Moorbad – warm, entspannend, natürlich

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Zusammenfassung
Bei einem Moorbad handelt es sich um ein warmes Bad in einer Mischung aus Torf und warmem Wasser. Die Wirkung beruht auf der Fähigkeit des Moors, Wärme zu speichern und langsam sowie gleichmäßig an den menschlichen Körper abzugeben. Auch der hohe Druck sowie die entzündungshemmenden Inhaltsstoffe tragen zu dem positiven Effekt bei. Das Moorbad kommt bei den unterschiedlichsten Krankheiten zum Einsatz, insbesondere bei rheumatischen Erkrankungen, Abnutzungserscheinungen an den Gelenken sowie gynäkologischen Beschwerden. In einigen Fällen sollten betroffene Personen allerdings Abstand von einem Bad in dem Torf-Wasser-Gemisch nehmen.
Was ist ein Moorbad?
Das Moor ist ein sumpfähnliches Gelände, dessen Boden aus abgestorbenen und zusammengepressten Pflanzenteilen besteht. Dieser unter dem Namen Torf bekannte, erdähnliche Humus kommt in Europa seit mehr als zweihundert Jahren unter anderem in Form von Moorbädern therapeutisch zur Anwendung.
Moor ist nicht gleich Moor
Torfmoore entstehen, wenn der Abbau von Pflanzenresten im nassen Gelände aufgrund einer sauerstoffarmen Umgebung nur unvollständig erfolgt. Abhängig von den Bedingungen lassen sich grundsätzlich zwei Arten unterscheiden: Nieder- und Hochmoore. Erstere bilden sich in flachen, stehenden oder nur langsam strömenden Gewässern, beispielsweise in verlandeten Seen, in feuchten Senken, Mulden oder in Flussniederungen. Im Gegensatz dazu entstehen Hochmoore in Gebieten mit feuchtem Klima oberhalb des Grundwasserspiegels. Ihren Wasserbedarf decken sie aus Regenwasser. Hochmoore bestehen hauptsächlich aus Torfmoosen und wachsen pro Jahr etwa einen Millimeter. Die Inhaltsstoffe von Hoch- und Niedermooren unterscheiden sich voneinander.
Torf besitzt die Eigenschaft, Wärme zu speichern und diese anschließend schonend sowie kontinuierlich an die Umgebung abzugeben. Wasser beispielsweise kühlt im Vergleich zum Moor zwischen fünf- und 15-mal schneller ab. Am Menschen angewandt, gelangt die Wärme des Torf-Wasser-Gemischs langsam sowie stetig in tiefere Gewebeschichten. Da das Moor mehr Wärme auf kältere oder schlechter durchblutete Areale überträgt, als auf bereits aufgewärmte Bereiche, erwärmt sich der Körper gleichmäßig. Insgesamt steigt die Körpertemperatur bei einem 20-minütigen Bad in der Regel um zwei Grad Celsius. Gleichzeitig wirkt das Moorbad aufgrund der enthaltenen Gerbstoffe, Huminsäure, Eisen- und Aluminiumionenverbindungen entzündungshemmend, blutungsstillend sowie antibakteriell auf die Haut. Des Weiteren enthält Torf Substanzen, die ähnlich dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen wirken. Diese stammen aus den Pollen der Moorpflanzen. Ob sie beim menschlichen Körper eine Wirkung erzielen, ist unklar.
Wann kann ein Moorbad helfen?
Moorbäder können sich auf verschiedene Weise positiv auf den menschlichen Körper auswirken:
- Die Wärme aus dem Torf führt dazu, dass sich die Blutgefäße erweitern. Dadurch steigt die Durchblutung.
- Schmerzen können abnehmen. Grund hierfür ist, dass Wärme Nervenzellen oder -enden, die auf Schmerzen reagieren, unempfindlicher macht.
- Durch die Wärme verringert sich die Zähigkeit von Körperflüssigkeiten. Beispielsweise fließt die Gelenkflüssigkeit besser, sodass Gelenksteifigkeit abnimmt.
- Der hohe Auftrieb des Moors entlastet die Bänder und Gelenke während der Badezeit.
- Sehnen, Bänder und Faszien werden flexibler und lassen sich besser dehnen.
- Muskeln entspannen sich durch die Wärme.
- Das Bad regt das Herz-Kreislauf-System
- Es erfolgt eine Aktivierung des neuroendokrinen Systems, welches Nerven- und Hormonsystem miteinander verbindet.
- Das warme Torf-Wasser-Gemisch beeinflusst das Immunsystem.
- Es kommt bei den meisten Anwendenden zu einer allgemeinen Beruhigung.
Die hohe Zähigkeit des Moorbads (Viskosität) erschwert zudem Bewegungen und verlangsamt diese. Mit entsprechenden Übungen lassen sich daher gezielt bestimmte Muskelgruppen kräftigen oder neue Bewegungsmuster erlernen.
Medizinische Fachkräfte verschreiben Moorbäder vor allem bei rheumatischen Erkrankungen und Abnutzungserscheinungen der Gelenke, beispielsweise bei:
- Arthrose, der häufigsten Gelenkerkrankung. Typische Beschwerden sind Schmerzen und Steifigkeit in den betroffenen Gelenken.
- Rheumatoider Arthritis. Die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung macht sich durch Schmerzen in den Finger- und Zehengelenken bemerkbar. Sie schwellen an und sind morgens nur schwer beweglich.
