So macht sich Morbus Crohn bemerkbar

So macht sich Morbus Crohn bemerkbar

Die Beschwerden, die mit Morbus Crohn einhergehen können, sind vielfältig und nicht bei allen Patienten gleich. Typisch für die häufigste chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) sind Bauchschmerzen und Durchfälle, die mehrere Wochen lang anhalten und oft von Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust begleitet sind. Insbesondere bei jungen Menschen deuten solche Symptome, wenn sie zum ersten Mal auftreten, auf einen sich entwickelnden Morbus Crohn hin. Der Beginn der Krankheit ist oft schleichend.

Die Bauchschmerzen, die auch mit Krämpfen und Blähungen verbunden sein können, treten vor allem in der rechten Hälfte des Unterbauchs auf. Denn dort liegen Darmabschnitte, die bei Morbus Crohn besonders oft entzündet sind. Die Durchfälle sind meist wässrig und enthalten in der Regel kein Blut. Blutiger Durchfall würde eher auf eine andere häufige CED, die Colitis ulcerosa, hinweisen. Manche Patienten mit Morbus Crohn leiden auch an Übelkeit und Erbrechen.

Viele Patienten haben Gelenkschmerzen

Zu den Beschwerden des Magen-Darm-Trakts kommen häufig leichtes Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl hinzu: Die Patienten fühlen sich matt und abgeschlagen. Bei Kindern kann eine Wachstumsverzögerung der erste Hinweis auf die Erkrankung sein. Denn nur rund ein Viertel der Kinder und Jugendlichen mit Morbus Crohn leidet an den klassischen Beschwerden wie Bauchschmerzen und Durchfall.

Nahezu die Hälfte aller Betroffenen hat zudem gelegentliche Gelenkschmerzen, die nicht unbedingt zeitgleich mit den Magen-Darm-Symptomen auftreten müssen. Die Schmerzen können mit oder ohne Schwellungen, die auf Entzündungen hindeuten, einhergehen. Auch die Wirbelsäulengelenke sind zuweilen betroffen, was sich in Rückenschmerzen äußert.

Auch andere Organe können sich entzünden

Weitere extraintestinale – das heißt nicht den Darm betreffende – Symptome, die allerdings längst nicht bei jedem Patienten auftreten, sind

  • Hautveränderungen
  • Augenentzündungen
  • Entzündungen der Mundschleimhaut
  • Erkrankungen der Leber und der Galle
  • Gallen- und Nierensteine

Zu den vergleichsweise häufigen Hautveränderungen bei Morbus Crohn gehört das Erythema nodosum, auch Knotenrose genannt. Dabei handelt es sich um gerötete, schmerzhafte Knoten vor allem an den Unterschenkeln, die infolge einer Entzündung des Unterhautfettgewebes entstehen. Eine weitere Hauterscheinung ist das Pyoderma gangraenosum, ein großflächiges und ebenfalls schmerzendes Geschwür der Haut und des darunter liegenden Bindegewebes. Hautveränderungen weisen bis zu zwölf Prozent aller Patienten mit Morbus Crohn auf.

In den Augen können beispielweise die Bindehaut oder die Regenbogenhaut (Iris) entzündet sein. Veränderungen an den Augen, die etwa jeden zehnten Patienten betreffen, sollten unbedingt von einem Augenarzt behandelt werden, da es ansonsten im Extremfall zur Erblindung kommen kann. Entzündungen der Mundschleimhaut äußern sich in Form von Aphthen. Dies sind zwar harmlose, aber schmerzhafte Geschwüre, die sich durch milchig-weiß belegte Flecken, oft mit einer umgebenden Rötung, bemerkbar machen.

Sind die Leber und die Gallengänge von den entzündlichen Veränderungen betroffen, sprechen Mediziner von einer primär sklerosierenden Cholangitis (PSC), die mit Juckreiz und einer Gelbfärbung der Haut und der Augen einhergehen kann. Unbehandelt führt die PSC im schlimmsten Fall zu einer Leberzirrhose. Bei manchen Patienten mit Morbus Crohn kommt es zudem zu Gallen- oder Nierensteinen. Eine Beteiligung anderer Organe, etwa der Bauchspeicheldrüse und der Lunge, ist ebenfalls möglich, aber selten. Zudem haben Menschen mit CED ein erhöhtes Thromboserisiko.

Nicht selten leidet auch die Psyche

Die vielfältigen Symptome des Morbus Crohn und die daraus resultierende Verringerung der Lebensqualität – man denke nur an all die Schmerzen und die ständigen Gänge zur Toilette – stellen für die meisten Patienten eine starke seelische Belastung da. Einige Betroffene entwickeln daher im Laufe der Jahre zusätzlich ein psychisches Leiden, etwa eine Depression oder Angsterkrankung.

