COPD kann auch aufs Herz gehen


Mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) sind oft auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden; sie treten bei etwa der Hälfte der COPD-Betroffenen auf. Dieser Zusammenhang wurde im Rahmen der COSYCONET-Studie näher untersucht. Die Forscher wollten vor allem wissen, welchen Einfluss Herz-Kreislaufprobleme auf die Symptome der COPD haben und wie sicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei COPD-Patienten erkannt werden.
In diese Studie wurden fast 2.800 -Patienten aus Deutschland einbezogen. Wie die Ergebnisse zeigen, sind Herzerkrankungen bei Patienten mit stabiler COPD tatsächlich nicht selten. Etwa die Hälfte der untersuchten Patienten nahmen mindestens ein Herz-Medikament und bei etwa einem Fünftel wurden Herzerkrankungen, Herzschwäche oder Herzinfarkt festgestellt. Die Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren in vielen Fällen durch die COPD mitverursacht. „Wir beobachten, dass die linke Herzkammer bei COPD-Patienten oft verkleinert ist, außerdem ändert sich durch die Überblähung der Lunge die Lage des Herzens im Brustkorb“, so Prof. Vogelmeier, der Leiter der COSYCONET-Studie. Wie die Forscher weiter herausfanden, kann die COPD möglicherweise zu einer Überbeanspruchung der linken Herzkammer führen. Daher empfehlen sie, regelmäßig das Herz-Kreislauf-System von COPD-Betroffenen vorbeugend zu untersuchen. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnten die Herz-Kreislauf-Beschwerden wahrscheinlich sogar gelindert werden, wenn die Charakteristika der COPD – also die Atemwegsverengung und Überblähung der Lunge – erfolgreich behandelt werden.
Ein Problem dabei sei, so die Autoren, dass die Herz-Probleme oft nicht bei den üblichen Diagnosemethoden festzustellen sind; in der Studie zeigte zum Beispiel nur eine Minderheit der Patienten Auffälligkeiten bei der Herzuntersuchung. Das bedeutet: Bei einem bemerkenswert großen Anteil der COPD-Patienten werden Herzprobleme möglicherweise nicht diagnostiziert und bleiben womöglich unbehandelt, was ein erhöhtes Risiko für den Patienten bedeuten kann.
Innerhalb der COSYCONET-Studie untersuchten die Wissenschaftler auch, wie häufig COPD-Patienten die empfohlenen nicht-medikamentösen Behandlungs- und Präventionsangebote wahrnehmen. „Hier zeigt sich noch Raum für Verbesserungen“, so Vogelmeier, nur 10 bis 20 % der COPD-Patienten nehmen an Lungensportgruppen oder Physiotherapie teil. Auch Programme zur Raucherentwöhnung – mit der wichtigste Aspekt der Vorbeugung – werden nur von einem Viertel der rauchenden COPD-Patienten wahrgenommen. Hier sollten besonders Betroffene in frühen COPD-Stadien besser motiviert werden, denn das könne das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamen.
„COSYCONET“-Studie im Internet: www.asconet.net
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Quelle
Alter P, Mayerhofer BA, Kahnert K, et al. Prevalence of cardiac comorbidities, and their underdetection and contribution to exertional symptoms in COPD: results from the COSYCONET cohort. International Journal of Chronic Obstructive Pulmonary Disease. https://doi.org/10.2147/COPD.S209343.
https://www.dovepress.com/prevalence-of-cardiac-comorbidities-and-their-underdetection-and-contr-peer-reviewed-article-COPD
https://idw-online.de/de/news714385
https://www.fcmh.de/Aktuelles/pmforschung/lungen_herzmedizin/copd
https://www.uni-marburg.de/de/aktuelles/news/2019/lungenerkrankung-copd-schlaegt-auf2019s-herz
https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Kardiovaskulaere-Komorbiditaeten-bei-COPD-wenig-beachtet-314645.html
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