Welche Behandlungsmöglichkeiten bei Adipositas gibt es?


Von Diät zu Diät zu Diät: Das Gewicht zu reduzieren – das haben viele Menschen mit Adipositas schon vielfach und oft auch vergeblich versucht. Doch die Therapieoptionen gehen über Diäten allein hinaus: Umfangreiche Ernährungstherapie, Bewegung, Gesundheits-Apps sowie Medikamente oder Operationen können kombiniert werden, um Sie beim Abnehmen zu unterstützen. Denn: Eine medizinische Begleitung ist kein Zeichen fehlender Willenskraft, sondern kann ein wichtiger erster Schritt sein.
Abnehmen mit Adipositas ist eine große Herausforderung, bei der medizinische Unterstützung häufig ein entscheidender Faktor für ein gesundes, langfristiges Ergebnis ist. Es stehen viele Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die sich je nach Vorerkrankung, Alter, Gewicht und individuellen Wünschen kombinieren lassen, um einen Therapierfolg zu erzielen.
Wichtig zu wissen: Adipositas ist eine chronische Erkrankung mit vielen verschiedenen Ursachen – und: Adipositas ist behandelbar.1
Die eigenen, zum Teil über Jahre hinweg eingeschliffenen Lebensgewohnheiten zu ändern, kann mitunter herausfordernd sein. Im Hinblick auf die Ernährung reicht eine Diät für gewöhnlich nicht aus. Diäten sind meist nur kurzfristig umsetzbar und bergen das Risiko eines Jojo-Effekts. Zudem begünstigen kurzfristige, strenge Diäten Nährstoffmängel und Folgeerkrankungen wie Gallensteine. 2
Stattdessen hilft eine dauerhafte Anpassung der Ernährung. Eine Ernährungsberatung kann dabei unterstützen, neue Gewohnheiten in den Alltag zu integrieren. 2 Zudem wird dort ein Ernährungsplan entwickelt, der sicherstellt, dass Sie zum einen weniger Kalorien aufnehmen – wodurch ein Kaloriendefizit entsteht – und zum anderen alle wichtigen Nähr- und Ballaststoffe zu sich nehmen. Eine angepasste Ernährung ist dabei stets ein wichtiger Teil einer Therapie. Eine Ernährungsberatung erfolgt einzeln oder in Gruppen.1
Eine weitere wichtige Säule für ein reduziertes Körpergewicht ist mehr Bewegung, denn sie hilft, den Energieverbrauch zu erhöhen. Dabei reichen häufig bereits zwischen einer halben und einer Stunde Bewegung pro Tag aus, um einen Unterschied zu machen.1 Vorab ist eine ärztliche Untersuchung empfehlenswert, um mögliche Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme oder Gelenkbeschwerden zu erkennen und eine passende Sportart zu finden.2
Bei bereits bestehenden Gelenkbeschwerden oder starkem Übergewicht eignen sich besonders gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren. Je nach Vorliebe und individuellen Voraussetzungen eignen sich außerdem zahlreiche körperliche Betätigungen, zum Beispiel:
Gymnastik,
Wandern,
Krafttraining,
Ballsportarten oder
Wintersport.2
Neben gezieltem Sport hilft auch mehr Bewegung im Alltag, das Gewicht zu reduzieren. Zum Beispiel:
Spazierengehen bzw. Wege zu Fuß gehen statt Autofahren,
die Treppe statt des Aufzugs oder
Gartenarbeit.2
Abseits von der potenziellen Gewichtsreduktion ist mehr Bewegung auch gesund für das Herz-Kreislauf-System. Sie trägt dazu bei, den Blutdruck zu senken und wirkt sich positiv auf die psychische Gesundheit aus.1
Bei Adipositas ist eine Operation in der Regel nur eine Option, wenn andere Therapien nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben und ein starkes Übergewicht vorliegt.2 Dies ist der Fall bei einem Body-Mass-Index (BMI) von über 35 und zusätzlichen Erkrankungen wie Diabetes oder bei einem BMI von mindestens 40.2,3
Die Eingriffe reduzieren dabei meist das Fassungsvermögen des Magens, sodass das Sättigungsgefühl früher einsetzt.3
Eine Operation kann unter Umständen Komplikationen oder Folgebeschwerden verursachen. Regelmäßige Kontrollen in einer ärztlichen Praxis sind in der Regel notwendig.1,2 Außerdem ist es nicht mehr möglich, wie gewohnt zu essen, was eine radikale und mitunter belastende Umstellung bedeutet.3 Auch nach dem Eingriff bleiben Ernährung und Bewegung wichtige Säulen der Therapie.3
Wenn Anpassungen bei Ernährung und Bewegung keinen Erfolg bringen, ist eine zusätzliche medikamentöse Behandlung eine mögliche Option. Die dazu eingesetzten Wirkstoffe beeinflussen dabei meist das Sättigungs- beziehungsweise Hungergefühl und unterstützen so die Gewichtsreduktion.2
Die „S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas“, eine wissenschaftliche Zusammenfassung der aktuellen Behandlungsempfehlungen für Ärztinnen und Ärzte, empfiehlt eine medikamentöse Therapie für Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30 kg/m², oder ab 27 kg/m² für Menschen mit besonderen Risikofaktoren oder Vorerkrankungen – immer in Kombination mit Lebensstil-Anpassungen. Der Body-Mass-Index allein ist nicht ausschlaggebend dafür, welche Therapieoption die richtige ist.
Ob ein Medikament infrage kommt, welcher Wirkstoff geeignet ist und was bei der Einnahme zu beachten ist, lässt sich in einer ausführlichen ärztlichen Beratung klären.2
Welche Behandlung zu Ihnen passt, hängt unter anderem von Ihren gesundheitlichen Zielen, möglichen Begleiterkrankungen und bisherigen Erfahrungen ab. Vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin oder vereinbaren Sie eine Videosprechstunde und sprechen Sie an, was Ihnen wichtig ist. Notieren Sie vorher, was Sie erreichen möchten und welche Maßnahmen Sie bereits ausprobiert haben. Halten Sie außerdem eine Liste Ihrer derzeit verwendeten Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel bereit. So können Sie gemeinsam die nächsten Schritte festlegen und mögliche Wechselwirkungen berücksichtigen.
Artikel veröffentlicht im August 2026.
Um die hohe Qualität unserer Inhalte sicher zu stellen, wurde dieser Text von Apothekerinnen und Apothekern geprüft. Die bereitgestellten Inhalte dienen lediglich der Information und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Die Texte sind nicht zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten gedacht.
Mit freundlicher Unterstützung von Lilly Deutschland GmbH .
Referenzen
1. AWMF S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/050-001. Stand: 07.10.2024. Abruf: 14.07.2025
2. Stiftung Gesundheitswissen. Adipositas-Behandlung: Welche Möglichkeiten gibt es? https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/adipositas/behandlung. Stand: 17.08.2023. Abruf: 14.072025
3. AWMF S3-Leitlinie Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/088-001. Stand: 01.02.2018. Abruf: 14.07.2025
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