Solche Erkrankungen der Seele sollten sehr ernst genommen werden – zumal sie auch den Verlauf einer CED negativ beeinflussen können, wodurch eine Art Teufelskreis entsteht. Damit es so weit erst gar nicht kommt, gehören psychische Leiden infolge von Morbus Crohn von Anfang an in die Behandlung eines Facharztes.

Eine weitere Begleiterkrankung, die manche Patienten mit Morbus Crohn entwickeln und die sich von einer Depression zuweilen nur schwer unterscheiden lässt, ist die Fatigue. Dabei handelt es sich um einen Zustand chronischer Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit, die einen normalen Alltag stark erschwert oder sogar unmöglich macht. Auch durch viel Schlaf oder ausgedehnte Ruhephasen lässt sich eine Fatigue nicht beseitigen. Körperliche Ursachen wie zum Beispiel eine Blutarmut, die bei Morbus Crohn manchmal auftritt, sind hingegen behandelbar.

Bei schlechter Therapie drohen Komplikationen

Wird Morbus Crohn von Beginn an konsequent therapiert, ist die Lebenserwartung der Patienten heutzutage genauso hoch wie bei gesunden Menschen. Halten die Betroffenen ihren Behandlungsplan jedoch nicht zuverlässig ein, drohen eine Reihe zum Teil lebensgefährlicher Komplikationen. Die größte Gefahr geht von Darmverengungen aus, die im schlimmsten Fall in einem tödlichen Darmverschluss enden.

Daneben können Fisteln und Abszesse auftreten, die oft zu einem deutlich reduzierten Ernährungszustand, bei Kindern mitunter sogar zu einem Wachstumsstillstand führen können. Als Darmfisteln werden offene Verbindungsgänge zwischen verschiedenen Darmabschnitten und anderen inneren Organen oder der Körperoberfläche bezeichnet. Anzeichen sind zum Beispiel verschmutzte Unterwäsche, Stuhl im Urin, bei Frauen auch Stuhlabgang über die Scheide.

Abszesse sind mit Eiter gefüllte Hohlräume in einem Gewebe, die zuweilen einen Durchmesser von mehreren Zentimetern erreichen und bei Morbus Crohn vor allem im Analbereich zu finden sind. Dort verursachen sie meist starke Schmerzen.

Das Risiko für Darmkrebs ist erhöht

So verschieden die Symptome der Erkrankung sein können, so unterschiedlich ist auch ihr Verlauf. Höchstens ein Viertel aller Patienten mit Morbus Crohn hat kontinuierliche Beschwerden. Bei allen anderen tritt die Erkrankung nur schubweise auf. Oft sind die Betroffenen dann zwischen zwei Schüben nahezu oder vollständig symptomfrei. Bei knapp der Hälfte der Patienten kommt es nach dem ersten Krankheitsjahr im weiteren Verlauf zu einer sinkenden Entzündungsaktivität.

Doch auch wenn die entzündlichen Veränderungen weniger werden, nehmen die narbigen Veränderungen auf lange Sicht zu. Aus diesem Grund muss die Mehrzahl der Patienten mit Morbus Crohn irgendwann operiert werden. Es ist noch nicht ganz klar, ob sich das Operationsrisiko durch eine frühzeitige und konsequente medikamentöse Therapie senken lässt.

Ist der Dickdarm von den Entzündungen mitbetroffen, steigt nach etwa zehn Jahren die Gefahr, dass die Patienten einen Tumor im Dickdarm oder Enddarm entwickeln. Aktuellen Studien zufolge ist das Risiko für Morbus-Crohn-Patienten etwa drei- bis siebenmal höher als das der Normalbevölkerung. Aus diesem Grund sollte der Darm bei fortgeschrittener Krankheitsdauer regelmäßig endoskopisch überwacht werden.

Quellen:
https://www.gastro-liga.de/fileadmin/download/Morbus_Crohn_145-04-16.pdf
https://www.kompetenznetz-darmerkrankungen.de/files/cto_layout/img/
Patientenleitlinie-Diagnostik-und-Therapie%20des-Morbus-Crohn.pdf
https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/magen_darm/chronische_darmentzuendungen/article/966018/chronische-darmentzuendung-fatigue-ced-nur-muedigkeit.html
https://www.darmkrebs.de/ueberblick/risiko-fuer-darmkrebs/chronische-darmentzuendung/morbus-crohn

 

Neuerer Artikel

Kommentare