Körper auftreten. Auch durch eine fehlende Reizweiterleitung tritt häufig ein Kribbeln auf. In dem Fall fühlt sich das Körperteil taub an.
Es gibt viele verschiedene Gründe für Kribbeln in den Extremitäten, dazu zählen:
- Durchblutungsstörungen beispielsweise durch Kälte oder die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
- Nervenschäden (Polyneuropathie), z. B. als Spätfolge von Diabetes mellitus, Alkohol- oder Nikotinsucht
- Nährstoffmangel (durch zu wenig Eisen, Folsäure oder B-Vitaminen)
- Krampfadern
- Restless-Legs-Syndrom (RLS), eine neurologische Erkrankung, u. a. mit unruhigen Beinen und Missempfindungen tief im Gewebe
- Wirbelsäulen-Erkrankungen
- Tarsal- oder Karpaltunnelsyndrom mit Einengung der Bein- oder Armnerven
- Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) oder Parkinson
- Psychische Probleme, beispielweise verbunden mit Angst- und Panikattacken
Zu den Rücken-Problemen kann es beispielsweise durch Bandscheibenvorfälle oder Spinalkanalstenosen kommen. Letzteres ist einer Verengung des Wirbelkanals. In beiden Fällen kommt es oft zu Reizungen der Nerven oder des Rückenmarks. Liegen die Nervenreizungen in der Halswirbelsäule vor, treten die Symptome manchmal in den Händen oder Fingern auf. Ist die Lendenwirbelsäule betroffen, ziehen die Schmerzen teilweise bis in die Beine und Füße. Dort empfinden Betroffene dann häufig Kribbeln und Taubheitsgefühle. Der Ischias entspringt dem unteren Bereich der Wirbelsäule und verzweigt sich in den Beinen bis zu den Füßen. Durch eine Reizung dieses Nervs (Ischialgie) kann es zu Kribbeln, Schmerzen oder Taubheit in den Beinen kommen.
Eine weitere mögliche Ursache für beeinträchtigte Nervenfunktionen sind starke, anhaltende Muskelverspannungen sowie verklebte Faszien, welche als Bindegewebe unter anderem die Muskeln umgeben. Die hohe Anspannung beziehungsweise Verhärtung der Muskeln und Faszien entsteht oft durch einseitige Bewegungen oder Haltungen im Alltag. Wer stundenlang nur sitzt, steht oder seinen Rücken mit schwerem Heben überlastet, erlebt ebenfalls häufiges Kribbeln und Schmerzen in den Beinen.
Durch langes Tippen auf der Tastatur oder Bedienen der Maus am Computer sowie bei bestimmten, sich ständig wiederholenden handwerklichen Tätigkeiten, kann es zu Kribbeln oder Taubheit in den Händen kommen. In einigen Fällen handelt es sich dabei um ein Karpaltunnelsyndrom. Den Betroffenen kribbeln vor allem morgens oder nachts schmerzhaft die Fingerspitzen, sie können sich aber auch taub anfühlen. Zudem ist es möglich, dass die Missempfindungen in den Händen von Schmerzen in der Schulter herrühren. Mediziner fassen verschiedene Arten von Schulterproblemen unter dem Begriff Schulter-Arm-Syndrom zusammen. Dabei sind Nerven beeinträchtigt, die zwischen Wirbelsäule, Schulter und Hand verlaufen.
Wann sollte ärztlicher Rat eingeholt werden bei Kribbeln?
Es ist ratsam, sich ärztlichen Rat einzuholen, wenn das Kribbeln:
- stark ausgeprägt ist und zu Lähmungserscheinungen führt,
- länger als ein paar Minuten anhält oder immer wiederkehrt,
- bei Diabetes mellitus auftritt oder
- neu und ohne ersichtlichen Grund vorkommt.
Wie wird Kribbeln behandelt?
Der Arzt wird zunächst nach den genauen Symptomen und eventuellen Vorerkrankungen sowie der Einnahme von Medikamenten fragen. Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung, bei der er die Sensibilität der Haut auf Berührungen testet. Je nach Ursache überweist der Hausarzt die Person zum Facharzt wie einem Neurologen oder Orthopäden.
