Atemübungen bei COPD

Atemübungen bei COPD

Auf den ersten Blick mag es widersprüchlich erscheinen, eine durch die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) bereits überlastete Muskulatur durch Atemübungen noch mehr zu belasten, bei der Mehrzahl der COPD Patienten ist dieses jedoch durchaus sinnvoll. Besonders gute Effekte zeigt das Atemtraining, wenn ausgeprägte Atemnot, Schwäche der Atemmuskulatur oder eine schlechte körperliche Belastbarkeit des Betroffenen vorliegen. Ob und welche Form von Atemübungen bei Ihnen persönlich angebracht ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen.

Durch richtiges Atemtraining nimmt Ihre Atemnot ab, Ihre Leistungsfähigkeit steigt und auch Ihre Lebensqualität verbessert sich. Diese Effekte treten aber frühestens nach 14 Tagen Training ein und auch nur dann, wenn Sie wirklich regelmäßig trainieren. Zusätzliche positive Effekte können Sie erzielen, wenn Sie die Atemübungen – nach Rücksprache mit Ihrem Arzt – mit allgemeinem körperlichem Training verbinden.

Beispiel für eine Atemübung bei COPD

Es gibt zahlreiche Atemübungen bzw. -techniken, die für COPD Patienten im Alltag oder bei akuter Atemnot hilfreich sind. Eine einfache Atemübung, die sich jederzeit zuhause durchführen lässt, ist folgende:

  1. Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl und hängen Sie die Arme seitlich herunter. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung.
  2. Atmen Sie langsam ein und heben Sie während des Einatmens Ihren gestreckten rechten Arm bis senkrecht über den Kopf (Sie zeichnen also mit dem Arm einen Halbkreis). Zählen Sie beim Einatmen die Sekunden.
  3. Jetzt atmen Sie langsam wieder aus und senken den Arm dabei wieder im Halbkreis zurück. Versuchen Sie beim Ausatmen mindestens die gleiche, möglichst aber die doppelte Zeit zu erreichen. Wenn Sie beim Einatmen also 4 Sekunden gebraucht haben, versuchen Sie in 4 bis 8 Sekunden auszuatmen. (1)

Was ist Atemtherapie?

Bei der Atemtherapie geht es darum, Menschen mit COPD (oder anderen chronischen Atemwegserkrankungen) bestimmte Übungen und Techniken der Atmung zu vermitteln, die den Alltag erleichtern und Selbsthilfemöglichkeiten bei akuter Atemnot vermitteln.

Im Wesentlichen hat eine Atemtherapie folgende Ziele:

  • Kräftigung und Dehnung der Atemmuskulatur
  • Vermittlung spezieller Husten- und Atemtechniken
  • Mobilisierung von festsitzendem Sekret in den Atemwegen
  • Verbesserung der Sauerstoffaufnahme
  • Anleitung zum Gebrauch von Geräten zur Atemtherapie

Wie können Sie an einer Atemtherapie teilnehmen?

Eine Atemtherapie kann Ihnen als COPD-Patient Ihr Haus- oder Lungenfacharzt verordnen. Atemtherapeutische Schulungen werden von Physiotherapeuten mit atemtherapeutischer Zusatzausbildung, Reha-Kliniken für Lungenpatienten und regionalen Lungensportgruppen angeboten. Nach einer solchen Schulung können (und sollten) Sie die erlernten Techniken und Übungen dann auch regelmäßig eigenständig zuhause durchführen. Wurde die Atemtherapie von einem Arzt verordnet, trägt in der Regel die gesetzliche Krankenkasse die Kosten.

Atemtherapiegeräte bei COPD

Die wissenschaftlich am besten belegte Methode zum Atemmuskeltraining, ist die sogenannte Widerstandsmethode („Threshold load“). Bei dieser Trainingsmethode saugt der Patient so stark wie möglich an einem speziellen Atemtrainer. Dadurch wird ein zunehmend ansteigender Druck aufgebaut. Wird der im Gerät eingestellte Widerstand (Threshold) überschritten, öffnet sich ein Ventil und Luft strömt in die Lunge. Aus der statischen wird nun eine aktive Atemmuskelarbeit. Hat der Patient maximal eingeatmet, nimmt der Druck ab, der am Gerät eingestellte Schwellenwert wird unterschritten und das Ventil schließt sich wieder. Danach atmet der Patient in das Gerät aus, wobei das Gerät dem Ausatmen einen geringeren Widerstand entgegensetzt. Durch den positiven Druck auf die Atemwege, der beim Ausatmen in das Gerät entsteht, wird zäher Schleim von den Bronchialwänden gelöst und kann leichter abtransportiert bzw. abgehustet werden. Für die optimale Wirkung muss das Atemtraining in einer geeigneten Sitzposition durchgeführt werden, wie es im Handbuch der jeweiligen Geräte beschrieben ist. (2)

Diese Atemübung ist in erster Linie ein „Krafttraining“, das auch für Patienten mit schwerer COPD geeignet ist und nachweisbare Effekte erzielt. Es gibt dafür verschiedene Atemtherapiegeräte, die einfach zu bedienen und zuhause anwendbar sind. Sie werden in der Leitlinie von COPD und Lungenemphysem empfohlen und sind in der Regel erstattungsfähig.

Reflektorische Atemtherapie

Neben der physiotherapeutischen Atemtherapie gibt es auch noch die so genannte reflektorische Atemtherapie. Sie beruht jedoch auf einem ganz anderen, eher psychischen Ansatz. Diese Heilmethode soll über meditative Atemübungen die Atemfunktion bei COPD verbessern, indem sie das Körperbewusstsein und die seelische Ausgeglichenheit fördert. Diese alternative Form der Atemtherapie zielt also in erster Linie auf Stressabbau und Entspannung, um so den Gesundheitszustand des Patienten positiv zu beeinflussen.

Literaturempfehlung:
Dierkesmann R., Kaiser S.: Endlich durchatmen: Wirksame Atemübungen bei Asthma, Bronchitis und COPD. Trias, Stuttgart, 2015

Quellen:
(1) http://www.leichter-atmen.de/juttas-blog/atemtraining-fuer-zu-hause
(2) Göhl C.: Training bei COPD – ein Lehrbuch für Patienten, Angehörige und Interessierte. (3. Aufl.) Selbstverlag, 2017.

 

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