Atemnot bei COPD

Atemnot bei COPD

Menschen, die an der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) erkrankt sind, leiden häufig unter Atemnot. Ein Charakteristikum der Erkrankung sind auch plötzliche Verschlechterungen der Lungenfunktion, die so genannte Exazerbation, eine akute Verschlimmerung der COPD-Symptome. Doch es gibt Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern.

Was hilft bei akuter Atemnot?

6 Mittel, um Atemnot zu lindern oder zu vermeiden:

Medikamente

Erste Wahl sind hier Arzneimittel aus der Klasse der Betamimetika (= Beta-2-Sympathomimetika) und der Anticholinergika. Sie erweitern die Bronchien und erleichtern so das Ausatmen, was die Atemnot mildert. Die meisten dieser Medikamente werden mittels Inhalatoren direkt eingeatmet. Es gibt verschiedene Inhalatoren auf dem Markt, der Patient muss mit dem Gebrauch seines jeweiligen Gerätes vertraut sein.

Lungensport

Sportliche Betätigung – natürlich auf die individuelle Belastbarkeit des Patienten angepasst – ist unbedingt zu empfehlen. Ob für Sie Kraft- oder Ausdauertraining geeignet ist, sollte Ihr Arzt entscheiden. Ideal sind Lungensportkurse mit lizenzierten Trainern. Hier stärken Sie Kraft und Ausdauer und lernen, ihre Atmung zu verbessern und die Restkapazität der Lunge optimal auszunutzen. (Siehe dazu nicht-medikamentöse Maßnahmen gegen COPD)

Atemphysiotherapie

Bei Speziell ausgebildete Physiotherapeuten lernen Sie, die eigene Atmung bewusster wahrzunehmen und einer drohenden Atemnot gezielt gegenzusteuern. Zum leichteren Abhusten von Schleim gehören bestimmte Körperhaltungen, Klopftechniken und Hilfsmittel wie zum Beispiel „das „RC-Cornet“. Diese Geräte erzeugen beim Hineinpusten Schwingungen, durch die festsitzender Schleim gelöst wird. (Siehe dazu Atemübungen bei COPD)

Das RC-Cornet®:
 Das RC-Cornet® ist ein oszillatorisches System, das auf der einen Seite einen Positiven Exspiratorischen Druck (PEP) erzeugt, also dem Ausatmen einen Widerstand entgegen setzt. Auf der anderen Seite erzeugt es Vibrationen, die die Viskosität des Schleimes senken, und über verschiedene Mechanismen beim Ausatmen den gelösten Schleim mobilisiert. Der Patient bläst durch einen Ventilschlauch in das Gerät, wodurch Druck- und Atemluft-Flussschwankungen erzeugt werden. Durch Drehen des Mundstücks können Form und Amplitude der Druckschwankungen variiert werden.

Sauerstofftherapie

Wenn trotz aller Therapiemaßnahmen eine chronische Sauerstoffunterversorgung bleibt, wird die Gabe von zusätzlichem Sauerstoff nötig, meist über dünne Schläuche in die Nase. Um weiterhin mobil sein zu können und nicht an die Wohnung gebunden zu sein, gibt es dafür tragbare Sauerstoffgeräte. Der Arzt sollte den Bedarf regelmäßig überprüfen.

Impfungen

Infekte können die bereits vorgeschädigte Lunge zusätzlich belasten und Exazerbationen (Krankheitsschübe) auslösen. Deswegen empfehlen Experten, dass Menschen mit COPD sich unbedingt regelmäßig gegen Grippe und Pneumokokken, den Auslösern der Lungenentzündung, impfen lassen. Die Grippeimpfung sollte jährlich erfolgen, die Impfungen gegen Pneumokokken sollte alle 5-6 Jahre wiederholt werden.

Verunreinigte Luft vermeiden

Dass Patienten mit COPD nicht (mehr) rauchen sollten, ist selbstverständlich. Aber auch schlechte Luft in verrauchten oder stark belasteten Räumen, Smog in den Innenstädten oder andere staub- und rauchbelastete Räume können Verschlechterungen der Lungenerkrankung hervorrufen. COPD-Patienten sollten daher Orte meiden, in denen eine ausreichende Frischluftzufuhr nicht gewährleistet ist.

Exazerbation – was ist das genau?

Bei einer akuten Exazerbation beobachtet man eine Verschlechterung der Hauptsymptome (Atemnot, Husten, Auswurf) meist innerhalb kurzer Zeit. Die Beschwerden sind schwerer als üblich oder halten länger als üblich an. Eine Exazerbation kann plötzlich und unvermittelt aber auch schleichend auftreten und unterschiedlich stark sein. Der COPD Patient sollte daher die Anzeichen einer Verschlechterung frühzeitig erkennen können. Diese Anzeichen sind:

  • Vermehrte Atemnot
  • Häufigerer und stärkerer Husten
  • Verstärkte zähe Schleimbildung
  • Gelbliche Verfärbung des Auswurfs (z.B. durch Eiterbildung)
  • Pfeifende Atemgeräusche beim Ausatmen

Um solche akuten Atemnot-Anfälle zu bekämpfen, empfehlen Experten zum Beispiel folgende Methoden:

„Lippenbremse“
Hierbei atmet der Patient ruhig durch die Nase ein. Anschließend spitzt er die Lippen und atmet langsam und dosiert durch den Mund wieder aus. Die Lippenbremse bewirkt, dass der Atemstrom abgebremst wird und dadurch die Atemwege weit bleiben.

„Kutschersitz
Hier sitzt der Patient breitbeinig auf einem Stuhl, beugt den Oberkörper nach vorne, legt die Unterarmen auf einen Tisch (oder die Oberschenkel) und den Kopf darauf. Dadurch wird der Brustkorb vom Gewicht der Arme entlastet, und die Atemhilfsmuskulatur kann die Atmung unterstützen.

Beide Techniken können auch gemeinsam eingesetzt werden. Sie dienen dazu, die Atmung zu erleichtern und einer weiteren Verengung der Atemwege vorzubeugen – sowohl präventiv in Situationen der körperlichen Anstrengung sowie regulativ bei akuter Atemnot.

Quellen:
ZDF, AOK, Hausärzteverband: Hilfe Atemnot – Patienten-Handbuch COPD
https://www.copd-deutschland.de/images/definitionen/aok-zdf/copd_handbuch.pdf

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