Je nach vermutetem Befund setzt das Fachpersonal dann Blutuntersuchungen und/oder bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Kernspintomographie (MRT) ein. Bei orthopädischen Problemen als Ursache verschreiben Ärzte oft Physiotherapie.
Es gibt einige Medikamente, die Mediziner bei nervlich bedingtem Kribbeln oder Schmerzen einsetzen können. Dazu zählen Antiepileptika (z. B. Pregabalin, Gabapentin), L-Dopa oder Dopaminagonisten (z. B. Pramipexol, Ropinirol) bei RLS, Antidepressiva und Schmerzmittel.
Was können Sie selbst bei Kribbeln tun?

Was gegen Kribbeln in Armen oder Beinen hilft, hängt ganz von der individuellen Ursache ab. Es ist ratsam, die Behandlung vorher mit einem Arzt oder einem Physiotherapeuten abzustimmen.
- Gegen das RLS hilft kurzfristig Bewegung.
- Bei Verspannungen der Muskulatur sind Dehn- und Entspannungsübungen sowie Wärmeanwendungen ratsam.
- Die Durchblutung können Sie mithilfe von Wechselduschen oder Massagen anregen.
- Einigen Menschen tut es gut, sich kalte Umschläge um die Beine zu legen.
- Bei Problemen mit den Beinvenen können Kompressionsstrümpfe Abhilfe schaffen.
- Einen Nährstoffmangel können Sie häufig durch eine ausgewogene Ernährung beseitigen.
- Vermeiden Sie zu viel Stress und einseitige Bewegungen oder Fehlhaltungen im Alltag. Wer viel sitzt, kann bewegte Pausen einsetzen. Bei langem Stehen können Dehnübungen der Waden helfen.
Veröffentlicht am: 05.10.2026
____________________________________________________________________________________________________________________________
Quellen
[1] Pschyrembel. Online. Parästhesie. https://www.pschyrembel.de/Par%C3%A4sthesie/K0G9L
[2] Liebscher & Bracht Schmerzfrei GmbH: Kribbeln in den Beinen – Taubheitsgefühl und Ameisenlaufen haben viele Ursachen. https://www.liebscher-bracht.com/schmerzlexikon/kribbeln-in-den-beinen/
[3] Liebscher & Bracht Schmerzfrei GmbH: Kribbeln in den Händen und Kribbeln in den Fingerspitzen. https://www.liebscher-bracht.com/schmerzlexikon/kribbelnde-haende/
[4] MedlinePlus: Numbness and tingling. https://medlineplus.gov/ency/article/003206.htm
[5] Springer Medizin: Quälende Unruhe: Das Restless-Legs-Syndrom. https://www.springermedizin.de/restless-legs-syndrom/l-dopa/quaelende-unruhe-das-restless-legs-syndrom/18354848?fulltextView=true&doi=10.1007%2Fs15006-020-1214-0 (nur mit Login verfügbar)
[6] Deutsche Apotheker Zeitung (DAZ): Was steckt eigentlich hinter … Parästhesien? https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2009/daz-40-2009/was-steckt-eigentlich-hinter-paraesthesien
[7] Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Faszien und Fasziensystem. https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/koerper/bewegungsapparat/faszien.html
Das könnte Sie auch interessieren
Unsere Qualitätssicherung

„Die Beratung unserer Kunden auf höchstem pharmazeutischem Standard und damit jeden Tag zu Ihrer individuellen Gesundheit beizutragen ist mir ein Herzensanliegen und ist essentieller Bestandteil meiner täglichen Arbeit.“
Als Senior Expert im Bereich Pharma Service steht Louisa Wehleit hinter unseren Ratgebern. Hier vermitteln wir umfassendes Wissen im Bereich Wohlfühlen und Gesundheit. Mit unserem Ratgeber können Sie sich umfassend zu verschiedenen Gesundheitsthemen informieren und auf wertvolle Apotheker-Tipps zurückgreifen.






