Nicht-medikamentöse Therapie bei COPD

Nicht-medikamentöse Therapie bei COPD

Zur Behandlung der chronischen obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) werden primär Medikamente eingesetzt, die wir unter medikamentöse Behandlung der COPD besprochen haben. Sie helfen die Atemwege zu erweitern und lindern so die Atemnot der Betroffenen. Das allein reicht aber nicht aus. Mindestens genauso unverzichtbar für den Erfolg der Therapie einer COPD sind verschiedene begleitende Maßnahmen, bei denen es entscheidend auf die Mitarbeit des Patienten ankommt. Zu diesen therapiebegleitenden Maßnahmen gehören vor allem:

  • Das Beenden des Rauchens (bzw. die Vermeidung lungenschädlicher Substanzen)
  • Lungensport (siehe unten) und andere körperliche Aktivitäten
  • Physiotherapeutische Atemtherapie
  • Schulung und Ernährungsberatung
  • Schutzimpfung gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken (siehe unten)

Die Experten der GOLD (1) räumen Maßnahmen wie Schulung, Rauchentwöhnung, Trainingstherapie und Rehabilitation einen hohen Stellenwert ein und sehen diese mindestens gleichberechtigt neben der medikamentösen Behandlung. (siehe Therapie der COPD)

Verzicht aufs Rauchen verlängert das Leben

Bislang gingen Ärzte davon aus, dass etwa die Hälfte aller Raucher eine COPD entwickelt. Eine Studie der US-amerikanischen Lungenfachklinik National Jewish Health fand jedoch heraus, dass 80 Prozent der Raucher in ihrem Leben von einer COPD betroffen sind. (2) Für eine effektive COPD-Therapie sollte ein Raucher möglichst mit dem Rauchen aufhören, aber auch das Passivrauchen soweit möglich vermeidet. Weiterhin rauchende COPD-Patienten verlieren pro Jahr ungefähr doppelt so viel Lungenfunktion, wie Patienten, die mit dem Rauchen aufgehört haben. Bei Nichtrauchern ist die Anzahl der Exazerbationen (akute Verschlechterungen der Beschwerden) und der Krankenhauseinweisungen deutlicher geringer als bei Rauchern.

Für COPD-Patienten gibt es zur Rauchentwöhnung spezielle Programme, die in vielen Fällen von der Krankenkasse unterstützt werden. Nutzen Sie solche Angebote, denn erfahrungsgemäß gelingt es Rauchern mit diesen speziellen Programmen eher, langfristig Nichtraucher zu werden, als ohne Programm. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Krankenkasse beraten.

Sind andere Auslöser für die Krankheit verantwortlich, wie zum Beispiel Staub- oder Chemikalienbelastung am Arbeitsplatz, müssen diese durch entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen oder notfalls einen Wechsel des Arbeitsplatzes vermieden werden.

Lungensport und andere körperliche Aktivitäten

Leiden Sie unter Atemnot, wird jede Anstrengung zur Qual. Die Folge davon ist: Viele Menschen mit COPD schonen sich und meiden möglichst körperliche Anstrengungen. Inaktivität jedoch verstärkt wiederum Ihre Atemnot, denn sie verlieren dadurch Muskelkraft und Ausdauer. Je mehr Sie sich schonen, desto eher leiden Sie unter Atemnot – selbst bei geringer Belastung oder sogar in Ruhe – ein echter Teufelskreis. Dagegen hilft ein für Sie angepasstes Trainingsprogramm, zum Beispiel in einer Lungensportgruppe. Das verbessert Ihre Lungenfunktion, Ihre Belastbarkeit und Ihre Lebensqualität, so dass Sie nicht so schnell außer Puste geraten und seltener unter Atemnot leiden. Bewegung hilft zudem den Knochenschwund (Osteoporose) aufzuhalten, von dem viele COPD-Patienten oft gleichzeitig betroffen sind.

Für Menschen mit COPD gibt es speziellen „Lungensport“, der auf die Bedürfnisse und die geringere Leistungsfähigkeit von Lungenpatienten zugeschnitten ist. Diese Programme umfassen Atem- und Entspannungstechniken, sowie Übungen zum Training von Kraft, Koordination und Ausdauer. Eine Lungensportgruppe in Ihrer Nähe finden Sie auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft Lungensport e.V. (www.lungensport.org/lungensport-register.html). Von den Krankenkassen werden je nach Schwere der Erkrankung Zuschüsse gewährt, wenn Ihnen Ihr Arzt die Teilnahme am Lungensport verordnet.

