Ernährung bei COPD

Ernährung bei COPD

Patienten mit einer chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) können durch eine gesunde, ausgewogene Ernährung viel zu einer positiven Veränderung ihrer Erkrankung und ihrer Lebensqualität beitragen. Vor allem sollten Menschen mit COPD zwei Dinge vermeiden: Untergewicht und Übergewicht. Durch Einhalten des Normalgewichts lässt sich nämlich die Häufigkeit von akuten Krankheitsschüben (Exazerbationen) verringern, aber auch andere Symptome und Begleiterkrankungen können gelindert werden. Lesen Sie hier, wie Sie durch eine angepasste gesunde Ernährung Gewichtsverlust oder einem eventuell vorhandenen Übergewicht gezielt entgegenwirken können.

Normal-, über- oder untergewichtig? – Ihr BMI
Ob Sie normal-, über- oder untergewichtig sind, können Sie einfach mit einem BMI-Rechner (Body Mass Index) bestimmen, der neben Gewicht und Körpergröße auch Geschlecht und Alter berücksichtigen sollte.

Untergewicht bei COPD

Haben Sie einen BMI unter 21, kann das den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen. (1) Untergewicht ist bei COPD nicht selten – bei jedem fünften Patient ist das zu beobachten. Grund dafür ist einerseits der (um bis zu 10 Prozent) erhöhte Energieverbrauch bei der durch die Erkrankung erschwerten Atemarbeit. Andererseits leiden COPD-Patienten häufig unter Appetitlosigkeit. Beides zusammen kann zu auffälligem Gewichtsverlust und Muskelschwund führen, was wiederum die Atemarbeit erschwert.

Als auffälligen Gewichtsverlust, der in der Regel bei COPD häufiger vorkommt, ist eine Abnahme des Körpergewichts um mehr als 10 Prozent in den letzten 6 Monaten oder um mehr als 5 Prozent im letzten Monat zu werten.

Was tun bei Untergewicht?

Bei Untergewicht wird eine besonders eiweißhaltige, kalorienreiche Nahrung empfohlen. Das können Sie zum Beispiel mit folgenden Nahrungsmitteln erreichen:

  • Käse, Sahne und Vollmilch-Produkte
  • Pflanzliche Öle wie zum Beispiel Olivenöl und Rapsöl
  • Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen und Linsen
  • Nüsse
  • spezielle kohlenhydratreiche Pulver aus der Apotheke (Maltodextrin, Eiweißpulver)

Dabei hat sich die Kombination von Kohlenhydraten mit Milchprodukten oder Ei als besonders günstig erwiesen (2):

  • Kohlenhydrate (zum Beispiel Kartoffeln, Brot, Nudeln, Gries etc.)
  • Milchprodukte (zum Beispiel Käse, Quark, Sahne, Joghurt)
  • Ei (Rührei, Pfannkuchen, Getreidebratlinge).

Wenn Sie unter Appetitlosigkeit leiden, oder beim Essen zu schnell satt werden, versuchen Sie Folgendes: Trinken Sie nichts vor und während des Essens und teilen Sie Ihre Kalorienzufuhr auf mehr als drei Mahlzeiten über den Tag auf. Sollten all diese Maßnahmen keine Wirkung zeigen, kann Ihnen Ihr Arzt bei COPD und Untergewicht auch orale Zusatznahrung verschreiben.

Kalorienzufuhr und Bewegung gehören zusammen

Kalorien allein reichen jedoch nicht aus. Um nicht nur Fettgewebe, sondern wieder mehr Muskeln aufzubauen, ist viel Bewegung und körperliches Training notwendig. Für COPD-Patienten geeignet sind Sportarten, die eine konstante, aber nicht übermäßige Belastung erfordern, wie Wandern, Walken, leichtes Joggen, Radfahren, Tanzen, Schwimmen und Gymnastik. Für Patienten mit fortgeschrittener COPD eignet sich vor allem Lungensport, der zum Beispiel im Rahmen einer Reha angeboten wird. Weitere Informationen zu geeigneten Aktivitäten finden Sie unter COPD und Sport.

Übergewicht und COPD

Nicht nur Untergewicht, auch Übergewicht beeinflusst die Lebensqualität von COPD-Patienten nachgewiesenermaßen negativ. Ein zu hohes Körpergewicht liegt bei einem BMI über 25 vor, wobei der BMI nichts über den Fettanteil im Körper aussagt, der bei übergewichtigen COPD Patienten speziell gemessen werden sollte. Außerdem gilt die starre Grenze von 25 genaugenommen nur bis zu einem Alter von 25 Jahren – dann nimmt der BMI alle 10 Jahre um 1 Punkt zu.

Übergewicht beeinträchtigt unter anderem die Funktion der Lunge: Das Atmen fällt dem übergewichtigen COPD-Patienten noch schwerer. Außerdem erfordert Übergewicht vom Körper zusätzliche Leistung bei der Bewegung, was den Sauerstoffverbrauch erhöht und die Atmung beschleunigt. All das belastet Lunge, Herz und Kreislauf mehr als nötig – ganz besonders bei einem COPD-Patienten. Übergewichtige COPD-Patienten haben zusätzlich ein Risiko für Bluthochdruck sowie Stoffwechselerkrankungen (Diabetes), Schlafapnoe (Atemaussetzer beim Schnarchen) oder Sodbrennen.