- der chronischen Schmerzerkrankung Fibromyalgie.
- Spondylarthritiden, die vor allem die Gelenke der Wirbelsäule betreffen. Hierzu zählen beispielsweise Morbus Bechterew und Wirbelsäulenerkrankungen, die im Zusammenhang mit Schuppenflechte oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung auftreten.
Des Weiteren helfen Moorbäder häufig bei
- Muskelverspannungen, Hexenschuss
- Gynäkologischen Problemen wie Menstruationsbeschwerden, Beschwerden aufgrund der Menopause, Unfruchtbarkeit (Sterilität) bei Personen mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen sowie Ovarialinsuffizienz, bei der die Eierstöcke nicht oder nur unzureichend funktionieren.
- Osteoporose, bei der die Knochen leicht brechen.
- Systemischer Sklerose. Bei dieser Erkrankung bildet sich zu viel Kollagen, sodass Haut und Organe verhärten.
- Nervenschmerzen wie Ischias-Schmerzen.
- Schmerzen aufgrund von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, des Harn- oder Geschlechtsapparats.
- Verletzungen am Bewegungsapparat.
- Depressionen.
- Abgeschlagenheit oder
- Burn-out-Syndrom sowie zur Stressbewältigung. Laut einer Studie verbessert ein ganzheitliches Programm, bestehend aus Moorbädern, Bewegung, Entspannungstechniken und Vermittlung von Wissen, sowohl die emotionale Erschöpfung als auch die Stressbelastung.
Wie wird ein Moorbad durchgeführt?
Das Moorbad besteht aus einer Mischung aus Torf und heißem Wasser – meist handelt es sich um örtliches Heil- oder Quellwasser. Es hat eine breiige Konsistenz und ist zwischen 40 und 46 Grad Celsius warm. Grund für die höhere Temperatur ist, dass Moorbäder Wärme langsamer abgeben als Wasser. Für die Anwendung setzen sich die Personen unbekleidet in eine komplett mit dem Gemisch gefüllte Wanne (Vollbad). Möglich sind auch Dreiviertelbäder, bei denen Wasser und Torf bis zur Brust der oder des Badenden reichen, sowie Halb- oder Sitzbäder. Bei diesen ist die Wanne nur halb gefüllt, sodass das Wasser etwa bis zur Gürtellinie reicht. Dieses ist weniger belastend für den Körper und eignet sich für Menschen, die kein Vollbad nehmen dürfen.
Die Länge des Moorbads richtet sich nach der Kreislaufsituation der Badenden, sollte jedoch etwa 20 bis 30 Minuten betragen. Ebenso wichtig für den Therapie-Effekt wie das Bad ist die anschließende Nachruhe, für die die Person sich in Tüchern eingepackt eine halbe Stunde lang entspannt. Dadurch kommt der Körper wieder auf Normaltemperatur, und der Kreislauf erholt sich.
Welche Risiken bestehen bei einem Moorbad?
Das Moorbad übt auf die oder den Badenden einen gewissen Druck (hydrostatischer Druck, Schweredruck) aus. Dieser kommt durch das Gewicht des Torf-Wasser-Gemischs sowie der darüber liegenden Luft zustande und ist größer als der von Wasser. Dieser Schweredruck hat auf den menschlichen Körper verschiedene Auswirkungen:
- Die Menge an Sauerstoff und Kohlendioxid, die die Badenden pro Minute ein- und ausatmen, sinkt.
- Die Kraft, welche am Ende der Füllungsphase die Wände der Herzkammer dehnt, steigt an.
- Die Blutmenge, die das Herz pro Zeitspanne vom Herzen wegpumpt, nimmt zu.
Aus diesen Gründen belastet ein Vollbad das Herz-Kreislauf-System, weswegen Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Thrombosen vorher ärztlichen Rat einholen sollten. Ältere Menschen oder Personen, die unter Schwindel leiden, sollten nur baden, wenn ihnen jemand beim Aussteigen aus der Wanne helfen kann.
Was ist bei einem Moorbad zu beachten?
Personen, die einen der folgenden Aspekte an sich beobachten, sollten auf Moorbäder verzichten, da die Anwendung in diesem Fall gefährlich werden könnte:
- Überempfindlichkeit beziehungsweise Allergien gegen Naturmoor
- Allergische Reaktionen der Haut auf Wärme (Wärmeurtikaria)
- Schwangerschaft
- Hauterkrankungen
- Sensibilitätsstörungen der Haut
- Offene Verletzungen, Blutungen
- Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzschwäche ab NYHA-Stadium 3. Beschwerden treten bei den betroffenen Personen bereits bei alltäglicher Belastung auf.
- Schwellungen, Ödeme
- Respiratorische Insuffizienz. Bei dieser Erkrankung kann die Lunge nicht mehr genügend Sauerstoff aufnehmen.
- Akute chronische Entzündungen, akute Entzündungen im Genitalbereich
- Fieber
- Gefäßerkrankungen, Durchblutungsstörungen der Haut
- Tuberkulose und andere Infektionskrankheiten
- Die Unterleibserkrankung Endometriose
- Dies sind Wucherungen in der Muskelschicht der Gebärmutter.
- Erkrankungen, die mit einer Immunschwäche einhergehen
- Aktuelle Krebserkrankungen
Veröffentlicht am: 05.03.2026
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Quellen
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