Ob bestimmte Sportarten auch für COPD-Patienten geeignet sind, lässt sich nicht pauschal sagen. Dies hängt vor allem auch vom Schweregrad der Lungenerkrankung ab, der körperlichen Fitness und sonstigen Erkrankungen des Patienten. Bei starken Atembeschwerden oder Herzerkrankungen zum Beispiel können manche Sportarten zu risikoreich sein. Deswegen sollten Sie auf jeden Fall vor der Teilnahme an einem Trainingsprogramm mit Ihrem Arzt sprechen.

Atemübungen und Atemtherapie

Mit Hilfe der physiotherapeutischen Atemtherapie können Sie durch ein gezieltes Trainingsprogramm die Atemmuskulatur kräftigen und so Ihre Atemleistung steigern. Unter fachkundiger Anleitung üben Sie hier spezielle Haltungen und Techniken und lernen so

  • Wie Sie sich das Atmen erleichtern können
  • Wie Sie ihr Sekret leichter abhusten können
  • Was Sie bei akuter Atemnot machen können

Die Atemübungen werden meist unter Anleitung von Physiotherapeuten im Rahmen von Atemtherapien angeboten. Dabei wird auch der Umgang mit speziellen Atemgeräten geübt. Nutzen Sie diese Möglichkeiten, auch hierbei kann Sie Ihr Arzt unterstützen.

Siehe dazu auch Atemübungen bei COPD.

Reha, Schulung und Ernährungsberatung

Krankenkassen bieten als Reha-Maßnahmen für Menschen mit COPD die sogenannte pulmonale oder pneumologische Rehabilitation an. Sie soll den Betroffenen dabei helfen, trotz Ihrer Einschränkungen ein möglichst normales Leben zu führen und die COPD-Erkrankung besser in den Griff zu bekommen. Die mehrwöchigen Behandlungsprogramme umfassen unter anderem Raucherentwöhnung, körperliches Training, COPD-Schulung, Atemtherapie und Ernährungsberatung. Die Kurse werden in spezialisierten Kliniken oder ambulant angeboten. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Ihre Krankenkasse.

Durch diese Reha-Maßnahmen kann die Lebensqualität des Patienten verbessert und seine Leistungsfähigkeit gesteigert werden. Pulmonale Reha hilft sowohl Menschen mit gleichbleibenden COPD-Beschwerden, als auch solchen mit häufigen Exazerbationen (plötzlichen Anfällen von Atemnot).

Um die Verbesserungen durch eine Reha-Maßnahme auch langfristig zu erhalten, ist es wichtig, dass der Patient die erlernten Maßnahmen (Bewegungs- und Atemtraining, Rauchstopp) in seinem Alltag integriert und auch nach der Reha weiterhin selbstständig durchführt.

Ernährungsberatung

Bei fortschreitender Erkrankung verlieren manche COPD-Patienten an Gewicht. Das schwächt den Körper zusätzlich. Auf der anderen Seite kann auch starkes Übergewicht den Patienten belasten und in seiner Aktivität einschränken. Mit einer bewussten, ausgewogenen Ernährung lässt sich beiden Problemen gegensteuern, daher gehört zum COPD-Management auch eine Ernährungsberatung.

An anderer Stelle gehen wir detaillierter auf das Thema Ernährung und COPD ein.

Impfungen gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken

Infekte der Atmungsorgane können die Krankheit verschlimmern. Daher werden Impfungen gegen Pneumokokken – einem Auslöser der Lungenentzündung – und die jährliche Grippeimpfung (Influenza) unbedingt empfohlen.

Andere Maßnahmen

Schreitet die COPD fort, kann es hilfreich sein, die Sauerstoffsättigung im Blut mit einer Sauerstoff-Beatmung anzuheben. Auch chirurgische Eingriffe können bei schwer Erkrankten notwendig werden: Reduziert man operativ das Lungenvolumen, werden die übrigen Bereiche der Lunge besser mit Sauerstoff versorgt. So kann ein lokal begrenztes Lungenemphysem chirurgisch entfernt werden. Die letzte Therapiemöglichkeit ist die Transplantation eines oder beider Lungenflügel, was aber nur in seltenen Fällen infrage kommt.

Quellen
(1) (2) http://goldcopd.org/gold-reports/
(2) www.gesundheitsstadt-berlin.de/mehrheit-der-raucher-bekommt-eine-copd-6795/

 

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