Wenn Sie unter einer COPD leiden und dazu noch übergewichtig sind, sollten Sie Ihre überflüssigen Pfunde langsam, aber nachhaltig reduzieren. Optimal ist eine Reduktion um bis zu zwei Kilo pro Monat. Das erscheint zwar nicht viel, aber nur eine langsame, ausgeglichene Gewichtsreduktion erspart Ihnen den so genannten Jojo-Effekt, also die erneute Gewichtszunahme nach der Diät.

Viele Diäten sind nur auf schnelles Abnehmen konzipiert und zeigen langfristig gesehen keine Wirkung. Erfolgversprechend ist nur eine konsequente, langfristige Ernährungsumstellung mit fettreduzierten und ausgewogenen Lebensmitteln (also kalorienarmer und gesünder essen), verbunden mit mehr Bewegung im Rahmen Ihrer persönlichen Möglichkeiten. Den für Sie individuell passenden Ernährungsplan sprechen Sie am besten mit einem Ernährungsberater ab (siehe unten). Hier nur einige allgemeine Tipps bei Übergewicht und COPD:

  • Trinken Sie reichlich, am besten Wasser oder Früchtetee, das sättigt ohne Kalorien.
  • Reduzieren Sie Ihren Zucker- und Fettkonsum (achten Sie auf verstecktes Fett und Zucker in Fertigprodukten).
  • Eine erhöhte Aufnahme von Proteinen (Eiweiß) ist sinnvoll, achten Sie jedoch auch hier auf den Fettgehalt, vor allem bei tierischem Fett.
  • Kaufen Sie dann ein, planen und kochen Sie Ihre Mahlzeiten, wenn Sie nicht hungrig sind.
  • Verwenden Sie nährstoffschonende, fett- und zuckerarme Zubereitungsarten.
  • Verteilen Sie Ihre Nahrungsaufnahme auf mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag.

Weitere Infos finden Sie in unserem Beitrag: COPD und Übergewicht.

Allgemeine Ernährungstipps bei COPD

Patienten mit einer COPD sollten – nicht nur im Rahmen einer Reha – an einer Ernährungsberatung teilnehmen. Dies ist besonders für Patienten mit starkem Unter- oder Übergewicht sinnvoll! Ernährungsberater mit einem Zertifikat finden Sie auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V..

Für normalgewichtige COPD-Patienten empfiehlt sich grundsätzlich eine fettarme, eiweißhaltige und nährstoffreiche Ernährung.

  • Die Basis bilden Kohlenhydrate, also vor allem stärkehaltige Nahrungsmittel, wie Getreideprodukte, Mais, Reis, Kartoffeln usw. Diese Lebensmittel sind das Fundament Ihrer Ernährung und sollten Bestandteil jeder Mahlzeit sein.
  • Dann folgen Salat, Gemüse und Obst, entweder als Beilage bei jeder Mahlzeit oder als eine Zwischenmahlzeit oder Snack. Je frischer und unbehandelter die Produkte sind, umso gesünder sind sie. Ist keine frische Ware verfügbar, dann sollten Sie Tiefkühlkost ohne Zusätze der Konservenware im Allgemeinen vorziehen.
  • Eiweißreiche Nahrung bildet die Grundlage für den Muskelaufbau. Eiweiß (Protein) ist vor allem in tierischen Produkten, wie Fleisch (auch Wurst, Geflügel), Fisch, Milchprodukten (auch Käse) und Eiern enthalten. Der Nachteil ist, dass diese Produkte meist auch tierische Fette enthalten, die zum Großteil aus den für Herz und Kreislauf schädlichen gesättigten Fettsäuren bestehen. Bei Seefisch und Hülsenfrüchten, wie Erbsen, Bohnen und Linsen, die auch sehr proteinreich sind, besteht dieses Problem nicht.
  • An Fetten und Ölen sollten Sie sparen, darauf aber nicht ganz verzichten. Dabei sollten Sie aber vor allem auf Produkte mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren zurückgreifen (zum Beispiel Oliven- und Rapsöl). Wegen ihres hohen Anteils an Omega-3-Fettsäuren gelten fette Fische, wie Makrele, Lachs, Thunfisch etc., als besonders gesund.
  • Ausreichendes Trinken nicht vergessen.

Eine gesunde Ernährung bei COPD bedeutet nicht den Verzicht auf einzelne Lebensmittel. Vielmehr sollten Sie die einzelnen Nahrungsmittel in einem ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährungsplan miteinander kombinieren. Besprechen Sie diesen Ernährungsplan mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ernährungsberater. Hier finden Sie noch ein leckeres Rezept für COPD Patienten zum Kochen.

Quellen:
(1) Schols, Slangen, Volorris et al.: Weigth loss is a reversible factor in the prognosis of COPD. Am J Respir Crit Care Med 1998; 157: 1791-1797.
(2) COPD-Deutschland und Lungenemphysem-COPD Deutschland (Hrsg.): COPD und Ernährung. Crossmed; 2016.
https://www.copd-deutschland.de/images/patientenratgeber/crossmed/copd-und-ernaehrung.pdf

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