Allergisches Asthma und Umweltbelastung

Allergisches Asthma und Umweltbelastung

 Allergisches Asthma – was ist der Auslöser?

In Deutschland leiden fast 30 Millionen Menschen unter Allergien. Die Tendenz ist steigend. Als Hauptursache sehen Experten die zunehmende Umweltbelastung und die steigende Zahl der Umweltschadstoffe. Wie Studien gezeigt haben, können Umweltschadstoffe Bestandteile der menschlichen Hautbarriere schädigen und außer Kraft setzen. Genauso kann auch die Lunge durch Schadstoffe für allergische Reaktionen empfänglicher werden, das gilt vor allem für das allergische Asthma. In Deutschland erkranken etwa 10 bis 15% der Kinder an Asthma. Besonders gefährdet durch Schadstoffe sind Kinder in den ersten Lebensjahren. Mehrere amerikanische Studien haben daher untersucht, welche Schadstoffbelastung bei Kleinkindern das Risiko für Allergien oder allergisches Asthma erhöht.

Man bestimmte dazu in 624 Haushalten im ersten Lebensjahr der Kinder die Konzentration an bakteriellen Schadstoffen (Endotoxinen). Die Schadstoffkonzentration im Freien durch Abgase wurde während der ersten drei Lebensjahre der Kinder zu verschiedenen Zeitpunkten ermittelt. Alle zwölf Monate erfolgte eine klinische Untersuchung der Kinder mit einem Pricktest. Bei diesem Allergietest werden verschiedene Allergene auf die Innenseite des Unterarms getropft und mit einer feinen Lanzette wird die Haut oberflächlich angeritzt. Reagiert ein Patient auf ein aufgetragenes Allergen, so kommt es an dieser Stelle zu Rötung, Juckreiz und Quaddelbildung.

Hohe Abgaswerte und bakterielle Schadstoffe potenzieren sich

Die Studie brachte nach drei Jahren folgende Ergebnisse: Waren die Kinder nur häuslichen Schadstoffen ausgesetzt, ergab das kein erhöhtes Allergierisiko. Waren sie nur geringfügig mit Luft- und häuslichen Schadstoffen belastet, entwickelten 11% von ihnen Lungensymptome. Waren die Kinder ausschließlich höheren Abgaswerten (aber keinen Endotoxinen) ausgesetzt, löste das bei 18% chronische Asthmasymptome aus. Und waren sie sowohl hohen Abgas- als auch hohen häuslichen Schadstoffkonzentrationen ausgesetzt, entwickelten 36% Asthmasymptome. Sie zeigten das typische   anhaltendes Pfeifen beim Atmen.

Die Auswirkungen von schädlichen Luftschadstoffen und Bakteriengiften in der Wohnung sind umso stärker, wenn beide gleichzeitig auftreten, man spricht in diesem Fall auch von einer synergistischen Wirkung. Das sollte man gerade bei Risikokindern beachten, da diese ein größeres Risiko haben, später ein ausgeprägtes allergisches Asthma zu entwickeln.

Welche Schadstoffe sind besonders gefährlich?

Man schätzt, dass es zurzeit über 100 Millionen chemische Verbindungen gibt und jeden Tag kommen mehr als 25.000 neue dazu. Besonders problematisch ist, dass die Menschen mit über 8.000 davon täglich in Kontakt kommen. Für die Atemorgane spielt die Schadstoffbelastung durch Abgase sicher die größte Rolle: Hierzu zählen u.a. Rußpartikel (Feinstaub), Kohlenmonoxid (CO), Schwefeldioxid (SO₂), Stickstoffdioxid (NO₂). Diese Umweltschadstoffe führen oft zu Reiz-Reaktionen in den Atmungsorganen, die von klassischen allergischen Reaktionen kaum zu unterscheiden sind. Diese Reiz-Reaktion findet jedoch im Gegensatz zu der klassischen allergischen Reaktion ohne Beteiligung des Immunsystems statt.

Welche Luftschadstoffe für die kindlichen Bronchien und Lungen besonders gefährlich sind, untersuchte eine weitere US-Studie an 600 New Yorker Kindern. Es zeigte sich, dass vor allem Nickel und Vanadium, in erster Linie aus Heizölrückständen, das Risiko für allergisches Asthma erhöhen. Dagegen begünstigt Feinstaub aus Dieselabgasen zwar Hustenattacken – allerdings nur während der Erkältungsmonate September bis April.

Was kann man als Betroffener tun?

Lässt sich der Kontakt mit dem Allergen nicht ganz vermeiden, ist es wichtig, das Immunsystem zu stärken und mögliche andere Belastungsfaktoren – wie zum Beispiel Infekte aller Art – zu meiden. Eine individuelle Desensibilisierung und eine allergenarme Diät können ebenfalls sehr hilfreich sein.

Info-Box:
Was versteht man unter allergischem Asthma?
Asthma ist eine Erkrankung der Atemwege, die bei 80% der Betroffenen durch Allergene ausgelöst wird. In diesem Fall spricht man auch von einem allergischen Asthma. Werden Allergene eingeatmet, können sie eine allergische Reaktion der Bronchien auslösen: Es kommt zu einer Entzündung der Schleimhäute, diese schwellen an und produzieren übermäßig viel zähen Bronchialschleim der wiederum die Bronchien verengt. Die Bronchialmuskulatur kann verkrampfen und so die Bronchien zusätzlich verengen. Hierdurch kommt es zum Auftreten der typischen pfeifenden Atemgeräusche. Der zähe Schleim kann nur sehr schwer abgehustet werden, hierdurch kann Husten, Kurzatmigkeit und Atemnot bis hin zu einem akuten Asthmaanfall auftreten. Der Asthmaanfall kann eine lebensbedrohliche Situation für den Betroffenen darstellen.

Was sind Endotoxine?
Endotoxine sind chemische Verbindungen, die von Bakterien gebildet werden und beim Zerfall des Bakteriums freigesetzt werden. (Im Gegensatz dazu werden Exotoxine kontinuierlich von lebenden Bakterien freigesetzt). Beide Toxine können beim Menschen zahlreiche Reaktionen auslösen, wie Fieber, Entzündungen oder Zellschädigungen. Endotoxine sind schon in niedrigsten Konzentrationen wirksam und überstehen sogar die Sterilisation. Bakterien und ihre Endotoxine können Entzündungen auslösen und bei Asthmatikern Atemprobleme verursachen. Wie sie in die Luft gelangen, ist bisher allerdings unklar.

Was versteht man unter einer Desensibilisierung?

Die Desensibilisierung zählt zu den spezifischen Immuntherapien, Hier werden nach einem Allergietest die entsprechenden Allergene in die Haut injiziert oder auch unter die Zunge getopft. Diese Behandlung wird in der Regel über mehrere Jahre durchgeführt. Eine Besserung der allergischen Beschwerden ist in manchen Fällen bereits nach einem Jahr möglich.

Quellen:
https://www.medical-tribune.de/medizin-und-forschung/artikel/umwelt-schadstoffe-erhoehen-das-risiko-fuer-asthma-bronchiale/
https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/asthma-bronchiale/haeufigkeit/

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